Die Download-Spiele des Jahres 2010 – Platz 10 bis 6

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Platz 10: Scott Pilgrim vs. The World: The Game (PSN, XBLA)

Scott Pilgrim

Thomas Nickel meint: Beim Thema Scott Pilgrim fällt es mir oft nicht leicht, objektiv zu bleiben, immerhin folge ich dem famosen Comic bereits seit 2004, als der erste der insgesamt sechs Bände erschien. Da ist es natürlich kein Wunder, dass ich mich enorm über diese tolle Umsetzung von Bryan Lee O’Malleys Stoff gefreut habe – denn was hätte da alles schiefgehen können? Stellt Euch nur mal vor, Ubisoft hätte auf den gleichen hässlichen Look wie beim erbärmlichen Turtles in Time-Remake gesetzt… oder auf Figuren bestanden, die wie Michael Cera und Mary Elizabeth Winstead aussehen… Aber zum Glück gingen die Entwickler genau den richtigen Weg und entschieden sich für ein todschickes Bitmap-Geprügel ganz im Stil des 8-Bit-Klassikers River City Ransom. Und hier schließt sich dann der Kreis, war doch gerade dieses River City Ransom eine von O’Malleys Inspirationsquellen beim Schreiben von Scott Pilgrim. Klar, das Spiel hat ein paar Macken – der Einstieg ist zäh, und vor dem Patch wurde auch ein spontaner Drop-In-Modus schmerzlich vermisst. Aber mit zunehmender Spielzeit wird Scott Pilgrim immer spaßiger – Ihr levelt auf, werdet stärker und erlernt neue Kampftechniken und auf einmal fühlt sich das Spiel gleich dramatisch besser an. Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, alleine schon die detaillierten Hintergründe und die toll animierten Sprites würden den Download hier rechtfertigen. Außerdem rockt die Musik unglaublich.

Stefan Stöckmann meint: Scott wer? Vor der Versoftung konnte ich mit dem Namen Scott Pilgrim nichts anfangen. Im Gegensatz zu meinem Kollegen Thomas bin ich dementsprechend unvoreingenommen an den Titel herangegangen. Obwohl mir so sicherlich viele Insider-Gags entgangen sind, hatte ich mit der Comic-Versoftung eine menge Spaß. Die durchweg gelungene und stilsichere Optik war mir auf Anhieb sympathisch, die gute Spielbarkeit, das motivierende Aufleveln der Charaktere und der für einen Sidescollprügler ordentliche Umfang runden den positiven Gesamteindruck ab. So richtig in Fahrt kommt der Titel aber natürlich erst im Multiplayer-Modus mit bis zu drei Freunden. Hier erreicht Scott Pilgrim vs The World: The Game zwar nicht ganz die Qualität eines Castle Crashers, kommt aber schon recht nah an den Primus heran.

Ulrich Steppberger meint: Der Retro-Look ist famos, die Chiptunes rocken und das Sidescrollprügel-Konzept altbewährt – doch für jedermann kann ich Scott Pilgrim trotzdem nicht empfehlen. Es ist ja prinzipiell nicht gleich negativ, wenn Entwickler nicht jeden Weichei-Trend mitmachen wollen, aber hier wäre etwas mehr Einsteigerfreundlichkeit auch nicht verkehrt gewesen: Stattdessen sind die Levels gerne eine Spur zu lang, die Gegner gerne fies und die Rücksetzpunkte… haha. Wer sich auf fleißiges Grinden einlassen will oder wahlweise stets ein paar Kumpel für gemeinsames Losprügeln zur Hand hat, den stört das nicht weiter. Ich aber hatte mit der Verfilmung einfach viel mehr Spaß. Nachdem es die Blu-ray in den USA schon längst gibt und sie codefree ist, gehört die auch gefälligst von jedem Zocker gekauft – na hopp, bestellen, jetzt!

 

Platz 9: Joe Danger (PSN)

Joe DangerThomas Nickel meint: Trials HD ist schon ein feines Spiel, garkein Zweifel. Aber irgendwie machte mich diese “grim & gritty”-Aufmachung nie sonderlich an. Dann doch lieber das bunte, alberne Joe Danger. Das macht genausoviel Spaß und ist dazu noch wirklich witzig und herrlicht farbenfroh. Denn mal im Ernst – wozu können die tollen HD-Konsolen so viele Farben auf den Schirm zaubern, wenn sich die meisten Entwickler am Ende doch mit der stets gleichen Grau-Braun-Grün-Palette zufrieden geben?

