Zum Dauerthema “Sind Videospiele erwachsen geworden?” äußerte sich jetzt Warren Spector.
Der Spieleentwickler, der schon an zahlreichen Klassikern wie Ultima IV, der Wing Commander-Reihe und Deus Ex arbeitete und zuletzt Mickey Epic 1 & 2 erdachte, hat seit Kurzem bei GamesIndustry eine monatliche Kolumne. Zum Einstand begann er mit einem Lagebericht in puncto Spieledesign – und dieser fiel ernüchternd aus:
Was seiner Meinung nach der Spielbranche fehlt, sind Vorbilder – er blickte dabei auf die Filmindustrie: hier gibt es jetzt eine Generation von Filmstars, die ebenso unterhaltende Filme drehen können, wie auch in ernsthaften Produktionen überzeugen. Sie bieten ein viel größeres Spektrum an Inhalten als die Spieleindustrie. So fragte er in seiner Kolumne auch: “Wo sind die Vorbilder beim Gaming?”
“Ich sehe mich um, aber abgesehen von den wenigen Indie-Spielen und natürlich der selbsternannten und weitgehend unverkündeten “Serious Games“-Bewegung, sehe ich keinen Mainstream-Entwickler oder Publisher, der diese Art von ernsthaften Spielen anbietet. Überhaupt [keinen]“, beklagte er.
“Als Medium stecken wir fest in Handlungs- und Genre-Konventionen. Selbst das, was im Mainstream-Gaming als ernsthaftes Spiel gilt, scheint Zombies, Serienmörder, Aliens oder Dämonen zu benötigen, um ein Publikum zu gewinnen”, meinte Spector. “Wenn ich vorschlagen würde, ich wolle ein Spiel über die Geisel-Befreiung im Iran machen, ohne Waffen(!) – vorausgesetzt, ich würde herausfinden, wie man ein solches Spiel macht – würde ich auf dem Meeting (her-)ausgelacht werden“.
In Bezug auf die Inhalte bewegen sich Designer heutzutage in einem engen Korsett: “Die Breite des Spektrums an Inhalten, die man Spiele-Entwicklern erlaubt, zu erkunden, ist blamierend gering“, prangerte er an.
Der Designer gab eine Reihe von möglichen Erklärungen für seine Beobachtungen ab, von denen sich einige, wie er meinte, anfühlen, als seien sie entweder offensichtlich falsch oder schlicht fadenscheinige Ausreden: Dass er etwas übersehen habe; dass Spiele nichts anderes bieten können als gewalttätige Action; dass das Gaming noch zu jung ist, um schon mehr als ein Spektakel zu sein; dass Spiele und Spieler in ihrem Innern immer noch Jugendliche sind; dass die geschäftlichen Interessen hinter der Spieleherstellung nicht begeistert sind, etwas außerhalb der traditionellen Action-Kost auszurobieren.
“Wo, frage ich mich, sind die Erwachsenen im Gaming?“, beendete er seine Kolumne.