Nachricht von Ingos Familie
Die vielfältigen, oft sehr persönlichen Schreiben, die uns nach Ingos Tod erreicht haben, haben uns, die Familie von Ingo, überrascht und auch ein wenig getröstet. Dafür sind wir sehr dankbar, genauso wie für die zahlreichen Spenden. Sie erleichtern es uns, die mit Sterben und Tod verbundenen Kosten aufzufangen.
Wir haben Ingo am Freitag letzter Woche auf unserem Dorffriedhof neben seinen Großeltern beigesetzt, in deren Haus in Frankfurt er seine ersten Monate verbracht hat. Hier hat er seine Kindheit und Jugend verbracht, hat er die Schule besucht, bevor er in die große weite Welt gezogen ist. Ein Kreis hat sich geschlossen.
Möge er bei Ihnen allen in guter Erinnerung bleiben. Für uns ein wenig Trost bei der großen Lücke, die er erst hinterlassen hat.
Für Ingos Familie die Eltern Young-Cho und Hans-Jürgen Zaborowski

Hallo, hier ist der Ingo. So begannen alle unsere unzähligen Telefonate in den letzten Jahren. Und ich habe mich jedesmal gefreut vom ersten Mitarbeiter der MAN!AC zu hören, auch wenn er uns bereits nach einem Jahr als Redakteur verlassen hatte, um in die Branche zu Psygnosis zu wechseln.
Ich bin kein guter Erinnerer und hatte vieles von dem, was früher, vor 23 Jahren, passiert ist, mittlerweile längst vergessen. Ingo nicht. Er konnte noch sämtliche Anekdoten aus der Gründungszeit von Cybermedia und der MAN!AC zum Besten geben. Und das tat er – immer wieder und immer haben wir uns köstlich amüsiert. Wie war das noch? Wer hat damals die Level-Map von Jurassic Park erstellt aus 1.000 einzelnen Bildschirmfotos? Hatte ich überhaupt geholfen oder hatte er das alleine gemacht? Die glorreichste Idee, die wir jemals hatten war das Blood Replay. Urgesteine unter Euch, also alle über 40, erinnern sich bestimmt noch an die Action Replay Module – Cheatmodule für die damaligen Konsolen. Die wurden zwischen Modul und Konsole gesteckt und mittels spezieller Codes konnte man unendlich Leben, Unverwundbarkeit oder whatever einschalten. Diese Module waren unsere Inspiration für das Blood Replay, ein Modul zum Zwischenstecken, das geheime Splatter- und Gore-Modi in allen Spielen freischaltete. Natürlich auch bei Mario oder Zelda. Garniert mit ein paar selbstgebastelten Bildschirmfotos – Mario bluttriefend an einem Galgen und andere Kuriositäten – erschien unser Testbericht in einer Aprilausgabe der MAN!AC, und siehe da: Als das Heft auf den Markt kam meldeten sich nicht nur Leser, die das Ding unbedingt kaufen wollten, sondern auch zahlreiche Händler, die uns für irre erklärten, dass wir einen solchen Aprilscherz machen. Bei ihnen stünde das Telefon nicht mehr still, weil alle nach dem Blood Replay fragten.
Ingo war einer der liebenswertesten und zuverlässigsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte. Auf ihn konnte man sich immer verlassen. Als Mitarbeiter war er schnell und gründlich und auch bei seinen Stationen in der Branche war mir immer klar, dass er seine Arbeit gewissenhaft und hochprofessionell erledigt. Später, als er bei Sony in London war, rief er mich oft aus Langeweile an. Ich hab’ hier einen großen Schreibtisch mit nichts drauf. Ich telefoniere halt manchmal, aber so richtig Arbeit habe ich hier nicht. Ich dachte mir nur: Was für ein toller Job! London, gutes Gehalt und wenig zu tun. Ingo hat das aber nicht gereicht – er wechselte bald erneut die Stelle, weil er nicht richtig gefordert wurde und lieber noch etwas bewegen wollte. Wie und was genau er wann gemacht hat, kann ich gar nicht mehr rekapitulieren. Er hat viel ausprobiert, sogar eine eigenes Entwicklungsstudio für Gameboy-Spiele (oder waren es DS-Spiele?) gegründet. Wie gesagt: Ich bin kein guter Erinnerer und das tut mir leid, denn Ingo hätte es verdient, dass man seinen Werdegang nicht vergisst, zumal er wesentlich spannender und abwechslungsreicher war als das, was die meisten von uns erleben werden.
Ich erinnere mich auch gern an die Zeit, in der Ingo geschäftlich mit uns verbandelt war. Das war natürlich sehr praktisch: Welcher Anzeigenverkäufer würde nicht frohlocken, wenn ein guter Kumpel ein Budget für Anzeigenkampagnen hat? Irgendwann gab es eine Ausgabe, die ziemlich schlecht lief im Anzeigenverkauf. Doch dann schellte das Telefon: Hamburger Nummer. Aha! Ingo. Mal rangehen… Zwei Doppelseiten? Alles klar! Danach habe ich oft zu ihm gesagt: “Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Ingo her.
Im Herbst letzten Jahres haben wir uns das letzte Mal getroffen. Pizza, Wein und ein Haufen Fotos von der letzten seiner vielen Reisen, die er in den vergangenen Jahren unternommen hat. Niemals hätte ich gedacht, dass dies unsere letzte Begegnung sein wird. Jetzt habe ich plötzlich das Bild vor Augen, wie er vor dem Restaurant stand und wartete. Kopfhörer auf den Ohren und das typisch freundliche, verschmitzte Ingo-Lächeln. Wie immer ultrapünktlich, denn Ingo war immer pünktlich und kam nie zu spät. Ein schöner Abend, den wir wiederholen wollten. Wollten.
Ingo war ein toller Mensch, der viel wusste, viel erlebt hat und vielen Menschen noch viel mehr Freude hätte machen können. Er wird mir fehlen und es wird mir fehlen mit ihm über früher” zu reden. Vielleicht war früher nicht alles besser, aber früher war Ingo.
Andreas Knauf
Mering, 6. Mai 2016
Ingos Familie und Verwandten sprechen wir auf diesem Weg unser herzlichstes Beileid aus.
In den Kommentaren darf gerne kondoliert werden, wir bitten aber aus Respekt vor Ingo und seiner Familie von Nachfragen abzusehen.