Barbie als letzte nicht-männliche Protagonistin in einem Activision-Spiel? True Crime: Hongkong war als Black Lotus samt weiblicher Heldin geplant? Spiele mit Damen in Hauptrollen verkaufen sich schlecht?
Nachdem ich diesen interessanten Artikel der ebenso seriösen wie glaubwürdigen US-Kollegen von gamasutra.com gelesen habe, muss ich doch mal wieder den Kopf schütteln über so manche Leitlinie von Activisions Firmenpolitik.
Für alle, die Leigh Alexanders Ausführungen nicht kennen, hier die Essenz: gamasutra.com hat mit mehreren ehemaligen Mitarbeitern von Activision gesprochen und pikante Details über die Rolle der Frauenwelt in Activision-Spielen erfahren. So startete zum Beispiel das jetzt bei United Front Games in Entwicklung befindliche True Crime: Hongkong als Black Lotus in den Köpfen der Treyarch-Mitarbeiter. Weil Activision das Konzept einer weiblichen, von Schauspielerin Lucy Liu inspirierten Protagonistin aber scheinbar missfiel bzw. man dessen Chancen auf dem Markt für gering einstufte, wurde beschlossen, den Titel in eine True Crime-Fortsetzung mit männlichem Hero umzuwandeln.
Grund für Activisions Abneigung gegenüber weiblichen Spielehelden sind scheinbar einmal mehr monetäre Gründe: Fokus-Tests hätten ergeben, dass die Spielergemeinde weniger an Titeln mit Frauenpower interessiert sind. Die mäßigen Verkaufserfolge von Bayonetta oder Wet werden als Belege für diese These aufgeführt.
Der ehemalige Raven Software Designer Manveer Heir (Raven gehört Activision) fordert mehr Diversität, mehr Abwechslung bei den Spielkonzepten und Spielfiguren der meist männliche weiße Held sei ausgereizt. Zu seinem Glück arbeitet Heir jetzt bei BioWare seit vielen Jahren ist die kanadische RPG-Schmiede für starke Frauenrollen und geschlechtliche Gleichberechtigung in ihren Titeln bekannt.
Ich kann über Activisions Abneigung gegenüber Spieleheldinnen (die gamasutra.com durchaus glaubhaft verargumentiert) bzw. über die allgemeine Unterversorgung mit weiblichen Spiele-Ikonen nur den Kopf schütteln. Lara Croft hat’s doch vorgemacht, dass auch digitale Mädels die Massen mobilisieren können. Und eine Faith (Mirror’s Edge), Nariko (Heavenly Sword) oder Vanessa Z. Schneider (P.N. 03) finde ich persönlich viel spannender als Call of Duty-Hackfresse Nr. 215, Gears of War-Muskelklötze in XXXL oder ein langweiliges Ex-Cop-Ungesicht wie in Dutzenden aktuellen Third-Person-Shootern. Und nein: Auch Mr. Uncharted Nathan Drake ist ‘ne stinklangweilige Socke, die kein Mensch (egal ob Mann oder Frau) braucht.
Nicht zuletzt mein geliebtes Beat’em-Up-Gerne und dort vor allem SNK haben gezeigt, dass Charakterköpfinnen (man verzeihe mir den grammatikalischen Unsinn) gefragt sind. Und wenn Activision weiter glaubt, dass sich Spiele mit tragenden weiblichen Rollen schlecht verkaufen, dann sollen sie ruhig mal einen Blick auf die Final Fantasy-Serie richten man muss kein großer Kenner japanischer Rollenspiele sein, um zu wissen, dass nicht zuletzt hier immer wieder starke Frauen mit von der Party (noch so ein schwaches Wortspiel…) sind.
Stimmt Ihr mir zu oder wollt Ihr nur Testosteron in Euren Spielen?
Kann eine Bayonetta mit Dante mithalten?
Ist Lara Croft noch cool?