Fast 18 Jahre stand der Name Ridge Racer konsequent für pfeilschnelle Arcade-Rasereien, bei denen rasante Drifts selbst um die engsten Kurven zum guten Ton gehörten.
Damit ist jetzt Schluss, denn bei Ridge Racer Unbounded bricht Namco-Bandai mit der Tradition und versucht sich an einer actiongeladenen Neuausrichtung, für die ein frisches Entwicklerteam an Bord geholt wurde: Die Finnen von Bugbear haben ordentlich PS-Erfahrung, doch die entstammt der FlatOut-Reihe einer ganz anderen Art von Rennspiel. Kein Wunder also, dass Ridge Racer Unbounded sich mehr wie eben jenes FlatOut anfühlt und zudem Elemente aus Burnout oder Split/Second: Velocity auftauchen. Genau genommen bleibt vom Namensgeber nicht viel mehr übrig als ein paar Songs aus den Teilen 5 bis 7, die gnädigerweise auf dem Soundtrack Asyl gefunden haben…
Was also steckt jetzt unter der Motorhaube? Im Rahmen einer ebenso dürren wie vernachlässigbaren Story verschlägt es Euch in die fiktive Metropole Shatter Bay, wo Ihr für eine Gang Eure Fahrkünste präsentieren sollt. Das geschieht überwiegend bei Dominationsrennen, in denen Ihr mit Eurem Boliden durch die Stadt heizt und ohne Rücksicht auf Verluste den Sieg anpeilt. Aggressive Rivalen rücken Euch dabei auf den Pelz und obwohl niemand Waffen an Bord hat, geht es wild zu: Durch Drifts oder Windschattenfahrten ladet Ihr eine Power-Leiste auf, per Knopfdruck nutzt Ihr diese als Turboschub oder Zerstörungshilfe.
Rempelt Ihr dermaßen aufgepowert die Konkurrenz, endet die meist als Schrott, auch speziell markierte Gebäude durchpflügt Ihr so unbesorgt kleinere Bauten, Mauern und andere für Straßen typische Gegenstände gehen übrigens auch schon bei normalem Kontakt zu Bruch. Um alle Stadtteile zu erobern, müsst Ihr auch in einigen anderen Rennarten Euer Können zeigen. So sammelt Ihr Driftpunkte, knackt Zeitvorgaben oder geht mit Shindo-Flitzern an den Start, die ohne Zerstörungspower auskommen. Abgerundet wird das Angebot vom Strecken-Editor und Onlinerennen, für die Ihr auch Eure selbst gebauten Städte verwenden oder die anderer Spieler besuchen könnt.
Am Grundkonzept von Unbounded gibt es prinzipiell nicht viel auszusetzen, so man über den Ridge Racer-Etikettenschwindel hinwegsehen möchte. Doch einige fragwürdige Änderungen und vermeidbare Macken lassen rätseln: Dass etwa das Driftsystem der Serie über Bord gekippt wurde, mag im Rahmen der Neuorientierung vertretbar sein. Warum müssen die Boliden jetzt aber biestig um die Kurven schlittern und warum muss dafür ein Knopf länger gedrückt werden, um sie überhaupt zum scharfen Einlenken zu bewegen? Zudem versäumt es Unbounded, Euch mit den Feinheiten seiner Vehikelphysik vertraut zu machen. Und selbst nach langer Fahrzeit bleibt der Eindruck, dass Drifts nicht wirklich rund von der Hand gehen wollen. Dazu gesellen sich hin und wieder unfaire Vorteile für Gegner sowie Situationen, bei denen Ihr ohne eigenes Zutun fast unvermeidlich nach hinten durchgereicht werdet. Die schon sehr früh hohe Schwierigkeit frustet zusätzlich immerhin sind Neustarts ohne Ladevorgänge möglich.
Technisch macht Unbounded eine ordentliche Figur, ohne zu brillieren: Crash-Zeitlupen und Zerstörungssequenzen fallen überraschend zahm aus, die visuelle Abwechslung zwischen den Stadtteilen hält sich trotz verschiedener Tageszeiten in Grenzen.
Ulrich Steppberger meint: Ihr wollt ein echtes Ridge Racer? Pech gehabt, denn dann seid Ihr bei Unbounded fehl am Platz. Umso enttäuschender, dass die neue Ausrichtung Marke FlatOut und Burnout an allen Ecken und Enden mit Macken nervt: Das Driftsystem per Knopfdruck ist nicht intuitiv und schwerfällig, das Stadtszenario wenig abwechslungsreich, die Cockpitansicht kaum zu gebrauchen und die unberechenbaren Gegner hin und wieder unfair. Dass die Kampagne schnell hohe Hürden aufstellt und Frusterlebnisse so vorprogrammiert sind, kommt erschwerend hinzu. Grafisch hat Unbounded durchaus schicke Momente, doch an die spektakuläre Zerstörungswut eines Split/Second reicht es nicht heran. So bleibt letztlich eine wilde Raserei, die das Serienerbe ohnehin außen vor gelassen ihr Potenzial bei Weitem nicht ausschöpft.
Tobias Kujawa meint: Unbounded ist kein Ridge Racer Gott sei Dank, trat die Serie doch schon seit Ewigkeiten auf der Stelle. Stattdessen präsentiert Bugbear hier einen knüppelharten Arcade-Raser, der selbst kleinste Fahrfehler bestraft, mich aber durch die daraus resultierende Spannung und die brachiale Inszenierung motiviert und glücklich macht. Es gibt nichts besseres, als in mörderischem Tempo (und mit viel Übung) durch die Kurven zu schlittern, dabei einen Konkurrenten ins Aus zu schießen und dann mit gefüllter Power-Anzeige durch Wände und Häuser zu rasen. Wer nicht bereit ist, ein wenig Training ins Spiel zu investieren, der lässt besser die Finger vom Lenkrad. Fans von Burnout und Co., die sich von ein paar missglückten Versuchen nicht aus der Ruhe bringen lassen, rechnen auf die Wertung ein paar Prozent drauf.
- viel mehr von FlatOut und Split/Second inspiriert denn echtes Ridge Racer
- Kampagne über 9 Stadtteile mit 64 Rennen
- einfacher, aber fummeliger Kurs-Editor
- eigenwilliges Driftverhalten auf Knopfdruck
- Soundtrack mit Dubstep und Songs aus Ridge Racer 5-7
Rabiate Stadtraserei mit Schwung und Zerstörung, die aber grobschlächtig und in vielen Aspekten nicht zu Ende gedacht wirkt.
| Singleplayer |  | 69 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |