Von allen Nintendo-Serien ist Fire Emblem die wohl untypischste: Wo Zelda und Co. den Spieler immer stärker an die Hand nehmen und ein möglichst breites Publikum ansprechen, wendet sich die in Zusammenarbeit mit Intelligent Systems entwickelte Reihe entschieden an eine anspruchsvolle Taktik-Klientel, die Fire Emblem gerade wegen seiner gnadenlosen Permatod-Mechanik schätzt. Fällt ein Mitstreiter im Kampf, ist er tot und bleibt auch tot egal, wie viel Training Ihr in ihn investiert habt und wie sehr Euch die Figur ans Herz gewachsen ist. Das gibt den rundenbasierten Taktik-Schlachten eine einzigartige Dramatik, gleichzeitig schreckt diese Mechanik aber auch viele potenziell interessierte Spieler ab.
Zur ersten 3DS-Episode entschieden sich die Entwickler für den goldenen Mittelweg: Der Fire Emblem-Veteran wählt eine knackige Gegner-KI und sterbliche Mitstreiter. Neulinge entscheiden sich eher für den Schmusekurs und unsterbliche Truppen, die sich lediglich verletzt aus der Schlacht zurückziehen und beim nächsten Scharmützel wieder ausgeruht und motiviert bereitstehen.
Die Kämpfe funktionieren fast exakt wie in den Vorgängern: Abwechselnd mit dem Feind zieht Ihr Einheiten über die zweidimensionale Karte. Kommt es zum Angriff, wechselt das Spiel zur 3D-Nahaufnahme, in der sich die Kontrahenten aufwendig animiert beharken je nach Reichweite wird jede Attacke mit einem Gegenangriff erwidert. Dabei sind die individuellen Stärken und Schwächen von Figuren und Ausrüstung zu beachten: Lanzen sind effektiv gegen Schwerter Schwerter sind vor allem gegen Äxte wirkungsvoll und mit Äxten kämpft Ihr besonders effektiv gegen Lanzenträger. Hinzu kommen ein paar Sondereinheiten: Pegasus-Reiter sind etwa extrem anfällig gegen Bogenschützen, bestechen dafür aber mit großer Mobilität und sind gerade im Kampf gegen Magier ausgesprochen effektiv.
Agieren Einheiten zusammen, freuen sie sich über verbesserte Kampfwerte und steigern ihre Freundschaft zueinander. Nach Kämpfen dürft Ihr Gespräche zwischen Kampfgefährten initiieren und so deren Verhältnis weiter verbessern das geht so weit, dass sich Männlein und Weiblein im Verlauf des Spiels sogar das Ja-Wort geben und Nachwuchs in die Welt setzen!
Thomas Nickel meint: Wer hätte gedacht, dass Fire Emblem nach den beiden etwas durchwachsenen Vorgängern ein fulminantes Comeback gelingt? Der optionale Permatod-Verzicht macht Awakening auch für Taktik-Einsteiger attraktiv. Die Handlung fesselt, die Präsentation besticht mit tollen Charakterdesigns und einem grandiosen Soundtrack. Unterm Strich ist aber die Interaktion zwischen den Figuren die größte Stärke: Die Dialoge sind oft urkomisch geschrieben, manches Mal wird selbst abgebrühten Veteranen ganz warm ums Herz. In Sachen Micro-Management kann Fire Emblem zwar nicht ganz mit Tactics Ogre auf der PSP mithalten, dafür gefällt die 3DS-Schlacht mit flotterem Spielablauf und einfacherem Zugang so zieht sie mit der bisherigen Rundentaktik-Referenz gleich.
- taktisch fordernde Schlachten
- toll eingebundene Charakter-Interaktion
- famose Präsentation
- optional japanische Sprachausgabe
Umfangreiches, komplexes und doch enorm flott spielbares Strategie-Epos, das über Wochen hinweg an den 3DS fesselt.
| Singleplayer |  | 92 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |