Kennt Ihr das? Ihr freut Euch richtig auf ein monumentales Rollenspiel aus dem Land der aufgehenden Sonne dann seht Ihr den Helden und denkt: Was?! Mit dem soll ich die nächsten 50 Stunden verbringen? Jeder hat eben seine persönlichen Aversionen: Viele mögen Blondschopf Tidus aus Final Fantasy X nicht, manch einer brauchte eine ganze Weile, um mit Luke fon Fabre aus Tales of the Abyss warm zu werden. Dagegen schlägt das neueste in Europa veröffentlichte Abenteuer aus dem Hause Namco-Bandai einen sehr willkommenen Weg ein.
Bei Tales of Xillia, dem 13. Teil der Reihe, erwarten Euch gleich zwei Hauptfiguren, zwischen denen Ihr Euch vor Spielbeginn entscheidet. Auf der einen Seite steht Jyde (im Rest der Welt Jude) Mathis: Der ist jung, intelligent und studiert in der immer dunklen Stadt Fenmont Medizin. Außerdem ist er durchaus in der unbewaffneten Kampfkunst bewandert. Andererseits steht Milla bereit: Die wirkt wie eine Frau in ihren frühen Zwanzigern, ist aber tatsächlich ein mächtiges Wesen, das auf der ganzen Welt als quasi-göttlicher Maxwell bekannt ist und verehrt wird. Diese beiden laufen sich zu Beginn über den Weg und sind durch eine Verkettung komplizierter Umstände schon bald auf der Flucht vor dem Militär. Dass zudem die anfangs noch nahezu unschlagbare Milla nach ein paar Kämpfen ihre Macht über die Elemente verliert, macht die Sache nicht einfacher.
Je nachdem, für wen Ihr Euch eingangs entscheidet, erlebt Ihr die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. Die gewählte Figur ist es auch, die Ihr primär in den Tales-typischen Actionkämpfen kontrolliert, auch wenn Ihr prinzipiell die Wahl habt, andere Partymitglieder einzusetzen.
Die Tales-Serie ist seit jeher dafür bekannt, sich mit großartigen Innovationen und Experimenten eher zurückzuhalten. Spiel- und Kampfsystem wurden seit dem SNES-Debüt im Jahre 1995 natürlich immer wieder verfeinert und variiert, die Grundlagen blieben aber dieselben.
Ihr erkundet Städte, Dörfer und verwinkelte Kavernen, freut Euch über unterhaltsame Dialoge zwischen den zahlreichen Protagonisten und vermöbelt Feinde mithilfe eines actionreichen Kampfsystems. Anstatt wie bei Final Fantasy oder Dragon Quest Eure Aktionen per Menü zu bestimmen, bewegt Ihr Euch bei Tales frei über die Kampffläche, könnt gegnerischen Angriffen ausweichen und verpasst Euren Widersachern mit Standard- und Spezialattacken lange Angriffscombos.
Dabei steuert Ihr nur Eure eigene Figur, um die Mitstreiter kümmert sich eine meist ziemlich clevere KI, der Ihr eine generelle Aktions-Priorität vorgeben könnt zudem dürft Ihr den Kampf auch jederzeit unterbrechen, um den Einsatz einer Spezialattacke oder eines Gegenstands anzuordnen.
Bei Tales of Xillia lässt sich Eure Hauptfigur nun mit einem Mitstreiter koppeln so führt das Team dann gemeinsame Aktionen aus. Kämpfen Jyde und Milla zusammen, greift Letztere von hinten an und versucht, den Gegner zu lähmen. Koppelt Ihr dagegen Jyde mit Söldner Alvin, wird der Attacken benutzen, mit denen er die Deckung seiner Gegner aufbricht. Gewechselt wird schnell und unkompliziert in der Hitze des Gefechts per Steuerkreuz, so passt Ihr Euch stets den aktuellen Gegebenheiten an. Und ist die Leiste am linken Bildschirmrand aufgeladen, setzt Ihr verheerende Team-Aktionen ein, mit denen Ihr sogar den bissigsten Boss zur Raison bringt.
Dabei helfen Euch auch die Talente, die Ihr lernt: Bei einem Levelanstieg verdient Ihr Punkte, die Ihr in Eurem Lilium Orb, das an das Sphereboard aus Final Fantasy X erinnert, in mehr Lebensenergie, Angriffskraft und andere Attribute investiert auch neue Resistenzen oder Spezialattacken lernt Ihr auf diese Weise.
Auch in anderen Details unterscheidet sich Tales of Xillia von seinen zahlreichen Vorgängern. War die Serie lange Zeit eine der letzten Bastionen der klassisch begehbaren Weltkarte, wurde die für die Geschichte um Jyde und Milla zumindest vorübergehend auf die Ersatzbank verbannt.
Ihr bereist die ganze Welt im gleichen Maßstab, die Städte und Dörfer von Rieze Maxia sind nun durch weitläufige Wälder, Steppen und Wiesen miteinander verknüpft, auf denen es nur so vor garstigem Getier wimmelt. Dankenswerterweise erspart Euch Tales of Xillia aber unnötige Laufarbeit: Nach wenigen Stunden bekommt man eine Weltkarte in die Hand gedrückt, mit deren Hilfe Ihr bequem per Knopfdruck alle bisher besuchten Städte ansteuert zumindest solange die Handlung dem nicht im Weg steht.
Die Story, vor allem aber die Figuren, stehen Tales-typisch wieder im Mittelpunkt. Das machen insbesondere die Skits deutlich: Das sind kurze, vertonte und vor allem optionale Dialoge, die Ihr per Select-Taste startet mal reflektiert Eure Truppe die aktuellen Geschehnisse, mal wird einfach ein wenig herumgealbert. Diese Kleinigkeiten sind es, die Euch Jyde, Milla, Alvin und Konsorten schnell so sympathisch werden lassen.
Thomas Nickel meint: Egal ob Ihr mit Milla oder Jyde beginnt, die spannend erzählte Geschichte zieht Euch von Anfang an in den Bann auf einen langen Prolog wie beim Vorgänger Tales of Graces f wird verzichtet. Veteranen müssen sich zwar an die frei drehbare Kamera und die fehlende Weltkarte gewöhnen, werden aber von der gelungenen Charakter-Entwicklung und enorm flotten Kämpfen schnell versöhnt: In keiner bisherigen Tales-Episode fühlten sich die Kämpfe so dynamisch und trotzdem kontrolliert an. Aber auch hier sind es in erster Linie die Charaktere, die Euch fesseln: Ihr wollt wissen, wie es mit Jyde und Milla weitergeht und was manch ein zwielichtiger Mitstreiter im Schilde führt. Mit vereinten Kräften haben die beiden bisher getrennt voneinander agierenden Tales-Teams eine der besten Episoden der Reihe geschaffen, der auch notorische Skeptiker eine Chance geben sollten.
- 2 Helden stehen zur Wahl
- gelungenes Charakter-Entwicklungs-System
- viele witzige Dialoge
- erstklassig spielbares Kampfsystem
Rundum gelungenes und ansehnliches Rollenspiel, das mit flotten Kämpfen und spannenden Charakteren auch Skeptiker überzeugt.
| Singleplayer |  | 86 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |