An Toren entzündet sich mal wieder die Frage, ob Videospiele Kunst sein können und dürfen. Es ist ein Werk für Fans von Ico und Journey, nicht für Button-Akrobaten. Für Menschen, denen eine ausgeklügelte Spielmechanik und saubere Technik nicht so wichtig sind, wenn sie dafür traumhafte Szenarien und eine Geschichte bekommen, in der mehr steckt, als man zuerst glauben mag.
Auf den ersten Blick ist sie banal: Ihr seid das Moonchild, das den Toren genannten Turm erklettern muss, um den auf der Spitze hockenden Drachen zu besiegen und das Land von einem Fluch zu befreien. Doch schnell beschäftigt sich Toren mit weit interessanteren Themen: Mit Reinkarnation, Opferbereitschaft, menschlichem Hochmut und dem Fakt, dass man manchmal scheitern muss, um zu lernen und voranzukommen. Diese Botschaften verpacken die brasilianischen Entwickler in eine spielerische Mixtur aus simplen Kämpfen, leichten Rätseln und Hüpfpassagen, welche an ungenauer Steuerung kranken. Das Moonchild stürzt dadurch ab und an ungewollt in den Tod, hört sich dann weise Worte von seinem Lehrer an und startet meistens an einem fairen Checkpoint manchmal ist der Weg aber unnötig lang. Die seltenen Auseinandersetzungen mit dem finsteren Drachen sind klug inszeniert und fordern weniger Schwertkunst und mehr Auge für die Umgebung Deckung und Timing sind wichtiger als Muskelkraft. Zwiegespalten präsentiert sich die Technik: Am ständigen Ruckeln und Tearing merkt man den Indie-Hintergrund, auch die Texturqualität ist mangelhaft. Aber dafür zaubert Swordtales mit Wüsten, Unterwasserwelten, eisigen Höhen und dunklen Abgründen ein Fantasie-Reich auf den Bildschirm, das es sich anzuschauen lohnt. Akustisch begleitet wird das Moonchild von stets passenden atmosphärischen Klängen und der murmelnden Stimme seines Mentors.
Wer gerne über Botschaften hinter einem Videospiel nachsinnt, dem legen wir Toren ans Herz. Alle anderen bleiben lieber bei Tetris.
Tobias Kujawa meint: Ja, ich weiß, die technischen Mängel von Toren wiegen schwer, das Vergnügen ist nur von kurzer Dauer und spielerisch gibt der Titel ebenfalls nicht viel her. Aber das ist mir vollkommen egal und Euch wird es auch wurscht sein, wenn Ihr dem Titel eine Chance gebt. Durch so schöne Szenarien bin ich seit Journey nicht mehr gestapft, und wer bereit ist, darüber nachzudenken, was ihm die Brasilianer von Swordtales da servieren, der wird in Toren mehr entdecken als die reine Reise zur Turmspitze und auch die hakelige Steuerung in Kauf nehmen. Besonders betonen möchte ich, dass die Indie-Entwickler es innerhalb kürzester Zeit schaffen, dass ich mich mit dem Moonchild durch seine und meine Ahnungslosigkeit verbunden fühle. Das gelingt vielen AAA-Studios auch in 40 Stunden nicht.
Malerische, hintergründige Turmkletterei mit technischen Schwächen.
| Singleplayer |  | 8 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |