Ursprünglich in direkter JumpnRun-Konkurrenz zu Erzfeind Mario tätig, schuf sich Knollennasen-Griesgram Wario seit 2003 mit der WarioWare-Reihe eine eigene Nische in der Videospielwelt: Stets nur wenige Sekunden kurze, meist ziemlich durchgeknallte Winzdisziplinen in rasanter Abfolge verabreicht das hatte Pfiff, Witz und eine Menge Charme. Für sein Wii-U-Debüt hat Nintendo jedoch kräftig am alten Erfolgsrezept geschraubt und dafür gesorgt, dass Game & Wario nicht mehr allzu viel mit den Ahnen zu tun hat, sondern sich in die Riege der traditionellen Minispiel-Sammlungen einordnet.
Konkret heißt dies, dass Ihr zwar fast alle Charaktere aus den WarioWare-Titeln wieder trefft, denen aber statt einer Hundertschaft Mikrospiele je eine lange Aufgabe verpasst wurde. Solo-Warios erwartet ein Dutzend Disziplinen, bei denen fast immer das GamePad die zentrale oder zumindest eine wichtige Rolle spielt. Mal zielt Ihr mittels Bewegungserkennung Pfeile oder haltet es als Schild vor Euch, mal dient es als Kamera-Fokus oder Ihr zeichnet Linien und bewegt Puzzleteile per Stylus.
Als wirklich originell erweist sich keine der Aufgaben mit einer rühmliche Ausnahme: 9- und 18-Volt spielen in ihrer Runde Balloon Fighter, was sich als WarioWare-Klon entpuppt und just mit der hyperaktiven Gaudi aufwartet, die dem Rest flöten ging. Die Textilfetzen-Knobelei Patchwork verdient noch eine lobende Erwähnung, ansonsten wird unspektakuläre Geschicklichkeitskost geboten: Gemächliches Plattform-Hüpfen aus der Vogelperspektive, simples Ausweichen im Seitwärts-Scroller, unnötig komplizierte Taxi-Touren oder eine anspruchslose Bowling-Runde alles funktioniert passabel, ohne wirklich zu begeistern. Schade zudem: Nur wenige Aufgaben sind überhaupt für Mehrspieler-Runden konzipiert.
Immerhin werden Sammlernaturen bedient, denn für Eure Leistungen erhaltet Ihr Münzen, die Ihr an einem Automaten gegen schräge Gimmicks, Musikstücke und mehr eintauscht. Stolze 240 Sammelobjekte wollen ergattert werden, was angesichts der schnell nur noch spärlich fließenden Münzen eine ganze Weile dauert.
Ulrich Steppberger meint: Was das Ziel von Nintendo mit Game & Wario ist, will sich mir nicht erschließen: Zur Demonstration der GamePad-Möglichkeiten gibt es bereits Nintendo Land (das dank des größeren Mehrspieler-Fokus auch einen besseren Job macht), und Anhänger der hyperaktiven WarioWare-Reihe erreicht man mit den teils langatmigen Aufgaben nicht wirklich. Die Qualität der einzelnen Disziplinen schwankt zwischen einmal ist genug und bitte mehr davon, wenig überraschend entpuppt sich die WarioWare-Einlage als Parade-Nummer. Da die Mehrspieler-Aufgaben überwiegend fade ausfallen, speist sich die Weiterspielmotivation schon bald nur noch aus dem Freispielen der Sammel-Gimmicks, was jedoch wiederum ein unnötig langwieriges Unterfangen darstellt. Letztlich ist Game & Wario gutes Mittelmaß es mangelt an Charme, Dynamik und Umfang. Schade.
- 12 Minispiele für Solisten
- 4 Mehrspieler-Disziplinen (plus einige aus dem Solo-Teil zu zweit spielbar)
- 240 teils sehr kuriose Sammelobjekte freispielbar
Nicht der erhoffte WarioWare-Nachfolger, sondern eher ein zweites Nintendo Land durchgeknallt, aber nur wenig mitreißend.
| Singleplayer |  | 62 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |