Warum Fortsetzungen?
Für die Frage nach dem Warum einer Fortsetzung gibt es auf Seiten der Hersteller viele Antworten. Die banalste ist wohl die finanzielle Sicherheit: Dank des kommerziellen Erfolgs des Vorgängerprodukts kann man sich einer gewissen Käuferschicht sicher sein, das Risiko eines “Flops” sinkt. Bevor man den Konzernen hier jedoch Profitgier vorwirft, sollte man im Hinterkopf behalten, dass Videospielentwicklungen heutzutage Budgets in zweistelliger Millionenhöhe verschlingen – Fehlschläge können hierbei selbst einen Big Player unter den Herstellern schnell ins Wanken bringen. Aber auch abseits der Buchhaltung ersparen Fortsetzungen Arbeit, etwa im Bereich der Ideenfindung: Es muss kein gänzlich neues Spiel-Universum mit frischen Hauptcharakteren erschaffen oder ein komplettes Gameplay aus dem Boden gestampft werden, manchmal lassen sich sogar ganze Schauplätze und Musikstücke wiederverwerten. Die Brainstorming-Phase kann damit auf ein Minimum reduizert werden und sich ganz auf das Motto “Mehr vom Gleichen” beschränken. Das wiederum verkürzt die Entwicklungszeit, sodass sich der Nachfolger idealerweise schon zum nächsten Weihnachtsgeschäft der willigen Käuferschaft präsentieren kann.
Sind Fortsetzungen also nur ein Diktat effizienz- und kommerzgeiler Firmen? Nein, sagen wir, denn auch auf Seiten der Spieler sind Fortsetzungen gewünscht. Man denke nur an die hartnäckige Forderung nach einem Mirror’s Edge 2 oder stelle sich vor, welchen Aufschrei es nach sich zöge, wenn Kojima das Ende der Metal Gear Solid-Reihe verkünden würde! Hier müssen wir Fans uns an der eigenen Nase fassen und uns eingestehen, dass wir viele der Sequels und Prequels aus einem Spieleuniversum schlichtweg selbst herbeiwünschen. Unsere Kaufkraft signalisiert dem Hersteller, dass wir mit seiner Fortsetzungspolitik zufrieden sind.
Es ist eben das Bekannte, über das wir uns gefreut haben und das wir noch einmal erleben wollen, vorzugsweise im aufgehübschten grafischen Gewand, garniert mit Detailverbesserungen in der Spielmechanik. Demgegenüber sind wir bei neuen Titeln oder ungewöhnlichen Spielprinzipien skeptisch: Ist dieses Journey wirklich so gut, wie alle sagen? Bietet ein El Shaddai den gleichen Spielspaß wie die x-te Fortsetzung meiner bekannten Spieleserie? Möchte ich mich wirklich auf ein innovatives Konzept einlassen oder warte ich lieber, bis der Titel billiger geworden ist? Diese und ähnliche Gedanken sind es, die uns viel zu oft zu Altbewährtem statt Innovativem greifen lassen und als Ergebnis den mutigen Publishern magere Verkaufszahlen bescheren.