Zu einer Zeit, als viele Menschen noch auf einer tonnenschweren schwarz-grünen Maschine daddelten und Peter Molyneux noch unter dem Banner der Lionhead Studios seine Visionen verbreitete, erschien das Xbox-exklusive Fable. Es begeisterte Action-Rollenspieler 2004 mit hübscher Cartoon-artiger Grafik, guten Kämpfen und vor allem großer Freiheit bei der Entwicklung des Helden. Brave Pfadfinder halfen den Schwachen und bekamen dafür blaue Augen, einen Heiligenschein und den Applaus der Massen. Verschlagene Fieslinge nahmen sich, was sie wollten, wanderten mit Hörnern auf der Stirn umher und verschreckten die Bevölkerung mit höhnischem Gelächter und dem ein oder anderen Furz. Die Interaktion mit der Spielwelt abseits der Quests faszinierte damals und auch heute noch machen die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten und der britische Humor den Reiz des Spiels aus.
Fable Anniversary bietet alle Inhalte der The Lost Chapters-Edition, neue Quests oder Wendungen gibt es nicht. Statt umfangreicher Extras erwarten Euch nur ein paar Bonusgegenstände für Euren Helden und ein Helm für Euren Avatar. Die hakelige Steuerung des Originals ersetzt Ihr optional durch das geschmeidigere Kontrollschema der modernen Fable-Teile. Die Menüs wurden überarbeitet, gerieten aber arg verschachtelt. Mit ein bisschen Einarbeitungszeit lässt sich damit gut leben, allerdings nicht mit dem folgenden Fauxpas.
Die Grafik wurde umfassend überarbeitet und erstrahlt in prächtigen Farben und mit deutlich schöneren Texturen. Die Charaktere bekamen neue Modelle und orientieren sich nun an den Xbox-360-Fables. Alles schön und gut, nur wurden Dauerruckeln und teils heftiges Tearing bei der Qualitätskontrolle durchgewunken. Die Bildrate geht oft in den Keller, dazu gesellen sich Pop-Ups und viele Texturen ploppen erst spät auf den Schirm. Auch die Ladezeiten sind für ein HD-Update viel zu lang, zumal die Gebiete, nach denen geladen werden muss, wie im Original sehr klein bemessen sind. Diese Mängel drücken auf den Spielspaß, der auch sonst nicht mehr über ordentliches Niveau hinauskommt. Action-Rollenspiele haben sich weiterentwickelt und das beengte Fable hinter sich gelassen. Dass die Entwickler dem keine Rechnung tragen oder wenigstens als Fanservice neue Quests integrieren, ist schade und trägt nichts zum Jubiläum des Klassikers bei
Tobias Kujawa meint: Zum Test von Fable Anniversary kramte ich meine alte Xbox aus dem Schrank und legte The Lost Chapters nach langer Zeit mal wieder ein. Meinem ersten Gedanken (boah, ist das hässlich!) folgte wohlige Wiedersehensfreude, als mich mein mit viel Mühe aufs Böseste getrimmter Held Arschgesicht angrinste. Daher war meine Freude sehr groß, als ich die Anniversary-Edition in Händen hielt. Aber mein Gott, hat das eigentlich bei Microsoft niemand mal angespielt? Die stotternde Bildrate und die ständigen Ladebildschirme gehen 2014 gar nicht, Nostalgie hin oder her! Dasselbe gilt für die umständliche Menü-Navigation und das träge Zielen bei Fernkampfangriffen. Man hat es sich zu einfach gemacht, viel Arbeit ist bis auf die neuen Texturen sicher nicht in das HD-Update geflossen. Inhaltlich und spielerisch wirkt Fable nach wie vor gut, heutzutage gibt es aber wesentlich bessere Genre-Vertreter. Ein paar zusätzliche Aufgaben und neue Handlungsstränge hätten es nach zehn Jahren schon sein dürfen.
- Smartglass-Funktion zeigt Karte und Vergleichsbilder aus dem Originalspiel
- einige Outfits und ein Avatar-Gegenstand als Bonus
- technisch schwach
Tolles Rollenspiel von 2004 trifft auf technische Mängel von 2014: Inhaltliche Neuerungen sucht Ihr leider mit der Lupe.
| Singleplayer |  | 70 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |