Die E3 im Juni ist global ohne Frage die wichtigste Veranstaltung, wenn es um unser liebstes Hobby geht. Doch auch sie hat in den vergangenen Jahren nicht nur Grund zur Freude gegeben. Anno 2006 schrumpfte sie aufgrund zu hoher Kosten fast schon auf Wohnzimmer-Format, erst drei Jahre später feierte Los Angeles dann wieder Videospiele im ganz großen Stil. Mittlerweile bekommen die Besucher dort wieder das Gefühl, dass sich die Hersteller gegenseitig zu übertrumpfen versuchen – mit Riesenständen, Riesenpräsentationen und Riesen-Babes. Und was kostet das alles? Viel Geld. Fliegen wir wieder zurück nach Köln.

Es ist August 2011. In einer stickigen Halle warten circa 200 Menschen vor einem Kino-ähnlichen Gebäude darauf, endlich Einlass gewährt zu bekommen. Dort wird ein Trailer zu Modern Warfare 3 gezeigt, der neuesten Call of Duty-Inkarnation, welche im November dann endlich bei den Händlern aufschlagen wird. Viele Fans stehen schon seit Stunden in der Schlange. Einige beschließen zwischendurch, lieber doch noch ein wenig über die Messe zu flanieren, statt weiterhin für ein nur wenige Minuten langes Video anzustehen. Denn zu spielen gibt es nichts, CoD-Liebhabern bleibt nur das Zuschauen. An vielen anderen Ständen zeigt sich ein ähnliches Bild. Viel warten, wenig spielen ist meist die Devise. Zumindest für die großen Titel sollte jeder Interessierte viel Zeit in petto haben, auch wenn er oder sie eben nur einen Trailer zu sehen bekommt. Wer hat da Battlefield gerufen? Diese Umstände sorgen natürlich für Unmut. Nicht wenige Besucher reisen von weit her an, um möglichst viele neue Games zu sehen und noch lieber zu spielen. Darauf dann allerdings einen halben Tag an einem Messestand warten zu müssen, kann es einfach nicht sein. Helfen würden mehr Anspielstationen, größere Stände und zusätzliche Ausstellerfläche. Aber das kostet wieder, richtig, Geld! Da die meisten gamescom-Aussteller jedoch schon viel Moos für die E3 verpulvert haben, ist für eine zweite große Show innerhalb von nur zwei Monaten nicht mehr viel Luft nach oben. Die gamescom leidet, weil es die E3 gibt. Damit teilt sie das Leid der Games Convention. Und damit auch ihr Schicksal?

Ohne Zweifel ist Europa ein wichtiger Spiele-Markt. Neben Nordamerika und Japan liegt hier der Fokus der Hersteller, wenn es um Verkäufe ihrer neuen Blockbuster geht. Ganz besonders Deutschland hat sich zu einem Videospiel-affinen Land entwickelt, weshalb eine Veranstaltung wie die gc hier auch besonders Sinn macht. Durch die relativ zentrale Lage in Europa überlegen sich unter anderem Franzosen, Polen, Österreicher und Engländer, einen Abstecher an den Rhein zu machen. Doch um das zu erreichen, braucht man einen Anreiz. Die gamescom muss schon einiges bieten, um dafür wertvolle Urlaubstage zu reservieren. Das scheint sie aber nicht leisten zu können. Oder sind wir einfach zu anspruchsvoll? Ich denke nicht. Eine ordentliche Organisation darf ebenso erwartet werden wie, welche Überraschung, viele frische Games zum zocken. Was nicht geht, sind Aktionen wie am Messe-Samstag des vergangenen Jahres, als für lange Zeit die Pforten wegen Überfüllung zu blieben und viele Menschen, welche schon vorab Karten gekauft hatten, draußen bleiben mussten.
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