Als dann die ersten Squaresoft-Adventures ins Haus flatterten, wurden aus Minuten erstmals Stunden. Bei Secret of Mana konnte ich zum ersten Mal richtig in ein Spiel eintauchen, ich war irgendwie gefangen von der Welt hinter dem Bildschirm. Da vergass man gern Mal die Mathe-Aufgaben, welche noch im Schulrucksack auf ihre Fertigstellung warteten, und griff nach der Schule fast automatisch zum Pad. Aus heutiger Sicht kann ich sagen: zum Glück gelang das so gut wie nie, denn Mama passte auf, dass die virtuellen Hitpoint-Zahlen nicht mit den realen Brüchen konkurrieren konnten. Dennoch zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ab, wie sehr Videospiele mich faszinieren konnten. Und weil eben mehr und mehr Lebenszeit am Pad verbracht wurde, hagelte es auch zunehmend Kritik. Meine vor der Spielerei zeitintensivste Beschäftigung, das Lesen, musste immer wieder als Argument dafür herhalten, dass ich zuviel Zeit vor dem TV verbrachte – denn Bücher las ich zwar immer noch, verschlang sie jedoch nicht mehr so, wie noch vor wenigen Jahren. Mir war das bewusst, doch konnte mein jugendlicher Verstand trotz all der Action und Levelaufstiege noch realisieren: man kann nicht zwei Dinge zur Gleichen Zeit tun. Ergo hatte ich mich entschieden, den Games meine Aufmerksamkeit zu widmen, ohne jedoch andere Erfahrungen gänzlich auszublenden. Sie wurde halt einfach nur zurückgefahren.

Doch ich muss auch zugeben, dass es Phasen gab, in denen ich Schule Schule hätte sein lassen wollen, um nur noch zwischen der örtlichen Videothek sowie meinem Super NES pendeln zu können. Leider nur Wunschdenken, besassen doch nur meine Eltern den Zugang zu unbegrenzt vielfältigem Spielspass: die Verleihkarte. Allerdings war ich spielerisch niemals unterversorgt. Denn schon damals gab es Budget-Angebote, bei denen selbst ich mit meinem schmalen Taschengeld zugreifen konnte. Wer kann bei Super Metroid für 30 Mark schon Nein sagen? So wanderten mehr und mehr interaktive Abenteuer in meinen Modulschacht. Ich spielte, wann immer es die Zeit zuließ, und war immer wieder aufs Neue fasziniert von dem, was sich nach dem Anschalten der Konsole so auftat. Ich begann, abseits des eigentlichen Spielens affine Zeitschriften zu lesen. Es war also nur natürlichj, dass sich darunter auch das eine oder andere manische Schriftgut befand. Meine Eltern waren damit einverstanden, immerhin las ich nun wieder mehr. Meine Gedanken waren damit aber schon bei den kommenden Top-Spielen, welche sich dann eben auch nicht von alleine spielen würden. Dennoch muss ich ein paar Sachen richtig gemacht haben, denn ein richtiges Spielverbot gab es für mich nur in absoluten Ausnahmefällen.
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