Way of the Samurai 3 – PS3

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    Anonym
    Gast

    C: “Where can i take a piss at?”

    Diese Frage ist eine der möglichen drei Fragen die ich einem jungen aufstrebenden Samurai im Laufe des Spiels stellen kann.Ich könnte ihn ebenso nach seinem Lebensziel fragen oder seiner königlichen Herkunft, aber ich entscheide mich für die wichtigen Dinge im Leben und wähle C. Er reagiert zwar ein wenig überrascht aber kann den Drang der Harnröhre wahrscheinlich nur zu gut nachvollziehen. Immerhin tobt ein Krieg zwischen zwei verfeindetern Clan und wir stecken mittendrin. Die Sequenz erinnert mich ein wenig an den ärgerlichen Moment wenn man sich fertig gemacht hat schlafen zu gehen, das Licht ausschaltet, die Augen schließt und plötzlich diesen leisen Drang verspürt pissen zu gehen. Hält man ihn zurück in der Hoffnung zuvor einzuschlafen? Lebenserfahrung hat mich gelehrt, dass Müdigkeit über die Kraft einer Herrenblase nicht siegen kann. Ich stehe auf. Und das Spiel schalte ich für immer aus.

    Ich habe keine Ahnung warum ich “Way of the Samurai 3” gekauft habe. Mir schien die Möglichkeit multipler Handlunswege in einem Samuraispiel reizvoll. Auch wenn die Grafik mit ihren 20 FPS und hoffnungsloser Detaillarmut mehr als abstoßend wirkt – Ausnahmetitel auf der PS3 sind rar gesäht.

    Ich nenne meinen Chara “Stahlschlange” und wähle das am wenigsten krüppelig dreinblickende Gesicht. Obligatorische Texteinleitung die mich in kryptischer Form über die Sachlage der Spielwelt informiert. Ich erwache als einziger Überlebender auf einem Schlachtfeld, laufe in zwei vertrottelte Händler und habe nun mehrere Möglichkeiten zu agieren. Ich kann entweder wie in allen anderen Storysequenzen des Spiels mein Schwert ziehen um sie erledigen oder bewusst zusammenbrechen um in einem primitiven Dorf wach zu werden. Ich entscheide mich für’s zusammenbrechen, da es meiner aktuellen Lebenslage am ehesten entspricht.

    Würde meine Ex-Frau ahnen dass ich den Zusammenbruch einem Samuraikampf vorziehe – egal – Mitleid ändert ohnehin nichts ab einem gewissen Alter.

    Das Dorfgemeinde empfängt mich mit offenen Armen: “I hate Samurai.” – “Just leave. You’ll bring death!” – “I’m so pissed.” Einzig und allein eine alte Dame bietet mir nachdem ihr bestätigt habe immer noch ein heisser Feger zu sein, einen Job an. Ich soll auf einem Schlachtfeld einen Beutel mit ihren Höschen finden. Ich antworte, dass ich genau der richtige Mann für sowas bin und breche auf ins aufregende Abenteuer. Ein Karte aus der Welt autistischer Kartographie weist mir den Weg. Eine offene Welt mit geheimen Höhlen und versteckten Schätzen gibt es in Oblivion aber nicht hier. Am Ausgang des Dörfchens wird X gedrückt und die Location gewechselt. Das Schlachtfeld gestalt sich ein wenig spärlich. Hier und da ein toter Samurai. Leichendiebe treiben ihr Unwesen und brabbeln vor sich hin. Nach 15 Minuten Texturmatschsuche und dem schleichenden Gefühlt totalen shit zu spielen find ich den verdammten Slip. Auf dem Rückweg rempelt mich jedoch ein Rabe an und der Seniorenfetisch ist Vergangenheit.

    Auf ein Tutorial im modernen Sinne, mit modern ist alles >1990 gemeint, wurde verzichtet. Diverse Personen bieten zwar an mich durch eine komplizierte Baumstruktur aus geschriebenen Anleitungen zu wühlen, doch ich verzichte dankend denn ich bin kein Idiot und hatte ein NES als Kind. Was tun?

    Prinzipiell kann ich jeden Bürger der Spielwelt mit meinem Schwert hinrichten. Glücklicherweise lässt sich dieses auf “blunt” umstellen, so dass sie lediglich in Bewusstlosigkeit versinken anstatt den Boden vollzubluten. Ich kann einen Blick auf die Karte werfen um zu sehen wo mich kleine Storysequenzen erwarten, die ich jedoch auch jetzt mit 10 Stunden Spielzeit nicht dechiffrieren konnte und mittlerweile nur noch wegdrücke. Ich kann in den winzigen Bereichen dieser winzigen Spielwelt weitere interessante Jobs annehmen.

    Hier trumpft das Spiel gewaltig auf. Denn wie es sich für ein Samuraispiel gehört, darf die obligatorische “Rübenmission” nicht fehlen. Vor mir kniet einer der Farmer und wirft mir Rüben entgegen. Ich muss nichts weiteres tun als zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen um sie entzwei zu teilen. Doch so klug wie Bauern nun mal sind greift er statt an einer Rübe gelegentlich zu einem Gedenkstein für die Toten und schleudert ihn mir in seiner vom vielen Rübenpflücken degenerierten Naivität entgegen. Weiche ich nicht rechtzeitig aus, zieht mir der Stein ordentlich Lebensenergie ab und ich sacke tot zusammen. Ein Leben das noch Knospe war. Ausgetrocknet unter der heissen Sonne unermesslicher Dummheit.

    Ich schaffe es nicht. “Death.” Game Over. Atmospähre in Essenz.

    Wie es sich für ein Spiel unserer Zeit gehört unterstützt Samurai 3 natürlich keine Auto Save Funktion. Bedeutet: Da Capo, junger Mann! Erst im späteren Spielverlauf finde ich heraus, dass sich bei alten am Wegesrand befindlichen Barden speichern lässt. Wozu ein Tutorial wenn man alle Zeit der Welt hat für solche belanglosen Informationsbeschaffungen? Da Großzügigkeit eine asiatische Erfindung ist (Chinabuffet für 3,50-) kann ich meine Stats in jeden erneuten Spielantritt übernehmen.

    Ich schließe mich einem Clan an und verbeuge mich vor dem mutierten Warlord der an ein rasiertes Wildschwein erinnert. Verprügel den Dieb der in einer wagemutigen Nacht und Nebel Aktion die “größte Rübe des Dorfs” an sich gerissen hat. Versuche wirklich jede Frau im Spiel die sich anflirten lässt abzuschleppen. (Was an meinem leeren Portmonnaie oder mangelnder Finesse in Höflichkeitsformeln der Samuraizeit scheitert). Denke darüber nach wie gelangweilt man vom Leben sein muss um sämtliche 21 mögliche Enden zu sehen. Frage mich ob es jemals möglich sein wird ein plotorientiertes Spiel ohne klare Richtungsvorgabe zu meistern um einen verständlichen Plot überhaupt erzählen zu können. Wundere mich über das ungelenke Kampfsystem. Scheitere daran die Waffenstats nachzuvollziehen und bringe letztenendes sogar Großmutters Unterhöschen in ihre zitternden alten Hände zurück – was sie mit: “Oh you took a look!” quittiert.

    Und irgendwann – nach 9 Stunden ziellosem umhergeirre kommt der magische Satz: “Where can i take a piss at?”

    Ich kann mich für viele Dinge in diesem Spiel entscheiden. Neutral bleiben. Krieg anzetteln. Menschen umbringen. Nur pissen gehen kann ich nicht. Und das wär zumindest ein guter Grund gewesen, viele Schwächen dieser missratenen Ambition zu verzeihen.

    Art & Pop

    #927835
    jorginhojorginho
    Teilnehmer

    toll sehr amüsant! tja wie ich sehe hat sich nichts verändert seit teil 1! meine jetzige frau hat es mir damals geschenkt und ich tat so als wurde ich mich freuen! warum sie das gemacht hat? damals wie heute ist ghost dog the way of the samurai mein lieblingsfilm und sie dachte wenn sie mir ein samurai spiel schenkt dann wurde ich mich ganz fest freuen! genau auch bei teil 1 hab ich nie kapiert wie man speichert und den sinn nie verstanden warum es ein schmied gab , wenn man immer pleite war! naja hab mal eine geschichte in knapp 2 stunden fertig gemacht, ihr den abspann gezeigt und tat so als wurde ich mich ganz fest über den geschenk freuen!

    ich fühle mit dir!!

    #927836
    Anonym
    Gast

    Ich bin erfreut darüber, dass der Kauf auf meine Kappe gewachsen ist Wär’s ein Geschenk gewesen – ich hätte mit der Person brechen müssen.

    Zum Thema Geld: Auch in diesem Teil ist man stets knapp bei Kasse. Ich brauchte für ein Schwert Upgrade 2100 Yen. Nach 9 Jobs hatte ich das Geld beisammen. Auf dem Weg zum kurios aufgepumpten Schmied kam ein Dieb hinter mir hergerannt und schnappte sich das Geld. Selbstverständlich war seine Renngeschwindigkeit genau so hoch wie meine, so dass er flüchten konnte.

    Ich kann das Gefühl nur schwer beschreiben aber es ist ein wenig so wie in der 7. Klasse in Marianne verliebt zu sein. Sich kleine Zettelchen im Unterricht zu schreiben mit Herzen drauf, nur um am Wochenende die Disco zu betreten und sie in der Ecke mit nem Typ zu sehen der 10 Jahre älter ist als man selbst und so muskelbepackt wie der Schmied in Way of the Samurai 3.

    “Danke Liebling, das ist das schönste Geschenk seit langem!”

    #927837
    jorginhojorginho
    Teilnehmer

    hahahahaha! ich lach mich zu tode! man muss es gespielt haben! kann ich nur weiter empfehlen! seither mache ich immer an mein geburstag eine gameliste!

    #927838
    jorginhojorginho
    Teilnehmer

    ich bin es nochmals! deine geschichte erinnert mich damals auch stark an resident evil 1 als man dann vor dem endgegner stand und die munition alle war! das war auch lustig!!! hahahahahaha!

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