Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 6 – Halo: Reach

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Matthias Schmid meint: Mit dem kürzlich veröffentlichten, sowohl grafisch als auch spielerisch feinen Noble-Kartenpaket unterstreicht Halo: Reach seine Ausnahmestellung im Online-Shooter-Bereich – da können nur Black Ops und (mit Abstrichen) Battlefield Bad Company 2 (Vietnam) mithalten. Daran ist nicht nur die großartige Spielbarkeit von Halo: Reach Schuld, sondern auch die Fülle an Features – egal ob Kino, Schmiede, neue Spielmodi und Panzerungsfähigkeiten oder das Abstimmen über die Spielvarianten. Weil Bungie auch im Singleplayer-Modus die Halo-Saga zu einem würdigen Ende führt, das sowohl in puncto Story als auch Dramatik wenig Wünsche offen lässt, geht der Preis für das beste Ego-Shooter-Paket des Jahres 2010 an Halo: Reach. Und beim nächsten Mal, da klappt’s dann vielleicht auch mit der Grafik…

Oliver Schultes meint: Ein grandioser Abschluss der Entwickler-Ära Bungie: Die Spielbarkeit ist hervorragend, die Geschichte spannt einen wunderbaren Bogen zur ersten Halo-Episode und das Leveldesign bietet die richtige Dosis “Bin mal gespannt, was als nächstes kommt”-Faszination. Kurzum: Ein Ego-Shooter, den sich kein Genre-Fan von Grafikfetischisten madig machen lassen sollte. Denn das ist die einzig wirkliche Schwäche von Halo Reach neben einem etwas trägen Einstieg.
Wer auch immer im Auftrag von Microsoft die nächste Halo-Episode ausbaldowert, ist gut beraten, dies mit einer konkurrenzfähigen Grafik-Engine zu tun. Im Vergleich mit den Call of Duty-Teilen oder gar dem kommenden Optikmonster Killzone 3 macht Halo: Reach nämlich keinen Stich – auch nicht mit dem schicken Energieschwert.

Ulrich Steppberger meint: Mir mag nicht einleuchten, wieso Microsoft und Bungie bis zum Schluss hartnäckig darauf bestanden haben, weder grafisch eine ordentliche Schippe draufzulegen noch für eine akzeptable deutsche Synchro zu sorgen. Während in den englischen Fassungen alle möglichen Battlestar-Galactica- und Firefly-Ikonen für den richtigen Ton sorgen, gab es bei uns wohl die Maßregelung, möglichst lieblose Sprecher zu engagieren. Nunja, das hat dann ja auch prima geklappt.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 7 – Mass Effect 2

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Max Wildgruber meint: Sobald mein Ärger über die Simplifizierung des Rollenspielsystems verflogen war, konnte ich dieses Musterbeispiel cineastischer Erzählkunst mit hemmungslosem Eskapismus genießen. Weit draußen im All lebte ich zusammen mit superb geschriebenen Charakteren, erlebte prickelnde Alien-Erotik und überlebte toll inszenierte Schusswechsel mit Strahlenwaffen aller Art. Einzig der ACHTUNG! SPOILER!!!!
alberne (oho!) Endboss trübt meinen hervorragenden Gesamteindruck vom mittleren Akt der Space-Opera. Hoffentlich führt BioWare das Epos im nächsten Jahr zum grandiosen Finale Furioso!

Matthias Schmid meint: Die vielen Verbesserungen bei der Steuerung der Actionszenen haben mich sehr gefreut – für einen von modernen Shootern verwöhnten Zocker waren die Ballereien des Erstlings doch oftmals ein Graus. Ich erinnere nur an den Kampf mit Matriarchin Benezia auf höheren Schwierigkeitsgraden – auweia. Dass die Action im Nachfolger teilweise immer noch hampelig vonstatten geht, bewies jüngst der Shadow Broker DLC und vor allem dessen Bosskampf. Aber bei einer so großartig erzählten Space Opera mit all den faszinierenden Rassen bin ich bereit, über derlei Verfehlungen hinwegzusehen. Denn hinter der (leider) simplifizierten Missionsstruktur verbirgt sich nicht nur die Enttäuschung, dass Planetenerkundungen via Mako flach fallen. Nein, dort warten charismatische Figuren und dramatische Geschichten, die kein anderer Spiele-Entwickler zu erzählen in der Lage ist! Die Schere, die zwischen dem Gehalt einer kleinen Nebengeschichte in Mass Effect und der ganzen Story von 99% aller Actiontitel klafft, ist erschütternd. Beispiele gefällig? Wie wärs mit der Kroganer-Genophage? Oder Talis geschwächtem Immunsystem wegen der Isolation der Flotille? Mein Highlight in Teil 2 war die gleichsam rührselige, bedrückende und spannende Geschichte rund um die Asari Samara und ihre Ardat-Yakshi-Tochter Morinth – großartig. Ach ja, wem das nicht reicht: Ihr könnt übrigens mit allen möglich Aliens pimpern…

Tobias Kujawa meint: Ja ich bin ein Frevler, denn ich habe Mass Effect 1 nicht gespielt. Und trotzdem gefällt mir der zweite Teil ausnehmend gut. Ich verstehe zwar nicht alle Zusammenhänge und das Spiel tut nichts, um meine Unwissenheit zu schmälern, doch die Beziehungen zwischen den Charakteren und die phantasievollen Welten zogen mich schnell in ihren Bann. Actionbetonte Missionen wechseln sich mit mehr oder minder tiefgreifenden Dialogen ab. Und wenn ich mich zwischendurch entspannen möchte, scanne ich einfach ein paar Planeten nach Rohstoffen ab.

Ulrich Steppberger meint: Eigentlich ist bei Mass Effect 2 nicht mehr allzu viel Rollenspiel übrig geblieben – aber das ist mir egal! Denn BioWare hat einfach ein rundum mitreißendes Weltraum-Epos geschnitzt, das mich über die gesamte Spielzeit hinweg fesseln konnte. Zumal ich ohnehin stets lieber die schnörkellosen Krieger-Klassen bevorzuge als mich mit Magie-artigen Charakteren und ihren fummeligen Zauber-Äquivalenten herum zu plagen… Die Grafik gefällt mir auch heute noch, vor allem die Mimik der Menschen und Aliens gehört immer noch zum Besten, was man auf Konsolen zu sehen kriegt. Die Ballereien gehen gut von der Hand, die Story hat keine Durchhänger und die gröbsten Probleme des Erstlings (Stichwort: Einheits-Bauwerke bei Planetenausflügen) sind auch Vergangenheit. Und als Freund der Originalsynchro kann ich über die nur Gutes berichten: Wer Seth Green, Tricia Helfer und die “Chuck”-Heroine Yvonne Strahowski ans Mikro holt, verdient ein dickes Lob!

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 8 – Heavy Rain

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Tobias Kujawa meint: Ob Heavy Rain mehr Spiel oder mehr Film ist, ist mir eigentlich schnuppe. Mich hat das Spiel bis spät in die Nacht vor den Fernseher gefesselt und ich war immer wieder erstaunt, wenn ich mit Freunden über unterschiedliche Endsequenzen und Storyfetzen erzählte. Jeder hatte andere Entscheidungen getroffen und damit andere Ereignisse ausgelöst. Für mich ist Heavy Rain ein sehr schönes, stimmungsvolles Adventure, bei dem die alte Steuerung durch Menüs und Worte durch direkte Handlungen ersetzt wurde. Wenn es jetzt noch einen variablen Mörder gegeben hätte, würde ich noch heute mit Ethan und Madison unterwegs sein.

Michael Herde meint: Die von Tobias beschriebenen unterschiedlichen Verlaufsformen des Spiels sind meines Erachtens Stärke und Augenwischerei zugleich. Einerseits hat mich selten ein Spiel so sehr mit zu treffenden Entscheidungen gequält, bei denen ich oft mit mir gehadert habe, ob es denn die richtige war. So unbequem muss ein Spiel erst einmal sein und das meine ich als Kompliment! Allerdings finde ich es schade, dass der Origami-Killer immer dieselbe Person ist und dass viele Szenen letztendlich doch identisch enden, während sich die Variation nur dazwischen abspielt. Des Weiteren ist die Laufsteuerung der Protagonisten fummelig und der berühmt-berüchtigte Uncanny Valley-Effekt lässt die fein modellierten Charaktere bisweilen leblos wirken. Die gurkige deutsche Sprachfassung trägt dazu ihr Scherflein bei. Dessen ungeachtet hat mich die Atmosphäre von Heavy Rain ans Pad gefesselt wie kaum ein anderes Spiel in diesem Jahr. Als Ethan für seinen Sohn Essen macht, sich während der Hausaufgaben zu ihm an den Tisch setzt und ihn anschließend ins Bett schickt (oder wahlweise länger Fernsehen lässt), schaudert mir angesichts dieser erdrückenden Banalität des Alltags der Beiden. Solche Momente sind in Videospielen selten und deshalb von großem Wert für Videospiele als Erzählmedium. Dass Heavy Rain dabei nicht aus inhaltlichen wie narrativen Konventionen des Thriller-Genres ausbricht und vereinzelt hanebüchene Situationen beinhaltet, sei diesem ungewöhnlichen wie spannenden Werk verziehen. 

Oliver Schultes meint: Dass Heavy Rain ein besonderes Erlebnis ist, haben meine Kollegen ja schon ausgeführt. Für mich ist es das aber in doppelter Hinsicht: Zum einen finde auch ich das Abenteuer klasse, zum anderen repräsentiert es für mich eine unglaubliche Premiere. Und zwar in puncto Story und Berichterstattung: In der Erstausgabe der M! Games (11/08) habe ich ein sechsseitiges Preview zu Heavy Rain verfasst – und dabei die Auflösung des Spiels verraten! Richtig gelesen: Ich habe geschrieben, wer der gesuchte Origami-Killer ist. 
Allerdings passierte dies mit dem Segen der französischen Entwickler Quantic Dream. Die beiden Studioleiter präsentierten auf der gamescom in Köln eine Mission, in der Madison gegen den explizit so betitelten Origami-Killer kämpft. Offenbar sollte das alles nur ein Beispiel für die Spielmechanik und die Atmosphäre während einer Mission sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Entwickler dermaßen verpeilt sind, das Ende des Spiels einfach so ein halbes Jahr vor dem Release zu verraten. Irgendetwas muss im Studio danach schiefgelaufen sein, vielleicht reichte ihnen die Zeit nicht mehr, die Rolle des Origami-Killers anders zu besetzen bzw. die Story so zu erzählen, wie es ursprünglich geplant war.
Wie dem auch sei: Die meisten Leser haben es entweder nicht bemerkt oder – so wie ich – über die folgenden Monate wieder vergessen, wer der Killer ist. Ein Hoch auf unser Kurzzeitgedächtnis!

Matthias Schmid meint: Hätte mich Entwickler Quantic Dream nicht schon vor Jahren mit dem Überraschungs-Hit Fahrenheit verzückt, würde ich Heavy Rain mit Lob überschütten. So aber ist das PS3-exklusive Abenteuer ‘nur’ ein verbessertes Fahrenheit – mit glaubwürdigerer Geschichte, interessanteren Figuren und besserer Steuerung. Außerdem wurde zum Glück dieser übersinnliche Käse weggelassen, der das Ende von Fahrenheit überschattet hatte. Heavy Rain hat mich mit seinen stillen Momenten beeindruckt z.B. dem trostlosen Spielplatz-Ausflug von Vater und Sohn. Gleichsam fesselten mich die dramatischen Actionszenen – z.B. wie Madison in ihrem Loft überfallen wird oder Ethan durch Saw‘sche Glasscherbengänge kriecht. Auch die Härte mancher Einstellungen (z.B. beim religiösen Eiferer oder im Keller der Horrordoktors) hat mich positiv überrascht. Nach wie vor steht mein Vorsatz: Meinem einmaligen Durchlauf wird auf jeden Fall noch ein zweiter Folgen. Da sind einfach so viele Szenen, deren alternative Verläufe ich noch erleben möchte…

Ulrich Steppberger meint: Kaum ein anderes so penetrant gehyptes Spiel hat mich am Ende so kalt gelassen wie Heavy Rain. Ja, ich habe schon kapiert: Das Ding ist was ganz besonderes, so unglaublich atmosphärisch und emotional mitreißend, die Charaktere haben Tiefgang und überhaupt stellt Heavy Rain die Zukunft des anspruchsvollen Spiels dar und so weiter… Aber will ich in einem Spiel doch gar nicht die Banalität des Alltags nochmal erleben, durch das Aneinanderreihen diverser Quicktime-Event-Vorgänge wird das nicht spannender. Okay, vielleicht (wahrscheinlich?) ginge es mir anders, wenn ich nicht relativ bald das Handtuch geworfen hätte, aber der aufdringliche Quasi-Tiefgang hat mich so genervt, dass ich einfach nicht die Lust drauf hatte, länger dabei zu bleiben. Da hat nichtmal die in meinen (sonst solchen Beigaben wahrlich nicht abgeneigten) Augen völlig überflüssige Duschszene (Nackt! Aber nicht Voyeurismus! Sondern Kunst! Also Tiefgang! Hui!) geholfen. Irgendwie passt außerdem gut dazu, dass die Move-Edition von Heavy Rain die Steuerung nicht intuitiver, sondern fummeliger und nerviger macht…

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 9 – Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

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Thomas Nickel meint: Wer sich 2010 wichtig machen wollte, der prophezeite den Untergang des japanischen Rollenspiels oder erklärte gar ganz keck, das Genre sei ja sowieso schon seit PS2-Tagen klinisch tot. Und dann kommt da ein auf den ersten Blick ganz unscheinbares DS-Rollenspiel an und beweißt allen eindrucksvoll das exakte Gegenteil. Dragon Quest IX erfindet das RPG-Rad nicht neu, fügt dem Genre keinen bahnbrechenden Innovationen hinzu und bietet nicht einmal eine sonderlich komplexe Handlung oder allzu beeindruckende Grafik. Aber wozu auch? Dragon Quest IX stellt klar, dass der klassische Mix aus Dungeon-Krauchen, Monster-Hauen und Party-Aufrüsten auch heute noch riesigen Spaß macht und die Spieler Stunde um Stunde zu begeistern weiß. Und wer allen ernstes behauptet, Dragon Quest IX sei zu leicht,  zu simpel und zu “casual”, der ist wohl nie zum wahren Kern des Spiels, den knallschweren Schatzdungeons und den zahlreichen Teamwork-Aspekten vorgestoßen.

Max Wildgruber meint: Das hübscheste DS-Abenteuer des Jahres trumpft mit einem unschlagbaren Koop-Modus auf, der die Hüter des Himmels durch menschliche Mitspieler zum geselligen Erlebnis macht. So sticht das etwas seichte, aber mit viel Sprachwitz erzählte Rollenspielmärchen noch ein Stück aus der insgesamt sehr hochwertigen J-RPG-Konkurrenz heraus, die den DS in diesem Jahr endgültig zum Leib- und Magensystem für die Freunde von Rundenkämpfen, Stachelfrisuren und kruden, deutschtümelnden Charakternamen machen. An dieser Stelle noch ein herzliches ‘Grüß Gott’ an Vizeadmiral Luitger Sankt sowie die Gebrüder Dietrich und Bastian Schneizer aus Infinite Space.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 10 – God of War III

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Michael Herde meint: Dreimal habe ich God of War III durchgespielt, angefangen auf (zu) ‘leicht’, dann auf ‘normal’ (im Gegensatz zu den Vorgängern auch nicht sonderlich schwer), zuletzt in einem Rutsch auf ‘schwer’, wofür ich knapp zwölf Stunden gebraucht habe. Abgesehen von ein paar frustrierenden Stellen war auch das nicht übermäßig schwierig, zumal Teil 3 einen Trend verfolgt, der mit der PSP-Episode Chains of Olympus begonnen hatte – weniger Rätsel, mehr Kämpfe. Die fiesen Kopfnüsse des meines Erachtens runderen und besseren God of War II fehlen mir in der Serie zusehends. Auch störte mich anfangs, dass der gebrochenen Antiheld Kratos in seinem PS3-Debüt in Sachen Charaktertiefe auf dem Niveau eines Jason Voorhees (Freitag, der 13.) angekommen ist: Beide töten alles, was sich in Sichtweite befindet. Dass aber genau diese Entwicklung Teil der Handlung ist, hat mich gegen Ende genauso überrascht, wie die überbordenden Gewaltspitzen, welche die USK ungekürzt hat durchgehen lassen. Nach dem überwältigend furiosen Auftakt mit Poseidon fällt die audiovisuelle Brillanz leider erstmal spürbar ab, das Kampfsystem muss sich in puncto Flexibilität nicht nur Hits wie Bayonetta chancenlos geschlagen geben, auch Neuzugang Castlevania: Lords of Shadow sticht Sonys Vorzeigegriechen aus. Aber ich stehe auf die Geschichte und den Charakter sowie das Flair der Reihe, wünsche mir für zukünftige Episoden aber ein paar frische Einfälle.

Oliver Schultes meint: Die PS3-Premiere wird dem Image des Kriegsgottes vollauf gerecht: Die Entwickler kleckern nicht, sie klotzen. Bei der grafischen Opulenz, bei der Größe der Gegner, bei der bombastischen Surround-Akustik, bei der Inszenierung von Gewalt. Kratos metzelt ohne Gnade und reißt den Spieler in einen Blutrausch, um ihm zwischendurch dann schonungslos den Spiegel vorzuhalten. In solchen Momenten wirkt God of War III richtig erwachsen. In anderen Bereichen steckt es dagegen immer noch in den Kinderschuhen fest: Einen Levelbereich abzuriegeln, immer wieder neue Gegner hineinzuwerfen und den Spieler bis zum Ende durchhalten zu lassen, ist wenig zukunftsweisend – eher nervig. Genauso wie die anscheinend bei einem God of War obligatorischen unfairen Stellen: Ob Klingenturm im ersten Teil, der immer wieder abgesperrte Pfad zu einem der letzten Bosse in Episode 2 oder nun die rotierenden Würfel – irgendeine Stelle bringt mich garantiert immer zur Weißglut. In solchen Momenten kann ich mit Kratos mitfühlen und seinen unendlichen Zorn teilen!

Matthias Schmid meint: Seit dem Erstling war ich ein glühender Fürsprecher des God of War-Metzelmeisters Kratos: Der Klingenturm? Tolles Spieldesign und fair. Die Rätsel? Fordernd aber nie unlogisch. Doch mit Teil 3 sinkt nicht nur meine Faszination für das stets gleiche Hack’n’Slay-Prinzip, auch Kratos wurde mir zunehmend unsympathischer. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Brutalität, mit der Kratos die Bossgegner verstümmelt, zerstückelt, auseinander reißt oder einfach mal totschlägt, ist selbstzweckhaft und unnötig. Das trifft nicht auf die intelligente Endsequenz zu – hier hat sich Sony Santa Monica ein feines Finale für den Wüterich einfallen lassen. In spielerischer Hinsicht ärgert mich die Fortführung des mit Chains of Olympus-angefangenen Trends hin zu weniger komplexen Tempeln und seichteren Rätseln. Gerade die waren doch willkommene Abwechlsung zwischen der Action und den Zwischensequenzen. Was bleibt ist ein herausragend inszeniertes, grafisch pompöses Gewaltfeuerwerk mit tollen Kamera-Einstellungen, manch coolem Bossfight, traumhaften Landschaften und einer nach wie vor makellosen Steuerung. Ihr seht: Am Ende hat mir God of War III also doch ziemlich gut gefallen…

Ulrich Steppberger: Irgendwie lässt mich die spartanische Schlachtplatte kalt, und ich weiß nicht genau, warum eigentlich. Aber der bombastische Einstieg hat mich beinahe erschlagen, da ist das Spektakel zu massiv – klar, bei einem solchen Spiel klingt eine solche Kritik komisch, aber die Sequenz hat mich eher abgescherckt denn motiviert. Ein anderes Kuriosum am Rande kommt noch dazu: Obwohl mir die Soundkulisse bei einem Spiel nicht am wichtigsten ist, fand ich es merkwürdig, dass die Effekte von Kratos’ Klingen seltsam dünn rüber kamen und im restlichen Klangspektrum beinahe untergingen. Irgendwann will ich die Göttermetzelei trotzdem noch beenden, aber der Stapel der noch zu spielenden Titel ist einfach so hoch…

