Nun sollte man meinen, mit Konsolen, die am Internet hängen machen sich auch hier Modifikationen breit. In der Praxis sieht es aber anders aus. Ein Grund dafür mag die Bedienung sein, Level editoren auf Konsolen sind nach wie vor weit weniger mächtig und schwieriger zu bedienen als ihre PC-Gegenstücke. Ein anderer ist möglicherweise die Tatsache, dass Spieler, die Gratisinhalte bekommen sich nicht so schnell Geld aus der Tasche leiern lassen. In der Folge bleiben Editoren auf Konsolen bis heute eine Randerscheinung. Es gibt etwa die Schmiede von Halo oder den Far Cry-Editor, die meisten Titel bieten solche Funktionen aber gar nicht.
Eine der wenigen Ausnahmen ist LittleBigPlanet, das voll und ganz auf User Generated Content setzt. Hier zeigt sich aber wieder ein Problem. Während man für Elder Scrolls problemlos Boromirs Schwert sowie Links und Altairs Kleidung erstellen und vor allem über freie Server verteilen kann müssen Anbieter eines geschlossenen Netzwerks ständig auf der Hut vor Copyright Verletzungen sein.
Während das kleine Problem mit vielleicht verlorenen Einnahmen sich auch auf dem PC immer mehr bemerkbar macht, Moddingtools werden seltener angeboten und manches Spiel möglichst “abgeriegelt”, zeigt sich hier aber noch ein ganz anderes Problem. Nicht nur der Aufwand für Spiele steigt immer weiter, auch der für Modifikationen. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass so manches Moddingprojekt schlicht im Sand verläuft. War die Mechwarrior Living Legends Modifikation für Crysis etwa nach einigen Jahren erfolgreich, sind weit mehr Projekte gescheitert, unter anderem eine Jurassic Park Mod.
Trotzdem, es gibt immer noch Projekte, die auf Nutzerinhalte setzen. So setzt Microsoft mit Project Spark auf eine Bastelkiste, Media Molecule von Sony arbeitet wohl auch wieder an einem ähnlichen Projekt und auch so mancher Entwickler klassischer Spiele unterstützt die bastelwütige Community nach wie vor, nicht zuletzt Bethesda.
Die PC-Nähe von PlayStation 4 und Xbox One könnte es vielleicht auch einfacher machen, Mods vom PC auf die Konsole zu bringen.
Pen and Paper
Weit weniger Beachtung schenkt man meist einem anderen Teil der Nutzerkreativität. Dabei geht es auch ganz klassisch. Als Kind habe ich versucht, AT-ATs aus Lego nachzubauen, eigene Transformers gezeichnet und ja, natürlich auch gerne Videospiele verwurstet. Damals gab es weit weniger Denglisch und der Begriff Fan Art war mir völlig unbekannt. Wahrscheinlich ging das damals vielen jungen Zockern so. Was damals allerdings fehlte, das war eine Plattform. Vielleicht druckte mal ein entsprechendes Magazin Fanbilder ab, vielleicht wurde auch mal ein besonders kreativer Leserbrief veröffentlicht, eine ganz allgemeine Plattform gab es aber damals nicht.
Die passende Zauberformel, die das alles grundlegend geändert hat hört auf den Namen World Wide Web. Wirklich überraschend ist das aus heutiger Sicht eigentlich nicht. Dienste wie Tumblr bieten die Möglichkeit, Bilder öffentlich zu machen, entsprechende Foren und auch Fan Fiction Seiten beglücken Hobbyschreiberlinge mit einer lesenden Community und YouTube macht Fanfilme öffentlich, von Brickmation bis zu teilweise erstaunlich aufwändigen Realkurzfilmen. Ob nun Mario auf Parkour trifft, Lego auf GTA oder einfach jemand Garrus Vergangehheit beim turianischen Militär beleuchten will, die Community ist nicht nur unglaublich produktiv, sie besetzt auch jede denkbare Lücke, manchmal vielleicht sogar die undenkbaren.