Dr. Eggman hat sich Verstärkung geholt: Er knechtet sechs mächtige Zeti (das sind knallbunte Klischee-Monster aus dem Designer-Müllkübel) und hetzt sie auf den blauen Blitz. Der Schauplatz der Auseinandersetzungen ist ebenfalls neu – die schwebende Himmelswelt Lost Hex. Selbstredend dient die naive und mäßig unterhaltsame Story wie immer nur der Begründung, um Sonic durch eine Vielzahl unterschiedlicher Umgebungen zu hetzen. Diesmal stehen Eislandschaften, Lavawelten, Unterwasser-Röhren, eine Pharaonenwüste und viele grasgrüne Stages auf seiner To-do-Liste. Hilfe von Tails oder dem Rest der Rasselbande gibt es nur in den Zwischensequenzen, gespielt wird ausschließlich mit Sonic. Wie schon in Generations und Colours erwartet Euch ein abwechslungsreicher Mix aus 2D und 3D – mit etlichen Endgegner-Fights, Rutschpartien oder anderen kleineren Experimenten.
Dabei hätte dem Spiel ein stärkerer Fokus auf große 3D-Levels oder simple 2D-Stages besser zu Gesicht gestanden. Denn gerade späte 2D-Abschnitte und mancher Bosskampf kurz vor dem Ende gingen richtig in die Hose – exemplarisch picken wir uns Zone 3 der Welt ”Sky Road” heraus: Hier fliegt Sonic durch den Himmel, während Ihr Euch mit einer grottigen Flugsteuerung herumplagt. Mist pur!
Auch die Bonus-Levels nach dem Durchspielen und die Zirkuszelt-Minispiele haben uns mehr geärgert als gefreut gerade bei Letzteren ist es fast unmöglich, die Übersicht zu behalten. Leider sind die auch die einzige Gelegenheit, wo Sonic Lost World das GamePad und dessen Touch-Steuerung nutzt. Halt, nicht ganz: Denn auf der Haben-Seite stehen auch noch launige Zweispieler-Duelle in 15 Actionstages – einer zockt am TV, einer auf dem GamePad-Schirm.
Zum ersten Mal darf Sonic auf Handheld durch echte 3D-Welten brettern – toll. Wenn diese Welten nur nicht so langweilig wären! Zudem bremsen immer wieder ”Besiege drei Gegner bevor du weiter darfst”-Schalter den Temporausch. Immerhin sind die Zusatzfähigkeiten auf 3DS verständlicher und besser integriert auch die Autoziel-Mechanik bei Sprungattacken zickt seltener. Dafür sind die simplen Bossfights langweilig. Neben den Solo-Levels tretet Ihr via Wi-Fi oder Internet zu Versus-Rennen an oder baut in Tails’ Werkstatt hilfreiche Items.
Matthias Schmid meint: Sonic hat’s wieder getan – mich in der Preview-Version mit Vorzeige-Levels verwöhnt und so hinterlistig getäuscht. Denn das fertige Spiel erinnert mich an das dritte Studioalbum der Gothic-Rocker HIM – ”Deep Shadows and Brilliant Highlights”. Eben noch wähne ich mich im Hüpfspiel-Himmel – angesichts grasgrüner 3D-Landschaften voll mit sich verzweigenden Pfaden, knackscharfer Texturen und gut designter Sprungpassagen – da kommt schon ein total vermurkster Bosskampf oder ein 2D-Level aus der Spielmechanik-Hölle um die Ecke. Danach bin ich wieder auf Wolke sieben: In der Honigwaben- oder Apfelsaft-Welt werde ich von Highspeed-Abschnitten und wirklich coolen Spielideen verwöhnt. Und prompt haut die oft schlecht funktionierende Zielmechanik bei Sprungangriffen oder ein grausig erklärtes Item dazwischen und ich stürze mehrfach unverschuldet ins Nirwana. Wer Sonic mag und frustresistent ist, darf zugreifen: Er wird mit einigen tollen Levels belohnt. Gleichzeitig finden Sonic-Spötter reichlich Grund zum Lästern.
- wer fünfmal in Folge stirbt, hat die Option, zum nächsten Checkpoint zu springen
- Items verwandeln Sonic kurzzeitig
- StreetPass-Challenges auf 3DS
GroĂźartige 3D-Areale mit Spielraum zum Entdecken treffen auf mies designte Abschnitte und eine fehlerhafte Zielmechanik. Ein noch ordentliches HĂĽpfspiel, das viel Potenzial verschenkt.
| Singleplayer |  | 70 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |