Bild oben: Alte Werbung für Star Raiders mit dem Hinweis, nur das Original zu kaufen – geholfen hat es nicht…
Verglichen mit dem, was die Welt schon an Katastrophen erlebt hat, ist dieser Crash höchstens eine Randnotiz im Buch der Weltgeschichte. Doch wer selbst betroffen war, sieht das anders – für Videospielfans gilt das gleichermaßen wie für die Branche selbst, die Mitte der achtziger Jahre ihre schwärzeste Stunde erlebte: Beim “großen Crash”, der ’83 begann und ’85 endete, wurde quasi die komplette Konsolenindustrie dahingerafft.
EAs Chief Creative Director Richard Hilleman musste dies auch miterleben – und erklärt jetzt gegenüber Gamasutra, dass der Crash der Branche im Grunde gut getan hat. Wobei Hillemann der Meinung ist, der Absturz sollte besser die Bezeichnung “Atari 2600 Crash”, bekommen – denn Computerspiele und Spielhallen existierten auch jener Zeit weiter, als Einzelhändler panikartig Heimkonsolen zu Schleuderpreisen verramschten, um nicht auf ihren Lagerbeständen sitzen zu bleiben.
“Der 2600 Crash war aus meiner Sicht ein gutes Beispiel der kreativen Zerstörung, und jeder, der damals über Atari gelesen hat, erkennt, dass für sie eine gewisse schöpferische Zerstörung notwendig gewesen ist; sie waren eindeutig nicht die richtigen Hüter diesen großen, neuen Marktes”, glaubt er.
Hilleman erklärt, der Absturz hatte zwei wesentliche Effekte, die heute noch spürbar sind:
“Wenn ein Markt wegbricht, passieren mehrere Dinge. Es erschreckt den Dreck einer ganzen Generation von Einzelhändlern. Es verändert das Verhalten der Einzelhändler in der Richtung, wie sie ein Produkt annehmen und die Art und Weise, wie sie Risiken eingehen, und ich denke, die Konsolidierung [von Händlern] an der Spitze ist ein Beispiel dieses Effekts und dessen langfristigen Einflusses”, doziert der EA-Mann. “Die andere Sache war, dass etwas verloren ging und eine Lücke hinterließ, die durch Computerspiele gefüllt wurde, und diese Computerspiele waren sehr unterschiedlich in ihrer Art, fügte er hinzu.
“Atari 2600-Spiele waren fast ohne Ausnahme -die einzige Ausnahme war vielleicht Star Raiders (siehe oben)- im Wesentlichen 90-Sekunden-Arcade-Erlebnisse. Es gab keine Veränderung der Form, keine Veränderung des Detailgrades, keine Aussichten auf Neues. Computerspiele hatten all dies, was Innovation ausmacht. Aber ich denke, der Niedergang und Untergang des Atari 2600-Marktes war absolut notwendig, oder wir wären tatsächlich wie ein Modetrend gestorben.”
Zu unserem Glück kam nach dem Crash in Japan ein ehemaliger Hersteller von Spielkarten auf die glorreiche Idee, eine eigene Konsole zu produzieren…
Hilleman ist schon seit der Frühzeit der Videospielbranche bei Electronic Arts tätig und hat entsprechend tiefe Einblicke in die Branche. Das komplette Interview ist auf Gamasutra einzusehen.









“”Atari”” war zu der Zeit übrigens Time Warner. Reihenweise Firmen fluteten den Markt mit technisch teils halbgaren, selten modernen Konsolen, es gab massig Schrottspiele und die Preise waren auch nicht ohne.Während Ataris Heimcomputer zu der Zeit auch sehr armselig waren brachten ein paar Firmen wie Commodre oder Sinclair bezahlbare Heimcomputer raus, die leistungsfähiger waren, erheblich mehr konnten und teilweise nicht teurer als so manche Konsole. Obendrein war da auch noch die Software billiger.Es spielen also mindestens zwei Faktoren eine Rolle, übersättigter Markt mit Unmengen von Schweinescheiße zwischen den Perlen und ein attraktiverer Konkurrenzmarkt.Die Situation heute ist in manchen Punkten anders, in anderen sehr ähnlich. Heute ist weniger die Qualität sondern die Monokultur das Problem. Dagegen steht mit den anderen Spieleangeboten, ob man die als “”Coregamer”” nun mag oder nicht, ein riesiges Spieleökosystem mit günstigeren Preisen. Mehr interessiert viele auch nicht. Und da sind wir beim zweiten Punkt. Teure Konsole plus teure Spiele oder sowieso vorhandenes Smartphone, Tablet und Rechner benutzen bei allgemein deutlich günstigeren Preisen.
Für alle die es interessiert und noch nicht kennen. Interviews und Erinnerungen von/mit Klaus Ollman, dem damaligem Manager von Atari Deutschland. Er beschreibt auch kurz was bei Atari falsch gelaufen ist. Ich fand’s ganz aufschlussreich.http://www.videospielgeschichten.de/artikel_kat_02.html
sehr interessant, als die kriese losging war ich seit bereits 9 jahren nicht geboren.
@16 Million Shades of ColourWobei nicht Atari allein Schuld am Crash trägt. Das Problem war auch vielmehr, dass sehr viele Hersteller mehr oder minder gute Konsolen auf den Markt geworfen haben und jeder Arsch mit halbwegs Programmierkenntnis Spiele für d
Komm mal von deinem loyalitätstrip herunter. Ich hatte neben Atari 800, ST, Lynx und dem Jaguar auch den C64, Amiga, NES, SNES, Gamegear…..und viele andere Konsolen.Atari hat mal sehr gute Hardware gebaut und es gab sehr gute spiele auf den Nachfolgesystemen.Du hättest damals natürlich mehr aus dem 2600 herausgeholt und das System bis heute am Leben erhalten.
[quote=crxeg2]Atari hatte ja auch nur den 2600er… Aus Heutiger Sicht steckte in der Firma mehr Kreativität als in 90% der heutigen Firmen.[/quote]Das ist schon eine extrem [b]pessimistische[/b] — und nebenbei ziemlich einsame — Behauptung, dass Ataris unsaeglicher Output damals Ausdruck vitaler Kreatvitaet gewesen sein soll. Konsens ist — und Du lieferst keinen wirklichen Grund daran zu zweifeln — dass Ataris Produkte damals schlichtweg uninspiriert und schlampig waren und die Attituede eines schlitzohrigen Gebrauchtwagenhaendlers zum Ausdruck brachten. Die Schuld auf die Hardware abzuschieben — und dabei zu verkennen, dass Atari ja auch mal einen (groesseren) Teil ihres Marketingbudgets in vermeintlicherweise fuer kreativere Resultate erforderliche neue Hardware haetten stecken koennen — stellt erneut die Frage, ob Du Dich hier nicht aus einer nostalgischen (oder gar kulturkaempferischen) Loyalitaet vor Ataris Verfehlungen wirfst.
Atari hatte ja auch nur den 2600er… Aus Heutiger Sicht steckte in der Firma mehr Kreativität als in 90% der heutigen Firmen.Der Crash war doch nicht mehr, als das auslaufen einer Konsolengeneration. So etwas gibt es heutzutage zum Glück nicht mehr. Ich kann mir ja überall einen neuen Dreamcast, Playstation1 oder 2 mit spielen kaufen….
@ crxeg2 Ich verstehe Deinen zynischen Rechtfertigungsversuch fuer Ataris Profitsucht nicht. Was versuchst Du damit zu erreichen? Hast Du nostalgische Gefuehle fuer Atari? Jedes Unternehmen moechte letztlich Gewinn machen. Dieser Gemeinplatz ist so zutref
Jedes Unternehmen will Gewinn machen. Egal ob Atari damals, oder die großen anderen drei Heute. Es gibt zwar einige hier, die vom Gegenteil überzeugt sind, aber die Realität sieht einfach anders aus.Meiner Meinung nach waren die Konsolen damals zu veraltet und auf Heimcomputern wurde umsonst gespielt, weil raubkopiert….
@ dead_moon Der Grund laesst sich so zusammenfassen: [b]Atari haben versucht, Videospiele zu machen.[/b] Im schlechtesten Sinne dem angelsaechsischen Konzern-Stereotyp folgend, ging es ihnen dabei allzu offensichtlich nicht um Videospielkultur sondern ein
war leider bissl vor meiner Zeit, brauch mal erklärungsbedarf, warum ist dieser Crash zu stande gekommen.Das es ihn gab wusste ich vorher, aber das genaue warum?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Konsolen-Crash damals auch von guten alten C64 verursacht wurde – da gab es halt alles “”im Dutzend billiger”” ;-)Habe ja davor auch eine 2600 gehabt, aber nach der Anschaffung des Commodore-Flaggschiffs wieder verkloppt, weil der Homecomputer alles besser konnte und mich viel mehr faszinierte!
Ein erneuter Crash würde der Branche echt gut tun, Vita und WiiU können ja erstmal den Anfang machen.
An der Stelle müsste man sich fast zwangsläufig fragen, was wohl mit dem Konsolenmarkt passieren könnte, wenn die “”CoDisierung”” einiger Publisher weitergeht wie bisher.Ohne auseichende “”Artenvielfalt”” würde ein Großteil des Big Budget Marktes wohl wegsterben, womit die heutige Konkurrenz, nämlich Smartphonespiele und Free to Play endgültig am Zug wäre.