Venetica – im Klassik-Test (360)

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Eine Prise Zelda verbirgt sich im flotten Kampfsystem: Mit nur einer Angriffstaste und dem richtigen ­Timing zwischen den Schlägen fegen Combos über die dümmlichen Feinde hinweg, zudem nehmt Ihr Gegner ins Visier und tänzelt im Kreis um diese herum. Doch gerade in Kämpfen verliert Ihr wegen der wild zuckenden Kamera oft die Orientierung – justiert manuell nach. Glücklicherweise plagen Euch in den fulminaten Bosskämpfen weniger Sichtprobleme als vielmehr die in zwei Runden zu knackenden Obermotze. Denn Ihr besiegt die fünf Fürsten nicht nur in der irdischen Form, sondern auch in der Totenwelt. Dort offenbaren sie ihr wahres Gesicht. Ob Giftschlange oder Muskelprotz – die taktischen Duelle verlangen Beobachtungsgabe, jeder Endgegner hat einen individuellen Schwachpunkt.

Hilfreich sind Scarletts Spezialfähigkeiten, denn Combos und selbst das Blocken mit einer der vier Waffengattungen (Schwert, Axt bzw. Hammer, Speer und die erweiterbare Mondsichel als Waffe des Todes) wollen erlernt sein. Trainer bilden Eure Fertigkeiten in zwei Stammbäumen aus (Kampf und Magie), nach jedem Stufenaufstieg verteilt Ihr zudem Punkte auf vier Parameter wie lebensstärkende Konstitution oder Magievorrat – die Charakterentwicklung ist simpel, aber einsteigerfreundlich. Eher umständlich wirkt die Bedienung der Spezialtalente, von denen Ihr bald weitaus mehr im Repertoire habt, als auf den vier frei belegbaren Aktionstasten Platz finden – auch wenn jede Waffenklasse einen eigenen Vierer-Slot zur Verfügung hat, das Sortieren im Menü gerät mühsan.

Die Spielwelt von Venetica ist übersichtlich und bietet keine durchgehende Welt vom Schlage eines Fallout 3. Auf der Übersichtskarte scheint das virtuelle Venedig des 15. Jahrhunderts riesig, de facto erforscht Ihr aber nur gut ein Drittel des Bereichs. Nachladepausen beim Betreten von Häusern und Bezirken, das spärliche Stadtleben und das stark limitierte Charakterdesign mit sich ständig wiederholenden Figuren trüben zudem den Eindruck einer pulsierenden Großstadt. Besonders die unsichtbaren Levelgrenzen offen­baren die beschränkte Spielwelt: Scarlett läuft wie auf Schienen, sie kann weder über kleine Absätze springen, noch den vorgegebenen Pfad verlassen. Das bremst die Atmos­phäre gewaltig. Im Gegenzug setzt das Spiel auf stimmige Klänge: unaufdringliche bis pointierte Hintergrundmusik, gute Waffensounds und eine hervorragende Synchronisation mit professionellen deutschen Sprechern. Da verzeihen wir auch, dass Letztere mehrere Rollen im Spiel vertont haben.

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