Fehler 37. Diese Meldung begrüßte Diablo III-Spieler zum PC-Start des Spiels im letzten Jahr andauernd. Der Online-Zwang und die dazugehörigen Serverprobleme vermiesten vielen Beutejägern den Spaß, bevor er begann. Dass es besser geht, zeigt die nun veröffentlichte Konsolenfassung. Keine Sorge, am Grundprinzip der Serie wurde nicht gerüttelt. Ihr macht Euch mit bis zu vier Abenteurern, die sich aus den Charakter-Klassen Barbar, Magier, Dämonenjäger, Hexendoktor und Mönch (jeweils männlich und weiblich spielbar) rekrutieren, auf die Suche nach Feinden, Schätzen und Erfahrungspunkten. In den zufallsgenerierten Levels stellen sich Euch Dutzende Gegner in den Weg, die Gegenstände, Lebensenergie oder Geld hinterlassen, wenn Ihr sie kleinhackt. Die Suche nach immer besserer Ausrüstung macht schnell süchtig. Mal eben noch einen Dungeon erkunden, wissen was in der nächsten Schatzkiste ist und nur noch eine Stufe aufleveln Diablo III entwickelt mit einem simplen bis stupiden Spielprinzip eine riesige Sogwirkung, die Euch so manche Nacht kosten wird.
Kein Internet? Kein Problem! Die dritte Jagd auf den Höllenfürsten Diablo spielen Konsoleros auf Wunsch komplett offline, sogar mit bis zu vier Spielern an einem Bildschirm! Dann befinden sich in jeder Ecke des Fernsehers Energie- und Erfahrungsleisten, Icons der aktuell ausgewählten Fähigkeiten und der jeweilige Mana- bzw. Wutvorrat. Farbige Kreise unter den Charakteren machen die Zuordnung leicht. Die Recken können sich nur begrenzt weit voneinander entfernen das verhindert, dass das hektische Geschehen zu weit herauszoomt oder Eigenbrötler Alleingänge wagen. Als praktisch erweist sich besonders im Mehrspieler-Modus die neue Item-Schnellwahl. Mit dem Steuerkreuz schaltet Ihr im Spielgeschehen durch die letzten aufgesammelten Gegenstände und legt sie bei Bedarf sofort an. Hier seht Ihr zwar nicht die Sondereffekte: Da aber alle Spieler (zumindest wenn Ihr zusammen auf der Couch sitzt) warten müssen, wenn einer ins Inventar wechselt, fördert die Schnellwahl deutlich den Spielfluss. Problematisch: On- und offline gibt es nur gemeinsame Beute. Teilen ist angesagt! Das funktionierte in unseren Online-Sessions selbst mit Unbekannten ohne Probleme, da es kein Echtgeld-Auktionshaus wie auf dem PC gibt, wo man seltene Gegenstände gegen Profit losschlägt. Eigensinnig entpuppten sich viele Mitspieler aber bei Zwischensequenzen und storyrelevanten Unterhaltungen mit NPCs, die jedes Gruppenmitglied für alle abbrechen kann. Wer Diablo III zum ersten Mal spielt und Wert auf die Geschichte legt, sollte lieber solo losziehen oder sein Spiel nur für Freunde öffnen.
Die Umsetzung der Maus- und Tastatur-Steuerung auf den Controller ist Blizzard glänzend gelungen: Mit dem linken Stick lauft Ihr in alle Richtungen, mit dem rechten führt Ihr eine Ausweichrolle aus, mit der Ihr sogar Attacken cancelt. Eine sinnvolle Ausweichbewegung gegen Flächenschaden und starke, aber träge Widersacher. Auf den Aktions- und Schultertasten positioniert Ihr frei Eure Attacken und Fähigkeiten. Die werden levelabhängig automatisch freigeschaltet und Ihr wählt jederzeit aus, welche Kombination Ihr gerade haben wollt. Die Gefahr des Verskillens gibt es somit nicht.
Weniger gelungen ist das Inventar, in dem Ihr sehr viel Zeit verbringt. Beim Auswahlrad der verschiedenen Rüstungsteile gerät man oft in die falsche Kategorie und bis man mal drei verschiedene Waffen miteinander verglichen hat, vergeht einige Zeit. Spätestens nach dem ersten Akt hat man sich an die umständliche Menüführung gewöhnt. Es ist dennoch schade, dass Blizzard sich nicht bei ausgewiesenen Konsolen-Entwicklern den ein oder anderen Komfort-Kniff abgeschaut hat.
