Oh, toll, noch ein Messerückblick. Muss das sein? Nun, multiple Messe Meinungen sind so vorhersehbar und unvermeidlich wie das nächste FIFA. Das macht sie allerdings nicht nötig. Wichtiger ist da eher, dass diese E3 weit mehr Diskussionsstoff bietet als die Messen der vergangenen Jahre. Im Videospielbusiness hat sich lange nicht so viel bewegt wie in den vergangenen Monaten, durchaus ein Grund also, die vergangenen Tage ein weiteres Mal Revue passieren zu lassen. Suchen wir uns also ein erstes Opfer.
Bekackt
So heißt ein Bilderbuch von einem kleinen Bären, der sein Bettchen beschmutzt hat und der restlichen Bärenfamilie von seinem Missgeschick zu erzählen versucht. Aber keiner hört richtig zu, keiner hat Zeit für den kleinen Bären und alle tadeln ihn für seine Ausdrucksweise.
Ein wenig kommt mir Microsoft wie der kleine Bär vor. Man will ein neues, ganz tolles, wichtiges Produkt mit noch viel tolleren Neuerungen zeigen, aber keiner versteht es. Armes Microsoft, oder etwa nicht? Sicher ist, Microsofts gesamte Planung bezüglich Onlineanbindung und DRM geht weiter als alles, was man bisher auf Konsolen kennt. Vor allem deshalb, weil der heilige Gral discbasierter Spiele von Dingen betroffen ist, die bisher höchstens für Downloads galten. Die Kameraparanoia ist da natürlich vor allem ein Bonus für all diejenigen, die sich dem Datensammelwahn bisher anscheinend nicht bewusst waren.
Kinect 2 ist in jedem Fall ein Streitpunkt. Wofür brauche ich die Kamera? Ich persönlich brauch sie eigentlich gar nicht und würde alleine deswegen liebend gern darauf verzichten. Durch Menüs arbeite ich mich lieber mit dem Controller, Einschalten per Druck auf den Guidebutton tut mir auch nicht gerade weh, Kinect in Spielen reizt mich noch deutlich weniger als die Wiimote. Trotzdem werde ich als potenzieller Kunde gezwungen, ein Zubehör mitzuzahlen, das ich nicht nutzen will. Vor allem aber gar nicht nutzen muss. Kinect soll völlig deaktivierbar sein, einfach abklemmen geht aber nicht.
Datensammelei? Werbung? Sicher bietet Kinect da Möglichkeiten, Livebilder aus meinem Wohnzimmer werden Microsoft da allerdings eher weniger interessieren. Auch da gilt aber wieder, wenn Kinect deaktivierbar ist, dann sind solche Punkte eigentlich hinfällig.
Ich will Kinect nicht nutzen, also will ich das Kamerazubehör auch nicht teuer bezahlen. Vor allem aber will ich so ein Ding nicht auf dem Fernseher stehen haben. Die unscheinbare Sensorbar der Wii ist da schon die Schmerzgrenze. Trotzdem wird mir als möglichem Kunden das Gerät und die Mehrkosten aufgedrückt.
Weiter geht’s, Stichwort Onlinezwang. Der dient Microsofts DRM-Management. Einmal am Tag ein paar Kilobytes verschicken, das tut ja erstmal nicht weh. Aber was, wenn ich aus den verschiedensten Gründen mal kein Internet habe? Nun, dann kann ich schlicht nicht spielen. Für den einen unwichtig, für den anderen aus verschiedensten Gründen ein absolutes No Go. Damit ist das Thema aber noch nicht durch, Regionalsperre und Geographieabgleich verhindern ganz nebenbei das Abspielen von Importen. In welchem Ausmaß oder in welcher Genauigkeit ist derzeit völlig unbekannt.