“Das ist ein Film und kein Spiel!”
Während viele der Meinung sind, dass Beyond gar nichts anderes als ein Spiel sein könne, sehen andere diese Einordnung deutlich kritischer. Entscheidend für die Beantwortung der Frage, wo man Beyond einordnet, ist die Frage, was wir überhaupt unter einem Videospiel verstehen.
Nähern wir uns der Definition des Mediums Videospiel zunächst auf dem Wege einer äußerlichen, technischen Betrachtungsweise, fällt es uns nicht schwer, Beyond als Spiel einzuordnen: Der Datenträger (im Falle eines Kaufs per Download die Datei) kann ausschließlich von einer Spielkonsole wiedergegeben werden. Dass die Interaktion bei Beyond sowie bei den anderen Spielen von Quantic Dream nicht im Vordergrund steht, ist für diese Ansicht zunächst nicht von Bedeutung. Spannender und schwieriger ist jedoch die inhaltliche Definition des Begriffs Videospiel.
Dazu wollen wir den Inhalt eines Videospiels grob in die Bereiche Gameplay und Story aufteilen, die in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander zu stehen scheinen: Denkt man an die Frühzeit der Videospiele zurück, ist ein Spiel ohne (bzw. mit äußerst schwach ausgeprägter) Story durchaus möglich, während einem Spiel mit marginalen Gameplay-Elementen oft mit größeren Bedenken begegnet wird David Cages Werke sind wohl das beste Beispiel. Wäre ein selbstständig ablaufender Film, an dem wir uns an einer einzigen Stelle durch Tastendruck auf der Fernbedienung entscheiden könnten, ob es zu Ende A oder B kommt, schon ein Spiel? Wohl eher nicht, werden die meisten antworten, und dringen dabei zum Kern unserer Ausgangsfrage vor. Letztendlich kommt es nämlich darauf an, wie hohe Anforderungen man an das Gameplay eines Videospiels stellt, um es als solches einzuordnen. Reicht eine Minimalinteraktion in Form vereinzelter Tasteneingaben schon aus oder darf der Spieler praktisch niemals in die Passivität gedrängt werden?
Wie wir etwa in unserem Podcast zu Beyond festgestellt haben, sehen wir den Abspann auch, wenn wir die zahlreichen Quick-Time-Events nicht schaffen oder noch dreister den Controller in den Action-Szenen einfach zur Seite legen. Doch ist Beyond schon deshalb kein Spiel mehr? Der grundlegende Unterschied ist wohl, dass uns Filme zur Passivität verdammen, während uns Beyond lediglich die Möglichkeit zur Passivität bietet. Außerdem sollte man nicht übersehen, dass wir oft genug die Kontrolle über Jodie übernehmen und sie frei durch die verschiedenen Areale bewegen können. Ein Spiel ist Beyond demnach auf jeden Fall, auch wenn über die Art der Ausgestaltung des Gameplays gestritten werden kann.
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