Es kommt immer mal vor, dass ein Spiele-Protagonist unsympathisch ist aber Zack, der blauhaarige Bursche aus Time and Eternity, treibt das Abneigungs-Potenzial auf ein neues Level.
Rotschopf Toki ist dagegen hübsch, klug und kann als Prinzessin des Reiches Kamza auch noch durch die Zeit reisen. Okay, da ist die Sache mit ihren zwei Persönlichkeiten gelegentlich wechselt Toki ihre Haarfarbe zu blond und wird dann zur resoluten Towa. Aber mal im Ernst, den Typen, den sie da vor den Traualtar schleppen möchte, der ist doch mehr als fragwürdig: Zack entpuppt sich als ein dümmlich vor sich hin kichernder Stelzbock, der in Gegenwart von Toki und ihren hochgradig stereotypen Freundinnen nur deshalb nicht mit Dauerständer herumläuft, weil das sonst die Altersfreigabe in den USA durchs Dach getrieben hätte. Zum Glück beißt der Kerl nach gut zehn Spielminuten ins Gras, doch seine schmutzige Seele befindet sich nun in Tokis Hausdrachen Drake. Und während die Heldin versucht, Zacks Tod rückwirkend zu verhindern, hat der nur noch ein gemeinsames Bad mit ihren Freundinnen im Kopf…
Glücklicherweise spielt Zack nur die zweite Geige die Hauptfiguren sind Toki und Towa. Die erkunden Kamza und viele andere Orte, agieren in Zufallskämpfen mit Geschicklichkeitselementen gegen Monster, leveln regelmäßig auf und lernen immer wieder neue Kampfmanöver. Bis auf die Tatsache, dass es hier keine begleitende Party gibt und Gegner brav einer nach dem anderen angreifen, ist Time and Eternity ein sehr klassisches Rollenspiel, das sich vor allem durch seine ungewöhnliche Präsentation von seinen Mitbewerbern abhebt. Wo Level-5s Ni no Kuni mit Cel-Shading-Figuren den Stil von Studio Ghibli in die dritte Dimension versetzt, versucht Time and Eternity mit großen, handgezeichneten und klassisch animierten Figuren den Eindruck eines interaktiven Animes zu erwecken. Das gelingt oft recht gut, doch ähnlich häufig stehen die ziemlich spartanischen 3D-Hintergründe dieser Absicht im Weg. Was an Produktionsaufwand in die Figuren gesteckt wurde, scheint man bei der Architektur eingespart zu haben.
Natürlich sollte man als Spieler eine gewisse Affinität für diese spezielle Art von Anime mitbringen. Die Nebenfiguren sind nicht nur klischeehaft, sondern gänzlich fleischgewordene Klischees: Die naive Göre, die hochnäsige Tochter aus reichem Haus, die tollpatschige Brillenträgerin mit dem großen Vorbau… und dazu noch der anstrengende Zack im Körper des Drachen, der kaum eine der oft ellenlangen Dialoge verstreichen lassen kann, ohne seine lüsterne Gedankenwelt zum Besten zu geben.
Thomas Nickel meint: Selten war ein Rollenspiel-Protagonist so nervtötend wie Zack schade, dass die viel interessantere Toki/Towa ihn retten will. Auch das Kampfsystem wirkt anfangs arg simpel, doch das gibt sich: Je mehr Fähigkeiten Ihr lernt, desto geringer wird das Buttongeklopfe bei Attacken mit gutem Timing weicht Ihr elegant gegnerischen Manövern aus. Der Grafikstil fällt zwiespältig aus: Die Sprite-Animationen sind sauber, manchmal aber etwas hakelig und sie harmonieren nicht immer mit den simplen 3D-Hintergründen. Unterm Strich ist Time and Eternity ein ordentliches, nicht allzu spektakuläres Rollenspiel für eingefleischte Animefans, das weder die Komplexität eines guten Final Fantasy noch den Charme eines Ni no Kuni besitzt.
- interessanter Grafikstil
- sehr klassisches J-RPG
- größtenteils gelungener Soundtrack
- Nippon-Synchro an Bord
Spielerisch ordentliches Rollenspiel, das mit viel Fanservice und Anime-Kitsch entweder begeistert oder nachhaltig verstört.
| Singleplayer |  | 71 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |