Akte BPjM – Cold Fear

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”Zombie über Bord! Marines Horror-Abenteuer mit schicken Wettereffekten und heftigen Splattereinlagen” urteilte M!-Redakteurin Janina Wintermayr über Cold Fear, eine Art Resident Evil 4 auf See. Ein paar Monate später landete das Spiel auf dem Index – obwohl sich der Hersteller gegen den Antrag wehrte.

Cold Fear

Entwickler: Darkworks, Frankreich
Hersteller: Ubisoft
System: PS2 / Xbox
Veröffentlichung: 4. März 2005
Indizierungstermin: 31. August 2005
Indizierte Versionen: PS2 / Xbox
Index-Liste: A

Küstenwachenmitglied Tom Hanson verschlägt es auf einen Frachter, auf dem Söldner und Parasiten ihr Unwesen treiben. Letztere nisten sich in den Köpfen von Menschen ein und verwandeln sie in mordlüsterne Zombies. Das Gegenmittel verteilt Ihr in Form von reichlich Kugeln, die blutverspritzend in Schädel eindringen. Im Nahkampf hilft der obligatorische Stampfer auf die Birne. Neben den Feinden macht Hanson das Wetter zu schaffen: Wer im Freien nicht aufpasst, wird von der Sturmflut von Deck gespült. Simple Suchaktionen lockern den Spielablauf auf, generell wird aber mehr geballert als gerätselt. Gegner hinterlassen Munition und Heilpakete, sollten also nicht umgangen werden..

»Nach Auffassung der USK erschienen insbesondere Anhaltspunkte für die Kriterien ’Gewalt wird als vorrangiges Konfliktlösungsmittel propagiert und es wird auf die Brutalität der Gewaltdarstellung abgestellt’ sowie ’Mord- und Metzelszenen werden selbstzweckhaft und detailliert geschildert’ erfüllt zu sein.«          

Auszüge aus der Indizierungs­entscheidung Nr. 5309 vom 31.08.2005

”Die Gegner stellen sich zum stark überwiegenden Teil als Söldner und menschliche oder zumindest menschenähnliche Exomutanten, vom Parasiten infizierte Menschen, dar.
(…)
Zusätzlich verstärkt wird die Gewaltdarstellung durch die sehr starke Visualisierung der Tötungsvorgänge, was sich vor allem in den sogenannten ’Finishing Moves’ widerspiegelt. Hierbei können die Schädel von Gegnern, grafisch aufwendig inszeniert, durch Beschuss zum Platzen gebracht oder durch einen Tritt auf den Kopf des bewusstlos am Boden liegenden Exomutanten zermalmt werden. Obwohl die Darstellung zerplatzender Köpfe schon brutal zu nennen ist, sind im Anschluss an die Tötung zusätzlich aus dem Hals austretende pulsierende Blutfontänen sichtbar.
(…)
Auch tritt statische Gewalt in Form von in Blutlachen herumliegenden Gliedmaßen oder von der Decke herabhängenden Leichen auf.
[…]
[Die] vom Spieler kontrollierte Spielfigur [ist] weitaus mächtiger als die ihr gegenüberstehenden Figuren. […] Diese Vorgehensweise kann zu einer Selbstüberschätzung des Spielers, auch im realen Leben, führen, da die Wirkung von Waffen verharmlost und diese somit unterschätzt werden können.
[…]
Auch das Fehlen einer freien Speicherfunktion erschwert die Distanzierung vom Spielgeschehen. Der Spieler kann den Fortschritt des Spiels nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt sichern, sondern ist an die vom Spiel vorgegebenen Speicherpunkte gebunden. Möchte der Spieler aufgrund seiner momentanen Gemütslage das Spiel beenden, so wird er dies vermutlich nicht tun, da er sonst beim Weiterspielen erneut beim letzten vom Spiel gesicherten Speicherpunkt zu beginnen hätte. […] Das Spiel zwingt den Spieler somit dazu, das Spiel nur […] zu bestimmten Zeitpunkten zu unterbrechen.”

Wenn man sich im Vergleich die Dead Space-Spiele ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass Cold Fear einfach ein paar Jahre zu früh erschienen ist. 2005 waren gezielte Kopfschüsse mit blutigem Ausgang eben noch ein ernstes Problem. Interessant an der Indizierungsgeschichte des Spiels ist, dass der Hersteller sich gegen den Antrag wehrte und erwirkte, dass der Titel bei der BPjM vom Zwölfer- statt vom Dreiergremium unter die Lupe genommen werden musste. Laut Hersteller könne man Feinden ausweichen, Rätsel und die Third-Person-Perspektive würden für Distanz zum Spielgeschehen sorgen. Außerdem seien die Gegner fiktive Wesen und die Tötungen würden nicht zynisch kommentiert. Die BPjM entkräftet fast alle diese Einwände nachvollziehbar: Wenn man Gegnern ausweicht, verfolgen sie die Spielfigur, außerdem dient das Töten der Munitions­beschaffung, muss also zwingend betrieben werden. Die Rätseleinlagen machen nur ein Drittel bis Viertel des Spielablaufs aus – zu wenig für eine effektive Distanzierung. Besonders hervor stechen aber die Kritiken der BPjM am Speichersystem und den Video­spiele-üblichen hohen Nehmerqualitäten der Hauptfigur. Dass ein Spielsystem mit festen Speicherpunkten die Distanzierung vom Spiel schwierig macht, weil man nicht verlustfrei aufhören kann, wann man möchte, klingt abenteuerlich, zumal es früher gang und gäbe war. Gleiches gilt für die Widerstandskraft des Helden: Wer will schon so schnell sterben wie normale Feinde?

Du fragst Dich schon ewig, warum ein bestimmtes Spiel indiziert wurde? Dann schreib uns Deine Anregung an leserpost@maniac.de und wir gehen der Sache nach!

Professor Chaos
I, MANIAC
Anfänger (Level 1)
Professor Chaos

Ist ja schon allerhand, dass Spiele damals indiziert wurden, weil man nicht immer und zu jeder Zeit speichern kann. Daran sieht man mal, was für kompetente Leute da am Werk waren ;-). Zum Glück ist der Indizierungs-Wahnsinn bei Spielen heutzutage nicht mehr ganz so schlimm. Trotzdem ein interessanter Artikel. Ich fand Cold Fear damals auch ganz nett.

Nipponichi
I, MANIAC
Maniac
Nipponichi

Wie bitte? Dieses Spiel war indiziert? Das wußte ich gar nicht. Ich hatte es mir aus den USA für die PS2 damals besorgt. Ich meine, daß damals ein Bekannter von mir das Spiel sogar noch im Media Markt für die XBOX gekauft hatte. Fand ich wirklich klasse, dieses Spielchen. War für mich ein Resident Evil unter anderem Namen. Und ich fand es auch weit besser und spaßiger als Resident Evil 4.

Kinski
I, MANIAC
Maniac (Mark II)
Kinski

War eigentlich ein cooles kleines Game. Am besten als Dead Space auf’m Schiff zu sehen.

neotokyo
I, MANIAC
Profi (Level 1)
neotokyo

Hähh… indiziert!! Ist mir neu ? Ich hatte zu der Zeit meine Augen bei Resident Evil 4 🙂 Game Cube 🙂 so weit ich zurück denken kann nur ein Durchschnit Spiel und nicht auf eine Schiene zu stellen mit Resi 4!

MORTAL-X 2222
I, MANIAC
Intermediate (Level 2)
MORTAL-X 2222

Ich wusste gar nicht das dieses Spiel Indiziert ist. Das kommt davon wenn man seine Spiele nur noch im ausland kauft.