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 11 – Super Street Fighter IV

20

Michael Herde meint: Auch ein Jahr nach Street Fighter IV gelingt es Capcom mit dem Super-Update nicht, einen rundum zufrieden stellenden Online-Modus anzubieten. Diverse Schwächen von unvorhersehbaren Lags trotz verheißungsvoller Signalstärkenanzeige bis zur häufig ergebnislosen Suche nach Mitspielern in bestimmten Modi bieten Raum für Verbesserung, die Capcom dank zahlreicher teurer Kostüm-Sets zum Download locker finanzieren können müsste. Als unhandlich empfinde ich es zudem, dass das Spiel nur einen Slot für individuelle Tastenbelegungen bereithält. Wer wie ich oft stundenlang auf dem Sofa sitzend mit mehreren Kumpels spielt, von denen jeder eigene Einstellungen bevorzugt, der muss bei jedem Weiterreichen des Controllers erstmal ins Optionsmenü. Vorteilhaft finde ich hingegen die optionale Installation, welche Ladezeiten dramatisch verkürzt. Spielerisch rechtfertigen zahlreiche Feinanpassungen hinsichtlich Reichweite, Dauer und Stärke der Moves den Neukauf, die zusätzlichen Charaktere erweitern das Viertelkreis- und Charge-Spektrum mit interessanten Kämpfern – allen voran Türkenringer Hakan und die Koreanerin Juri. Leider ist SSF IV kaum einsteigerfreundlich, denn trotz an sich simpler Special-Kommandos fallen diese Anfängern schwerer als die Eingabe von Tastenfolgen à la Soul Calibur IV oder Tekken 6. Davon abgesehen sind die dummen Gesichter vor einer Ultra-Combo zum Brüllen komisch und das punktgenaue Timing der Manöver in bester Street Fighter-Manier suchterzeugend. Ich habe in diesem Jahr jedenfalls nur noch ein Spiel ausgiebiger gezockt als Super Street Fighter IV – und dessen Vorgänger verstaubt seither im Schrank.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 12 – Fallout: New Vegas

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EL soNK meint: Fallout 3 war ein epischer RPG-Meilenstein, trotz einer Engine die dem Ödland alle Ehre macht, Ladezeiten oberhalb radioaktiver Halbwertzeit und diverser Bugs – und genau hier legt New Vegas eine Schippe drauf: die gleiche Engine ist zwangsläufig noch älter, die Ladezeiten noch länger, und das Ganze ist instabiler als ein zerfallender Atomkern. Dazu alles weniger episch – die wirre Story um die Fraktionen und den Hoover-Staudamm hat mich nicht wirklich gepackt und von den möglichen Endszenarien hat mich keines befriedigt. Aber HALT! Zum einen gibt es seit kurzem einen Patch, der Ladezeiten und Abstürze dramatisch entdramatisiert – zum anderen spielt New Vegas neben der Hauptstory seine Stärke aus: flirrende Ödland-Atmosphäre, das geliebte Fallout-Gefühl (samt PipBoy), originelle Begleiter und die besten Nebenmissionen der Spiele-Geschichte. Wäre ich nicht ein mit allen verstrahlten Wassern gewaschener Profi-Gamer, hätte ich mir in Vault 11 in die Hose gemacht.

Max Wildgruber meint: Grafisch teilweise schlechter als der Vorgänger und beileibe nicht bugfrei, zeigt sich Obsidian Entertainments Standalone-Add-On dennoch als motivierender Endzeitspielplatz voller Aktionsmöglichkeiten, die von der vergleichsweise uninteressanten Hauptquest ablenken. Wer möchte, zockt stundenlang das komplexe Kartenspiel Karawane, erfüllt die teils abartigen Wünsche der nun mit Persönlichkeit ausgestatten Begleiter, oder bohrt seinen Charakter per Implantaten zur überpowerten Kampfsau auf. Zusätzlichen Spielspaßbonus bringen Elvis, transsexuelle Supermutanten und Ratten von außergewöhnlicher Größe.

Ulrich Steppberger meint: Und ein weiterer Kandidat aus der Rubrik “Wenn zuviel auf einmal da ist, kommt man zu nichts”. Immerhin bin ich wenigstens schon ein Stück weit durch New Vegas marschiert. Die altbackene Technik stört mich eigentlich nicht weiter, denn das Endzeit-Design wird für meinen Geschmack immer noch durchaus ansehnlich auf den Bildschirm gebracht. An den neuen Hardcore-Modus habe ich mich erst gar nicht gewagt, denn New Vegas ist auch so schon fies genug: Wenn man als noch reichlich frischer Level-5-Held mal eben durch die Ödnis marschiert und vor einem gleich drei Radscorpions auf einmal auftauchen, sorgt das für reichlich Herzklopfen… und bis Skyrim kommt, werde ich das Story-Ende hoffentlich doch gesehen haben.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 13 – FIFA 11

12

Tobias Kujawa meint: Dass FIFA 11 und PES 2011 in diesem Jahr (wieder) die gleiche Prozentwertung bekamen, stieß vielen Fans sauer auf. Ich bin immer noch der Meinung, dass beide Spiele zum Release gleich gut waren, wenn auch mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Warum ich FIFA 11 jetzt doch eine Nuance besser finde als PES 2011? Wegen des unglaublich stabilen Online-Modus’ und Ultimate Team. Der kostenlose Spielmodus rund um das Sammeln virtueller Karten und die Aufstellung der perfekten Mannschaft wird mich mit Sicherheit noch bis zum Erscheinen von FIFA 12 an den Bildschirm fesseln. Zusammen mit der sehr guten Spielmechanik, der für mich realistischen Spielgeschwindigkeit und den im Vergleich zu PES 2011 besseren Torhütern ist FIFA 11 für mich DER Online-Fußballknaller!

Stefan Stöckmann meint: Ich war schon immer eher pro Pro Evolution Soccer, das hat sich auch in diesem Jahr nicht geändert. Allerdings greife ich nun auch ab und zu zum Pad, wenn FIFA 11 in meiner Konsole rotiert. Das Gefühl, das ich habe, wenn ich bei FIFA 11 erfolgreich aus einem hart geführten Zweikampf hervogehe, kann mir PES in dieser Qualität nicht bieten. In puncto Animationen hat EA ganz klar die Nase vorn. Dass ich bei FIFA 11 mit dem zukünftigen Deutschen Meister (ja, das sind die Jungs in den schwarz-gelben Trikots) auf den Platz gehen kann, war und ist natürlich eine der Stärken der Reihe. Erwähnt werden sollte auch der grandios spaßige Hallen-Modus aus der Wii-Version des Spiels, der es im nächsten Jahr hoffentlich auch auf die ‘großen’ Konsolen schafft.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 14 – Pro Evolution Soccer 2011

10

Tobias Kujawa meint: PES 2011 ist für mich das beste Spiel der Reihe seit dem sechsten Teil. Das neue Passsystem sorgt für volle Kontrolle und planbare Spielzüge. Mich ärgert aber noch immer die schlechte Verteidigungs-KI, die Angreifer oft selbst mit drei Spielern nicht am Torschuss hindert. Außerdem ist mir das Spiel in der Standard-Geschwindigkeit zu schnell, aber das ist ja dank der regelbaren Spielgeschwindigkeit kein Problem. Warum ich bei Matches gegen meine Kollegen vor jeder Partie meine Aufstellung neu laden muss, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Bei den Partien selbst schlägt mir der Puls aber wie bei jedem PES bis zum Hals, ich freue mich über gelungene Passstafetten und ärgere mich über Fehler und Gegentore – natürlich haben meine Kontrahenten in dem Fall immer nur Glück gehabt oder die KI hatte Aussetzer…

Oliver Schultes meint: Ich war noch nie ein Konsolen-Kicker, der großen Wert auf Lizenzen gelegt hat – das Spielgefühl war mir immer wichtiger. Das macht eine Entscheidung pro Pro Evo und gegen FIFA leichter: Denn auf dem virtuellen Platz hat Konamis Kick die Hosen an, für meinen Geschmack spielt es sich einfach besser. Und das wird bei der 2011er-Episode noch deutlicher: Die Möglichkeit selbst entscheiden zu können, wohin mein ballführender Athlet passt, eröffnet mir alle Optionen, das Spiel so zu gestalten, wie ich das für richtig halte.
Die Kehrseite der Medaille: Wenn ich mal eine Packung von einem Redaktions-Kollegen bekomme (passiert nur sehr selten), dann muss ich die Fehler jetzt noch mehr bei mir als beim Spiel suchen. Die Ausrede “Zu dem wollte ich doch gar nicht passen!” klingt hier noch peinlicher als früher.

Matthias Schmid meint: Trotz seiner zahlreichen Schwächen (Stichwort: viele Abpraller-Tore) hat mich PES in dieser Saison wieder mehr begeistert als im einfallslosen Vorjahr. Dafür ist neben der realistischen Optik mit ihren tollen Gesichtern und vielen feinen Animationen vor allem das neue Pass-System verantwortlich. Im Gegensatz zu FIFA 11 verlangt PES 2011 von Euch die überfällige Umstellung auf punktgenaue Zuspiele – das PES-Pass-System wirkt auf mich ausgereifter. Zwar geht mit den nun vielen schwereren Zuspielen ein neuer Lernprozess einher, doch den nehme ich gerne in Kauf, wenn ich dafür genauer als je zuvor zu meinen Mitspieler abgeben kann. Allerdings bin ich noch nicht über den Umstieg vom Steuerkreuz zum Analogstick hinweg. Eigentlich dribble ich ja viel lieber per Kreuz, das sensiblere Passen via Stick zwingt mich aber zur Umstellung. Vielleicht liegt’s ja daran, dass die mir in die Wiege gelegte Fußball-Intelligenz und mein überlegenes taktisches Verständnis noch nicht dazu geführt haben, dass ich die Kollegen Olli und Tobias locker vom Platz fege…

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 15 – Demon’s Souls

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Thomas Nickel meint: Ha! Über Kings Field haben sie noch alle gelacht, und dafür müssen sie beim inoffiziellen Nachfolger Demon’s Souls jetzt büßen! Und zwar bitterlich. Selten war ein Spiel so knallschwer aber gleichzeitig doch so motivierend. Beim Durchforschen der dunklen Kammern von Boletaria werdet Ihr tausend Tode sterben und vernichtende Niederlagen erleiden und trotzdem kommt Ihr immer wieder demütig zurückgekrochen, stets in der leisen Hoffnung, den fiesen Boss doch endlich mal zu schaffen. Kein anderes Action-RPG bot 2010 ein so intensives Spielerlebnis wie From Softwares Überraschungshit.

Max Wildgruber meint: Düster, bockschwer, trotzdem fair. From Softwares Action-RPG müsst Ihr jeden Erfolg mühsam aus den dämonischen Klauen reißen. Dafür freuen Euch Siege über die grotesk-monströsen Endbosse oder freche Online-Attentäter umso mehr. Heimlicher Hardcore-Rollenspielkönig des Jahres.

Tobias Kujawa meint: Wenn man schon im Tutorial eines Spiels mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stirbt, ist der Titel entweder eine Fehlkonstruktion oder einfach bockschwer. Auf Demon’s Souls trifft letzteres zu. Jeder Gegner in den unterschiedlichen Fantasywelten ist eine Herausforderung, Ihr müsst hundertprozentig konzentriert und immer auf der Hut sein, wenn Ihr durch dunkle Gänge und verlassene Burgen streift. Bildschirmtode werden hart bestraft, der Level will mitsamt aller Gegner von vorne bezwungen werden und falls Ihr Eure Leiche nicht ohne erneut zu sterben erreicht, sind die kostbaren gesammelten Seelen, die Währung für Attribut-Aufwertungen und Gegenstände, futsch. Doch Frust kommt komischerweise nicht auf. Vielmehr lebt der Titel von der unglaublichen Spannung und großen Herausforderung. Ich schleiche immer noch ab und an durch Boletaria und beiße mir die Zähne an den harten Zwischenbossen aus – schließlich möchte ich Demon’s Souls ohne jegliche Hilfe und Guides bezwingen.

Ulrich Steppberger meint: Um unweigerlichen Kommentaren vorzugreifen: Ja, Demon’s Souls kam eigentlich nicht erst 2010 raus – bei uns aber schon, also passt’s auch in dieses Jahr.

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