
Anhand dieses neuesten Beispiels lässt sich eine gewisse Marktstrategie bei Visceral Games und EA feststellen – gleichzeitig zum Spiel wird ein meist eher billig produzierter Anime veröffentlicht. So geschehen bei Dead Space: Downfall, welcher jedoch nur in einem Animationsstudio produziert wurde, und Dante’s Inferno: An Animated Epic, der mit satten sechs Regisseuren bei einigen Leuten Interesse weckte. Bei Dead Space: Aftermath folgte man Dantes Beispiel und stapelte erneut fünf Personen auf einem Regiestuhl, davon einige bereits aus Alighieris animierter Höllenreise bekannt.
Die Trailerzuschauer erschraken vor Release des 85 Minuten langen Films ob der lieb- und texturlosen 3D-Render-Animationen, die sich mit traditioneller 2D-Anime-Technik abwechselten. Man wusste nicht genau, wie sich dies alles zusammenfügen lassen würde. Im Film selbst ergibt das Konstrukt in seiner seltsam anmutenden Design-Entscheidung jedoch Sinn.
Das Geschehen des Films löst sich von den Ereignissen auf Aegis VII und ist ein direktes Sequel zu Dead Space sowie ein Prequel zu Dead Space 2. Der Film fackelt nicht lange und befördert den Zuschauer in erwähnter 3D-Optik an das Ende der Geschichte! Auf der USG O’Bannon haben lediglich vier Personen unter hunderten Necromorphs überlebt – Nikolas Kuttner, ein Sicherheitsoffizier, der durch Markerkontakt langsam verrückt wird; Alejandro Borges, Teammitglied einer Bergungseinheit; Isabel Cho, medizinische Offizierin und der wohl wichtigste Charakter, Nolan Stross! Er ist aus Dead Space 2 als verstörter Weggefährte des Protagonisten Isaac Clarke bekannt. Alle vier werden auf ein Unitologen-Schiff gebracht und dort nach den Vorkommnissen befragt. Die Story wird demnach durch Flashbacks erzählt. Jeder Rückblende wird ein eigener Art-Director zugeteilt, wodurch sich mit dem Verantwortlichen der 3D-Grafiken fünf Regisseure ergeben.
Was gleich zu Beginn traurig stimmt, sind die Animationen. Das Budget für Dante’s Inferno: An Animated Epic bleibt bis heute ungeschätzt, doch für Dead Space: Aftermath werden knappe 2,5 Millionen eingeräumt. Keine wirklich “stolze” Summe und das merkt man auch. Wie viel Geld in Dante’s Inferno auch immer floss, es muss mehr gewesen sein, denn der direkte Vergleich zwischen den Arbeiten der zum Teil selben Regisseure ist vernichtend! Die Animationen sind starr und abgehackt, zum Großteil wird der alte Layertrick verwendet: Dabei teilt man ein starres Bild in verschiedene Ebenen und bewegt diese unterschiedlich stark. Dadurch wird der simpelste Eindruck von Bewegung simuliert. Zudem lässt sich oft das Phänomen der Segment-Animation betrachten, also wenn sich z.B. der Mund einer Person bewegt, während der restliche Körper und alle anderen Personen im Umfeld statisch bleiben.
Der eigentlich interessante Ansatz der fünf verschiedenen Stile offenbart schon früh seine hässliche Seite. Denn seien wir ehrlich: Wer merkt sich in Der Pate schon alle Namen der etwa zwei dutzend Personen? Wie schaffen wir es also heil durch dieses Dreiteiler-Meisterwerk? Wir merken uns die Gesichter! Und hier haben wir bei Dead Space: Aftermath ein offensichtliches Problem!

Ja, diese vier Leute sollen ein und dieselbe Person sein. Man kann erkennen, dass den Künstlern vage visuelle Eigenschaften beschrieben wurden, aber der optisch so krasse Wechsel der Charaktere ist durchweg ein Desaster. Außerdem kann man sich fast schon denken, dass man bei diesem Film keine komplexen Charaktere oder eine anspruchsvolle Story zu erwarten braucht. Letzten Endes wird einem nur ein lauer Aufguss von Dead Space: Extraction bzw. Downfall geboten. Die Nekromorphs bekommen nur einen Auftritt unter der Leitung eines Regisseurs, und zwar leider ausgerechnet unter dem, der sie wie Cartoon-Figuren aussehen lässt und jegliche Gräuel aus ihrem Dasein nimmt. Die Charaktere stehen (leider) im Vordergrund und haben dabei wenig bis gar nichts zu bieten, was im Genre des Sci-Fi-Horrors nicht schon etliche Male dagewesen wäre.
Fazit: kein Totalausfall, aber durch die unglaublich langweilige Story und erzählerische Irrelevanz verdammt nahe dran.
Dead Space: Aftermath ist als DVD für 16,49 Pfund (19,44 Euro), und als Blu-ray für 17,67 Pfund (20,83 Euro) bei diversen Internethändlern erhältlich.