Pro Evolution Soccer 2014 gleicht einem neuen Fußballschuh. Zuerst fühlt sich die Sportsimulation von Konami reichlich unbequem an, drückt und scheuert. Kein Wunder, denn statt nur genreüblich ein paar Schrauben nachzuziehen und das Ganze dann als frisches Produkt anzupreisen, haben die Japaner von Grund auf neu angefangen. PES 2014 basiert auf der Fox-Engine, entwickelt von Kojima Productions. Die bringt Licht und Schatten: Trikots, Starspieler und vor allem die Animationen der Kicker sehen brillant aus, in der Mittagssonne und bei Flutlicht macht das Rasenschach mit Ausnahme der groben Spielfeldtextur eine gute Figur. Auf der Soll-Seite stehen flimmernde und stark ruckelnde Einmarsch-Sequenzen, Einbrüche der Bildrate im Spiel, ein holprig animiertes und detailarmes Publikum sowie eine träge Menüsteuerung. Gewohnte Features fallen weg: Es gibt keinen Regen, außerdem fehlen die Arenen der spanischen Liga und der Stadion-Editor.
Spielerisch drückt der Schuh: Nutzt Ihr die neuen manuellen Steilpässe und Schüsse, bei denen ein flinkes Fadenkreuz den Aufschlagpunkt des Balles markiert, beißt Ihr erst mal vor Frust in den Controller. Es braucht lange, bis Ihr die Funktionen beherrscht und nicht mehr falsch bemessene Flanken schlagt oder vor dem leeren Tor nur die Latte trefft.
Irgendwann macht es Klick (oder Ihr deaktiviert das Feature), und das Leder ist weich. Dann genießt Ihr (meistens) die volle Kontrolle über das Geschehen, einen (oft) frei laufenden Ball, der den Spielern (in der Regel) nicht am Fuß klebt, sowie Gewichtsverlagerungen und Finten mittels rechtem Stick. Die Torhüter, die in diesem Jahr mehr auf der Linie bleiben, parieren ungezielte Schüsse geschickt und Passwege werden von der KI ordentlich zugestellt. Leider reißen bei Eurem neuen Schuh aber oft die Schnürsenkel: Die träge Spielgeschwindigkeit, die lange Reaktionszeit der Kicker und der zu leichte Ball sind Geschmackssache, die schlechte Verbindungsqualität und Fehlerdichte bei Online-Ausflügen dagegen nicht zu entschuldigen. Wer alle Finessen kennen will, tobt sich im Trainingsmodus aus, der noch immer nicht erklärt, was man in den Übungen falsch macht. Unverständlich ist außerdem, warum Features wie die neue Tricksteuerung mittels beider Analogsticks nur anhand von Videos erklärt werden. Zudem gibt es nun ein Moralsystem, das in der Theorie Heimteams und gute Leistungen belohnt, in der Praxis aber nicht spürbar ist.
Tobias Kujawa meint: Anfangs macht PES 2014 viel Mühe. Wer nicht bereit ist, seine jahrelang gepflegte Spielweise aufzugeben und ein paar neue Kniffe zu lernen, hat keinen Spaß. Zudem hat die Fox-Engine, die das Geschehen auf dem Rasen in neuem Glanz erstrahlen lässt, noch eine Menge Macken. Die Sportler reagieren vor allem zu langsam auf Eingaben. Von der Soundkulisse will ich gar nicht erst reden: Die Musik in den Menüs ist grauenhaft, die Effekte auf dem Rasen sind schwach und wer schreibt den Kommentatoren eigentlich die Texte? Häuptling Zauberfuß? Ist das Konamis Ernst? Warum sollten Fußball-Puristen trotzdem einen Blick riskieren? Weil das Geschehen auf dem Platz sich echt anfühlt, wenn alles rund läuft. Klar gibt es mal hakelige Matches, aber das ist in der Realität nicht anders. Außerdem machen mir die entschlackte Meisterliga und der Werde zur Legende-Modus endlich wieder Spaß. Also bitte Konami, räumt die ganzen Fehler noch aus, dann gibt es wieder ein Fußballspiel, das die Bezeichnung Simulation verdient!
Matthias Schmid meint: Zum ersten Mal seit zwölf Jahren, seit dem ersten PES für PS2, greife ich lieber zur EA-Konkurrenz das will was heißen! Denn FIFA 14 ist zwar zu arcadig, schnell und schnörkellos, dafür flutscht es richtig. Was hingegen bei PES 14 an Stolperei, Fehlpass-Stafetten und KI-Aussetzern passiert, ist nicht feierlich. Da helfen auch die geilen Animationen, die neue Grafikpower oder die verbesserten Standardsituationen wenig. Ich habe gar nicht so viele Haare, wie ich mir raufen will, wenn ich an die zu schweren hohen tödlichen Pässe, die unhandlichen kurzen Abschläge oder einfach das fehlende Pfund bei fast allen Torschüssen denke. Doch ich entsage Konami vorerst nur für ein Jahr denn wie Tobias erkenne ich manch verheißungsvollen Ansatz hin zur anspruchsvollen Simulation.
- Patch für 22-Mann-Mehrspieler-Modus
- Online-Pass für Online-Modi
- spielt bei Be a Legend als Torwart
- Online-Matches und Verbindungsqualität bisher sehr schlecht
Gewöhnungsbedürftiger Neubeginn der PES-Reihe mit spielerischen Lichtblicken und technischen Schattenseiten für hartgesottene Kicker.
| Singleplayer |  | 79 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |