Akte BPjM – Killer Instinct

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Die britische Spieleschmiede Rare mischt im Beat’em-Up-Zirkus mit und produziert mittels Donkey Kong Country-Rendertechnik ein Prügelspiel für die Spielhallen, dessen Präsentation und Gewaltgrad sich so sehr an Mortal Kombat orientiert, dass die SNES-Umsetzung in Deutschland gar nicht erst vertrieben wird – der Österreich-Import wird dennoch indiziert und ist erst vor wenigen Monaten genadigt worden.

Killer Instinct

Entwickler: Rare, England
Hersteller: Nintendo / Stadlbauer
System: Arcade / SNES / Game Boy
Veröffentlichung: 21. September 1995
Indizierungstermin: 10. Januar 1996
Indizierte Versionen: SNES
Index-Liste: A

Das Konzept ist konventionell: Zehn Kämpfer treten in einem Turnier in Zweikämpfen an, am Ende wartet ein Endboss. Die beiden Lebensleisten des Kontrahenten werden mit Schlägen, Tritten und Special Moves dezimiert. Die Riege umfasst Archetypen wie Boxer T.J. Combo, Indianerhäuptling Thunder oder Ninja Jago, aber auch fantastische Wesen wie Werwolf Sabrewulf, Skelett Spinal oder Flammenmann Cinder. Das Besondere an Killer Instinct neben der seinerzeit starken Grafik und einem hochwertig produzierten Soundtrack ist vielmehr das enorme Spieltempo sowie ein aufwendiges Combo-System mit ­einer Art Fatality-Mechanik Marke ­”Mortal Kombat”.   

»In den (…) Kampfszenarien schlagen die Kämpfer nun aufeinander ein, sodass das Blut nur so über den Bildschirm spritzt, und bedienen sich dabei noch der verschiedenartigsten Waffen und Kampfmethoden. Da wird geschlagen, getreten, gebissen und gestochen, bis dass der Gegner erledigt ist (…) Im Übungsmodus kann er (…) noch voller Lust (…) auf einem blutigen wehrlosen Gegner herumschlagen.«       

Auszüge aus der Indizierungs­entscheidung Nr. 4940 (V) vom 10.01.1996

”Der wesentliche Inhalt des Videospiels besteht ebenso wie der Inhalt des bundesweit beschlagnahmten und indizierten Videospiels Mortal Kombat II aus dem bedenkenlosen, realistisch in Szene gesetzten Töten der Gegner.
(…)
Möglichkeiten des Ausweichens oder ähnlicher nonaggressiver Konfliktlösungen exis­tieren nicht. Im One-Player-Modus erreicht der Spieler nur dann das Ziel, wenn er alle Gegner getötet hat. (…) Sobald eine der Runden beendet ist, wird der Sieger durch eine Stimme und einen Schriftzug auf dem Computer (Ready) aufgefordert, seinen Gegner zu Boden zu schlagen, bis dieser sein Leben beendet hat.
(…)
Die Tötungsakte und ihre Folgen werden weitgehend realistisch in Szene gesetzt. ­Sobald die Figuren aufeinander einprügeln, spritzt das Blut und durch eine entsprechende akustische Untermalung der Schläge und Todesschreie wird die Wirkung der Schläge zusätzlich verdeutlicht.
(…)
Sowohl in der Normalversion des Spieles als auch in der Blutversion wird hinreichend deutlich, dass der Spieler seinen Gegner vernichten muss.
(…)
Thunder verfügt über eine Art Maurerkelle, mit deren Rand er dem Gegner Verletzungen zufügen kann…
(…)
Doch sieht das Entscheidungsgremium der Bundesprüfstelle die jugendgefährdende Wirkung des verfahrensgegenständlichen Objektes weniger in der Möglichkeit, Heranwachsende könnten das Gespielte und im Spiel gefühlsmäßig intensiv Miterlebte in der alltäglichen Lebenswelt umsetzen. Die jugendgefährdende Wirkung des ­Computerspiels ist vielmehr darin zu sehen, dass der Programmablauf den Spieler ausschließlich zu einem reflexartig ausgeführten, instinktiven Totschlagen bzw. Zerstückeln der gegnerischen Figuren auffordert.“

Freilich reitet Killer Instinct auf der Mortal Kombat-Welle: Grafik und Flair sind ähnlich, der martialische Ansager tut sein Übriges. Doch sind die ”Fatalities”, die hier ”Ultimate” und ”Danger” heißen, anders gestrickt. Hier zerfällt mal einer zu Staub oder steht blutend da – das als Vergleich bemühte Mortal Kombat II fährt ganz andere Gewaltkaliber auf. Auch spielmechanisch besteht ein Unterschied: In Rares Prügler haben Verlierer die Chance auf ein Comeback durch geschicktes Knöpfchendrücken – die Finisher sind damit nicht nur selbstzweckhafte Demütigung! Zugegebenermaßen bluten bei regulären ­Attacken die Kämpfer – zumindest die menschlichen – stark. Kritik hinsichtlich der faktischen Beurteilung des Spiels muss sich das Gremium auch in diesen Punkten gefallen lassen: Das Spielziel ist nicht zwingend – wie behauptet – ans Töten der Gegner gebunden. Um ein Match zu gewinnen, genügt es, dem Gegner einen Klaps zu verpassen und anschließend unbeschadet den Runden-Timer herunterzählen zu lassen – die Möglichkeit auszuweichen besteht nämlich durchaus. Auch gibt es für SNES nur eine Version des Spiels – also keine Normal- oder ­Blutversion. Thunders ominöse Maurerkelle schließlich ist eine simple Kampfaxt. Fazit: Die Indizierung resultiert aus vordergründigen Parallelen zu ­Mortal Kombat, das seinerzeit selbst in der blutfreien SNES-Version indiziert wurde. Da musste eine blutige Keilerei der BPjM sauer aufstoßen, spielerische Finessen blieben leider unbeachtet.   

Du fragst Dich schon ewig, warum ein bestimmtes Spiel indiziert wurde? Dann schreib uns Deine Anregung an leserpost@maniac.de und wir gehen der Sache nach!

Danijel78
I, MANIAC
Maniac
Danijel78

Wie so oft hat sich die BPjM auch in diesem Fall nicht mit Ruhm bekleckert. Heuchlerischer Verein von Hinterwäldlern….

AkiraTheMessiah
Gast
n00b

How dare you! … 😉 Danke für die Info. 🙂

genpei tomate
I, MANIAC
Gold MAN!AC
genpei tomate

Nicht ganz Akira, wenn du gestattest: ;-)Da das Nintendo Ultra 64 verschoben wurde, lieferten Rare zu erst eine KI Umsetzung fürs Snes.Da ich den Automat wie blöd gezockt habe, freute ich mich zwar wiederwillig mit der 16 Bit Version an, sie sollte aber nur im Kontext gewertet werden, da die Engländer das nahezu Ummögliche schafften Angesichts dessen, dass KI, in der Arcade das erste Game mit Hard-disc Drive überhaupt war.Dass sie größenwahnsinnig genug waren, auch noch der Game Boy zu bedienen, ist eine andere Geschichte…Die Umsetzung von Teil 2, die fürs Snes in Entwicklung war, wurde nie gesichtet, und die N64 Version, “”Killer Instinct Gold””, ist eine Mischung aus den Arcade-Teilen 1 und 2, da mittlerweile so viel Zeit vergangen war ( 2 Jahre) und für Rare ziemlich doof gewesen wäre, mit so viel Verspätung Teil 1 für Nintendos 64 Bit Maschine zu liefern, wo sich Maya, Tusk und Kim wu, in den Arcades, längst die Köppe einschlugen.

AkiraTheMessiah
Gast
n00b

Da ist ja das Spiel was damals ja in einer 1:1 Umsetzung vom Automaten auf die Ultra 64 ( Nintendo 64 ) kommen sollte .. was ja nie passiert ist .. es kam die Version raus.Später gab es ja den zweiten Teil auf den Nintendo 64 … was aber auch eine abgespeckte Version war.