Spiele-Ausblick 2022: Adventures

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A Plague Tale: Requiem

Ein brodelndes, schwappendes Meer aus Leibern, eine sich immer wieder neu gebärende Woge aus Ratten, die an grob gemauerte Wände schlägt. Dazwischengeschnitten blutige Schwertkämpfe und die reifere Amicia, eine entschlossen dreinblickende, immer noch junge Frau. Schließlich der Schwenk zu Hugo, dem zaudernden Knaben, der in einer betörenden Küstenlandschaft steht und dessen Blick wenig Gutes erahnen lässt. Mit dieser Bilderflut drang im Juni der erste Trailer zu A Plague Tale: Requiem auf uns ein, vor Kurzem gab es dann die ersten Spielszenen. Die lassen erahnen, dass Requiem – so nennt man in der katholischen Kirche die Totenmesse – an das erfolgreiche Konzept des Vorgängers anknüpft.

Amicia und Hugo schicken sich an, nach dem Etappensieg zum Finale von A Plague Tale: Innonence ein einigermaßen normales Leben zu führen. Doch anscheinend ist der Fluch in Hugo noch nicht besiegt: Als die Dunkelheit in ihm erneut zu gären beginnt, muss das Duo zum zweiten Mal die Flucht ergreifen – es geht in den Süden von Frank­reich und zu einer Insel, auf der laut einer Prophezeiung Hugo gerettet werden kann.

Im ersten Teil war Amicia zwar eine Kämpferin, setzte tödliche Gewalt aber nur im Notfall ein und agierte meist mit einer recht schwachen Schleuder. Das scheint nun passé, die junge Französin sieht nicht nur strenger aus, sie greift zum Beispiel mit einer Armbrust an. An anderer Stelle sehen wir sie wuchtige Stealthkills ausführen oder hinter einer Art Geschütz, das Brandbomben auf Feinde schießt. Hoffentlich begehen die Entwickler nicht den Fehler, sie à la Tomb Raider zu einer Kampfmaschine umzufunk­tionieren. Amicia darf tough, mutig oder zornig sein, sollte aber nicht zum Special-Force-Killer werden – das würde den verzweifelten Kampf der Geschwister, der ständig auf Messers Schneide steht, unglaubwürdig machen. Nach dem Over-the-Top-Finale des Erstlings ist es ohnehin fraglich, wie gut der Schritt zurück zu einem großteils ruhigen, beklemmenden Familiendrama gelingt. Dafür wiederum sprechen Szenen, in denen Amicia und Hugo ausnahmsweise mal Kind sind und in einem Kornfeld Fangen spielen oder – im krassen Gegensatz dazu – Hand in Hand durch eine Gasse voller Kadaver und Blut waten.

Innocence war dann am stärksten, wenn es viel erzählt und die Beziehung der beiden in den Fokus gerückt hat. Addieren wir die erheblich schickere Optik des zweiten Teils und die erneut packenden Szenen, wenn Amicia nur von einer Fackel beschützt durch eine Horde von Ratten schleicht, die zuckend vor dem Feuerschein zurückweichen, dann stehen die Zeichen doch ziemlich gut.

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Rudi Ratlos
17. Februar 2022 10:38

Plague Tale war klasse, wenn der Nachfolger die Qualität hält, kommt er auf die Einkaufsliste. „The Expanse“ hat story-seitig Potential, kann aber auch ordentlich in die Hose gehen – mal schauen…

JonnyRocket77
17. Februar 2022 9:06

Oxenfree II , Somerville, ein neues Plague Tale..da kommt ja einiges was mich interessiert.

Stanley Parable ist ein sehr spezielles Erlebnis. Der englische Sprecher (zumindest in der PC Version) macht seine Sache aber wirklich hervorragend.