In der MAN!AC 01/96 lobte Oliver Ehrle Loaded für seine konventionelle Draufsicht-Shooter-Spielmechanik sowie die Special-Effects-Dichte und vergab 74 Prozent Spielspaß. Der BPjM war der blutige Gefängnisausbruch zu stumpf, zu krass, und so landete der Actiontitel in der Tradition von Total Carnage und Smash TV auf dem Index.
Loaded
Entwickler: Gremlin Interactive, England
Hersteller: Gremlin Interactive
System: PSone / Saturn
Veröffentlichung: Februar 1996
Indizierungstermin: 12. Juni 1996
Indizierte Versionen: PSone
Index-Liste: E
Gefängnisausbruch auf die blutige Art: Als einer von sechs Charakteren (unter anderem Psycho-Clown oder Riesenbaby) ballert Ihr Euch raus aus dem Knast und nehmt noch einen Umweg, um dem Direktor seine Schikanen mit Blei heimzuzahlen. In typischer Draufsicht schießt Ihr Euch allein oder im Koop-Modus zu zweit durch Zellentrakt, Schrottplatz, Friedhof sowie Kontrollzentrum und sammelt Schlüsselkarten von toten Feinden, um den nächsten Bereich zu öffnen. Mit Flammenwerfer, Schrotflinte, Plasmageschütz und Raketenwerfer nehmt Ihr es mit Wärtern, anderen Gefangenen und gefesselten Irren auf, die Euch mit Kopfnüssen ins Jenseits schicken wollen.
»Der Antragsteller beantragt die Indizierung, weil er der Auffassung ist, dass der Inhalt des Videospiels auf Kinder und Jugendliche verrohend wirke. Es handele sich bei dem Spiel um ein brutales Tötungs- und Metzelspiel, bei dem sich der Spieler, um die nächste Stufe zu erreichen, im wahrsten Sinne des Wortes durchkämpfen müsse, ohne Rücksicht auf den Gegner nehmen zu können. Das Töten der Gegner werde stets positiv bewertet und sei die einzige Möglichkeit, sein Spielziel zu erreichen.«
Auszüge aus der Indizierungsentscheidung Nr. 4987 (V) vom 12.06.1996
Der wesentliche Inhalt des Videospiels besteht aus dem bedenkenlosen Töten menschlicher Gegner. Da damit das Töten von Menschen zum sportlichen Vergnügen verniedlicht wird, ist die Jugendgefährdung auch für jeden Zuschauer klar und zweifelsfrei erkennbar. Die sozialethische Desorientierung rührt hier aus der Einübung des gezielten Tötens, wie es bereits die Spieleanleitung zutreffend beschreibt, Wenn es sich bewegt, machen Sie es tot, und machen Sie es schnell tot, bevor es Sie tot macht.
(…)
Der Gegner in Menschengestalt fällt zu Boden, verbrennt zum Skelett, übrig bleibt eine Blutlache. Ebenso stoßen die auf diese Art vernichteten Gegner entsprechende Todesschreie aus. Die einzelnen Levels variieren unwesentlich, die Spielidee ist stets dieselbe. Es gilt, eine Vielzahl von Lebewesen auf unterschiedliche Art und Weise zu töten, um zum Spielziel zu gelangen.
(…)
Das Töten der Gegner wird auf mannigfaltige Art und Weise positiv belohnt. Die Gegner fallen getroffen zu Boden, nur das Vernichten der Gegner garantiert dem Spieler das eigene Überleben und ermöglicht ihm das Aufsammeln diverser Gegenstände, die ihm den Zutritt zum nächsten Level gewähren.
(…)
Da sich der Spieler im stetigen Kampf um das eigene Überleben befindet, wird er gefühlsmäßig in das Spielgeschehen mit einbezogen. Die Art der Steuerung verlangt stetige Konzentration, schnelle und zuverlässige Reizaufnahme sowie hohe Leistung im Bereich der Feinmotorik: Eine kritische, kognitive Bewertung aggressiven Spielinhalts/-kontextes ist dem Spieler aufgrund einer derart hohen psycho-physischen Beanspruchung nicht möglich.
Wer heutzutage das noch brutalere und explizitere Hotline Miami (frei ab 18 in Deutschland) spielt, kann sich über die Indizierung von Loaded nur wundern. In der damaligen Zeit erfüllte der englische Vogelperspektiven-Shooter aber alle Kriterien, um bei der Prüfstelle durchzufallen: Eure Feinde sind menschlicher Natur und natürlich müsst Ihr sie zwingend töten, um weiterzukommen, schließlich hinterlassen sie wichtige Schlüsselkarten. Die tumbe Gewaltfokussierung wird nicht einmal in der Spielanleitung verschleiert oder wenigstens erzählerisch gerechtfertigt. Wenn es sich bewegt, machen Sie es tot, und machen Sie es schnell tot, bevor es Sie tot macht fasst auch heute noch das Prinzip fast jeden Shooters zusammen, trifft aber auch den feinen Nerv von besorgten Jugendschützern. Die verrückt anmutenden Spielfiguren, die plastischen Blutlachen und die Todesschreie Eurer Opfer trugen ebenfalls sicherlich nicht gerade mildernd zu der Indizierungsentscheidung bei. Wie schon bei der Indizierung von Moonstone: A Hard Days Knight hebt die BPjM in ihrer Begründung die Steuerung des Spiels hervor und misst ihr Bedeutung in puncto Wirkung des Geschehens auf den Spieler bei. Durch die ständige Konfrontation mit Feinden, die der Spieler umkreisen und beschießen muss, und das Fehlen von Atempausen kann ebensowenig eine Distanzierung vom Spielinhalt stattfinden wie durch das fiktive Szenario und die relativ weit entfernte Spielperspektive.
Du fragst Dich schon ewig, warum ein bestimmtes Spiel indiziert wurde? Dann schreib uns Deine Anregung an leserpost@maniac.de und wir gehen der Sache nach!