Zu Beginn Eurer Reise müsst Ihr Euch für einen Kämpfer entscheiden. Wer sich am liebsten in die Mitte des Getümmels stürzt, ist mit dem Barbaren gut bedient. Der schwingt zwei Waffen gleichzeitig, schwächt Feinde durch Kriegsschreie und setzt vor allem auf dicke Rüstungen und viel Lebensenergie. Für seine Fähigkeiten nutzt er Wut, die sich durchs Kämpfen auflädt, aber auch wieder abnimmt, wenn man längere Zeit untätig ist. Schneller und wendiger ist der Mönch, der seinen Kraft-Nachteil durch Geschicklichkeit und Tempo wettmacht. Seine Energie-Reserven bauen sich ebenfalls durch Auseinandersetzungen auf, bleiben aber bestehen, bis Ihr sie nutzt. Der Hexendoktor bedient sich allerlei Kreaturen, um seine Feinde zu besiegen. Er beschwört Monster und spricht Flüche: All das verbraucht Mana, das sich automatisch aufstockt. Wer sich lieber aus den Gefechten heraushält, spielt Zauberer oder Dämonenjäger. Erstere schleudern Feuerbälle und teleportieren sich über das Schlachtfeld. Die dazu benötigte arkane Energie regeneriert sich sehr schnell. Dämonenjäger feuern mit Bogen und Armbrüsten: Was anfangs noch unspektakulär und langsam vonstatten geht, entwickelt sich später zum MG-gleichen Bolzenhagel die Angriffe und Spezialfähigkeiten werden mit Hass und Disziplin gespeist.
Besonders viel Vergnügen macht die Teufelsjagd, wenn vier Spieler mit unterschiedlichen Charakterklassen unterwegs sind. So trägt jeder mit seiner speziellen Rolle zum Sieg bei und es gibt keinen Streit um klassenspezifische Gegenstände. Wer lieber allein spielt, kann einen von drei KI-gesteuerten Kumpanen mitnehmen. Diese leveln ebenfalls auf, verfügen über eigene freischaltbare Fähigkeiten und können mit Ausrüstung verbessert werden. Kümmern müsst Ihr Euch um Templer, Magierin und Schurke nicht. Sollten sie mal K.o. gehen, stehen sie nach ein paar Sekunden wieder auf. Sterbt Ihr selbst, belebt Ihr Euch in der Basis oder direkt am Ort Eures Todes wieder. Das kostet nur zehn Prozent Haltbarkeit Eurer Ausrüstung. In Bosskämpfen funktioniert dieser Trick nicht, hier müsst Ihr stets von vorne beginnen.
Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist das schönste Spiel im ganzen Land? Sicher nicht Diablo III. Landschaften und Charaktere sind stilsicher, aber grob gezeichnet, was Ruckler, wabernde Bildschirmschlieren und matschige Texturen umso unverständlicher macht. Zudem leidet in den Massenkämpfen die Übersicht: Wenn sich ein Haufen Feinde um Euren Helden schart, haltet Ihr Eure Lebensleiste im Auge, hackt, was das Zeug hält, werft Eure Spezialfähigkeiten an und hofft auf einen guten Ausgang. Beim Sound gibt es dagegen nichts zu meckern, die deutschen und englischen Sprecher gehen in Ordnung und der Fantasy-Soundtrack passt. Ihr werdet aber meistens nur das Scheppern Eurer Waffe und das Klirren von neu entdeckter Ausrüstung hören.
Tobias Kujawa meint: Meine PC-Version von Diablo III vergammelt dank Online-Zwang und großer Serverprobleme seit Langem im Regal. Auf Konsole bekomme ich endlich, was ich wollte: süchtig machende Daueraction mit einer durchdachten Controller-Steuerung. Off- wie online funktioniert die vergnügliche Schlachterei wunderbar, gerade mit vier Mann vor einem Bildschirm zieht die Mischung aus immer besseren Gegenständen und immer tougheren Feinden in ihren Bann. Wer sich auch nur einen Funken für diese Art Spiel interessiert, muss zuschlagen! Es gibt allerdings Befürchtungen von Fans, dass mit den online spielbaren Offline-Charakteren Schindluder getrieben wird: Theoretisch ist Item- und Gold-Verdoppelung ohne Probleme möglich. Mal sehen, ob und wie Blizzard dagegen vorgeht. Und ob das angekündigte Add-on PC-exklusiv bleibt!
Oliver Schultes meint: Herumlaufen, Monster hacken, Beute sammeln das simple Spielkonzept von Diablo raubte mir schon 1998 auf der PlayStation so manche Nacht. 15 Jahre später hat es nichts von seinem Reiz verloren: Diablo III bietet die richtige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche, garniert diese süchtig machende Spielmechanik mit nett anzusehenden Umgebungen sowie stimmungsvoller Musik-/Soundkulisse und packt als Sahnehäubchen eine gelungene Steuerung oben drauf, die nie das Verlangen nach Maus und Tastatur aufkommen lässt. Im Gegenteil: Diablo III flutscht auf Konsole wie ein Zweihänder durch einen Untoten so muss eine Portierung aussehen! Was mich im Solo-Modus irritierte, war das Verhalten der KI-Begleiter: Meist waren sie mir beim Herumlaufen ein Stück voraus, sodass ich ihre Spielfigur immer mal wieder mit meiner verwechselte. Kein Drama, aber wenn der KI-Kumpane mehr Abstand halten würde, käme das der Übersicht zugute außerdem will ich als Held sagen, wos langgeht!
- spielt solo offline, im Koop an einem Bildschirm, über LAN oder online
- kein Auktionshaus, kein Online-Zwang
- frei belegbare Controller-Steuerung
- macht extrem süchtig
Diablo III gibt auf Konsole eine sehr gute Figur ab: Das simple Suchtprinzip funktioniert auch mit einem Controller in der Hand.
| Singleplayer |  | 90 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |