Das einzig Beständige ist der Wechsel.
Diese alte Weisheit scheint momentan auch auf die Konsolenwelt zuzutreffen. So mehren sich nämlich die Anzeichen, dass Nintendo den Zenit seines rund fünfjährigen Höhenfluges erreicht oder inzwischen sogar überschritten haben könnte, wogegen vor allem Sony im Aufwind ist.
Um die heutige Situation zu verstehen, muss man sich zunächst zum späteren Vergleich noch einmal die Erfolgsgeschichten der ersten beiden stationären Sony-Konsolen vor Augen führen.
Die PlayStation erschien 1994 (Japan) bzw. 1995 (USA und Europa) und stand in direkter Konkurrenz zu Segas Saturn und dem Super Nintendo. Technisch war sie diesen überlegen und hatte außerdem noch den Vorteil, dass Sega nach dem 32X-Flop bereits angeschlagen war. Mit einer Mixtur aus aggressivem Marketing und der Exklusivität diverser Hitserien (z.B. Final Fantasy) wurde die Konkurrenz schnell abgehängt. Der Release des Nintendo 64 konnte daran auch nichts mehr ändern, weil die Konsole zu spät veröffentlicht wurde und technisch nicht den utopischen Ankündigungen (Grafik in SGI-Qualität usw.) standhalten konnte.
Am 4. März (Japan) bzw. Herbst 2000 (USA und Europa) kam dann die PlayStation 2 auf den Markt und erschien zu einem Zeitpunkt, an dem Segas Dreamcast bereits schwer angeschlagen war und Nintendo in Japan nur noch einen geringen Marktanteil hatte. Durch den großen Erfolg der PlayStation in den Jahren zuvor hatte Sony das Vertrauen der Kunden gewonnen, sodass viele Leute auch das Nachfolgemodell kauften. Da der GameCube und die Xbox noch nicht spruchreif waren, konnte sich Sony hier ebenfalls wieder frühzeitig Marktanteile sichern. Als die Konsolen von Nintendo und Microsoft dann erschienen, hatten sie letztlich keine Chance mehr gegen die PlayStation 2.
Im sicheren Gefühl der jahrelangen souveränen Marktführerschaft wurde 2005 die PlayStation 3 angekündigt und gut eineinhalb Jahre später veröffentlicht. Diesmal lief jedoch nicht alles nach Plan und Sony geriet schnell ins Hintertreffen, was folgende Gründe hatte:
Zunächst einmal war der Einführungspreis der Konsole mit 599 Euro viel zu hoch. Man erinnere sich noch an das Zitat von Ken Kutaragi, dem geistigen Vater der PlayStation, der damals sagte, dass man für seine PlayStation 3 ruhig etwas länger arbeiten gehen könne. Generell herrschte in den Köpfen des Unternehmens die Einstellung vor, dass die nächste Generation erst beginne, wenn Sony dies bekanntgäbe.
Außerdem war es ein Fehler, die PS3 zuerst nicht als reine Spielkonsole, sondern eine Art Multimedia-Monster darzustellen. So wurde in älteren Artikeln über die Maschine häufig deren multimediale Vorzüge erläutert und erst später hieß es: Übrigens könnt ihr mit der PS3 auch Videospiele spielen. Folge war eine Verwirrung der Kunden.
Einen hohen Anfangspreis und diverse Multimediafunktionen hatte zwar auch die PS2, beim Nachfolger bedachte Sony aber nicht, dass die Konkurrenzsituation eine andere war. So hatte Microsoft bereits Ende 2005 die Xbox 360 veröffentlicht und der Wii-Release stand quasi zeitgleich an. Die Zeit, dass sich der Markt langsam an den Preis gewöhnt, war diesmal nicht gegeben. Sony konnte von nun an nur noch reagieren und nicht mehr, wie in der Vergangenheit, agieren. In den folgenden Jahren nahm Nintendo weltweit das Heft an sich, während sich Sony und Microsoft in den diversen Territorien um den zweiten Platz stritten.
Durch die aktuelle Schwächeperiode von Nintendo (Wii und DS auf dem absteigenden Ast, 3DS mit Startschwierigkeiten und Wii U kommt erst 2012) könnte Sony wieder Boden gut machen, wenn einige Dinge beachtet und alte Fehler nicht nochmal gemacht werden.
Generell muss Sony wieder verstärkter auf seine individuellen Stärken achten. So ist ein großer Vorteil gegenüber Microsoft z.B. die PSP bzw. bald die PlayStation Vita, da Microsoft kein Handheld im Sortiment hat und man dadurch in diesem Marktsegment exklusiv mit Nintendo in eine Konkurrenzsituation gehen kann. Diese Möglichkeit hat man offensichtlich auch erkannt, denn der Vita-Preis ist mit 249 Euro auf Augenhöhe zum 3DS, da ja ungleich bessere Leistung geboten werden soll.
Wichtig ist dabei, dass man die PlayStation Vita von Anfang an als mobile Spielkonsole am Markt positioniert. Die PSP hatte nämlich stets den Ruf, eine mobile Heimkonsole zu sein, wobei nicht bedacht wurde, dass stationäre und mobile Spielkonzepte nicht immer in Einklang miteinander stehen. So ist ein Spiel wie Metal Gear Solid 3: Snake Eater, wie es Nintendo aktuell für den 3DS im Programm hat, mobil schwer vorstellbar. Der Spieler hat im Rahmen einer kurzen Spielsession unterwegs weniger Lust, eine ewig lange Zwischensequenz anzusehen, sondern in möglichst kurzer Zeit interaktiv unterhalten werden möchte.
Desweiteren könnte Sony das Konzept der Wii U in die Karten spielen, weil mit einer Connectivity von PS3 und Vita ein ähnliches Konstrukt wie bei Nintendos neuer stationären Konsole erzeugt werden kann (was ebenfalls ein Vorteil gegenüber Microsoft ist, da diese wie erwähnt kein Handheld in ihrem Portfolio haben). Nun haben schon viele Leute gesagt, dass dies kein Vorteil sei, weil man bei Sony ja zwei Konsolen bräuchte, um eine Nintendo-Konsole nachzubauen. Aber es ist schwer davon auszugehen, dass die Japaner spätestens zum Wii U-Launch entsprechende Bundles aus PS3 und Vita zum Kampfpreis anbieten werden. Berechnet man den generellen Preisverfall bei Konsolen mit ein und addiert den Kampfpreisfaktor, dürften wir in erschwinglichen Regionen landen, zumal Nintendo bis heute noch nicht mal einen konkreten Preis für seine neue Daddelkiste genannt hat.
Ein weiterer Pluspunkt für den PlayStation-Erfinder gegenüber Microsoft könnte auch der japanische Markt sein, da der Gates-Konzern dort bis heute keine große Rolle spielt und man dort somit nur noch eine Konkurrenz in Form von Nintendo hat.
Man darf auch nicht vergessen, dass Sony mit einer möglich PlayStation 4 noch einen Trumpf im Ärmel haben könnte. Sollte Microsoft nämlich, wie es die Gerüchteküche immer mal wieder vermeldet, bald den Xbox 360-Nachfolger ankündigen, könnte man dessen technische Eckdaten locker mit entsprechenden Ankündigungen torpedieren. Dies hatte schon bei der PS2 Erfolg, als der Konzern Anfang 1999 mit der Ankündigung des PlayStation-Nachfolgers Segas Dreamcast den Wind aus den Segeln nahm.
Die bange Frage ist nun, wieviele der überwiegend von Nintendo rekrutierten Gelegenheitsspieler und Hardcore-Gamer inzwischen zu anderen Gratis-Plattformen wie etwa Facebook abgewandert oder noch bereit sind, für Videospiele Geld auszugeben. Wie ernst Sony diese Angelegenheit nimmt, sieht man auch daran, dass der Konzern diesmal übermäßiges finanzielles Risiko scheut und bereits verlautbaren ließ, dass die PS4-Entwicklung kostengünstiger als die des Vorgängers sei.
Wie wir gesehen haben, hat Sony aktuell einige Möglichkeiten, um in absehbarer Zeit wieder eine führende Rolle in der Videospielwelt einzunehmen. Wichtig ist, dass einige Dinge anders als vor fünf oder sechs Jahren laufen. Der Grundstein dafür ist in den letzten Monaten gelegt worden.