Ulrich Steppberger meint: Eins ist Joe Danger wirklich nicht, nämlich Trials HD. PS3-Besitzer, die deshalb neidvoll auf ihre Xbox-360-Kollegen blicken, müssen das also weiter tun. Der Stuntbiker ist zwar auch flott auf Hindernisparcours unterwegs, spielt sich aber doch gänzlich anders – macht aber nix, die rasante Hatz über waghalsige Sprünge und schrägen Cartoon-Hindernisse hat auch so jede Menge Highscore-Jagd-Potenzial und sorgt einfach für gute Laune. An exklusiven PS3-Downloadspielen gibt es nun wahrlich nicht allzu viele, die auch noch was auf dem Kasten haben, da kommt Joe Danger gerade recht.


Platz 8: And Yet It Moves (WiiWare)

And Yet It Moves

Thomas Nickel meint: Dieses Jump’n’Run-Kleinod aus Österreich hatte ich schon eine ganze Weile auf dem Radar – seit ich es bei einem WiiWare-Event 2009 anspielen konnte war ich mir sicher, dass das Entwicklerteam Broken Rules an etwas wirklich großem dran war – und doch wurde ich am Ende nochmal überrascht. Klar, ich wusste, dass AYIM alleine schon durch seinen herrlich unorthodoxen Grafikstil und das clevere Level-Dreh-Feature von sich reden machen würde. Was ich aber nicht ahnen konnte war, wie gut sich das tatsächliche Leveldesign schließlich herausstellen sollte. Ihr fühlt Euch in den komplexen Stages nie verloren, stets wird Euch auf subtile Art und Weise angezeigt, in welcher Richtung es nun weitergehen soll. Dabei bleiben die Puzzles stets interessant und abwechslungsreich, der Schwierigkeitsgrad steigert sich stets im genau richtigen Maße. Dank freier Rotation ist die WiiWare-Version von AYIM zudem die beste Fassung des Spiels. Klar, auf PC ist es Auflösungsbedingt natürlich ein wenig hübscher, aber dort könnt ihr eure Umgebung auch nur in 90°-Schritten rotieren. Wer sagt denn, dass nur Nintendo herausragende Jump’n’Runs entwickeln kann?

Stefan Stöckmann meint: Kennt Ihr noch diese beweglichen Holz-Labyrinthe, in denen man durch Neigung des Holzkastens eine Kugel in ein Loch bugsieren muss? Ich habe diese Teile als Kind geliebt. AYIM fühlt sich über weite Strecken wie eben diese Labyrinthe an und deshalb liebe ich auch AYIM. War es zunächst nur der Grafikstil, der mich an den Titel fesselte, stellte sich nach den ersten Spielminuten das bekannte Nur-noch-ein-Level-Gefühl ein. Abschnitt für Abschnitt bringen die Entwickler neue Elemente in das Spiel, die auf den ersten Blick oft unlösbar scheinen. Im Gegensatz zu Thomas habe ich dabei allerdings oft die Übersicht vermisst und mich durchaus verloren gefühlt. Dem Spielspaß hat dies aber nicht geschadet, dafür sind die Rätsel einfach zu gut designt.

Ulrich Steppberger meint: Mir hat sich And Yet It Moves nicht so ganz erschließen wollen, was vor allem daran liegt, dass ich irgendwie mit der Steuerung nicht warm geworden bin. Schön, wenn man nur mit der Remote spielen kann, aber das Winden des Handgelenks strapaziert mich immer wieder. Da wäre mir eine Altertative mit Nunchuk oder gar Classic-Controller lieber gewesen.

 

Platz 7: Limbo (XBLA)

Limbo Thomas Nickel meint: Düster, atmosphärisch und unheimlich clever – Limbo ist wieder einer dieser Titel, die mich jeder großen AAA-Disc-Titel vergessen lassen. Limbo steckt voller interessanter Ideen und verstörender Bilder und wäre in dieser Form sicher von keinem Publisher als Disc-Release aufgegriffen worden. Zu ungewöhnlich, zu seltsam, zu wenige Shooter-Elemente. Und genau dafür liebe ich die moderne Downloadspiel-Kultur – hier kommen endlich wieder die kreativen Spiele-Entwickler zu Worte, hier kann man sich noch über Spiele freuen, die nicht von der Marketing-Abteilung glatt gebügelt wurden. Und passend dazu stach Limbo bei der diesjährigen EIGA-Verleihung auch gleich diverse große Disc-Titel aus und nahm den Hauptpreis mit nach Hause. 

Stefan Stöckmann meint: Ach, mein Sorgenkind. Ich möchte es in den Arm nehmen und ihm sagen, wie sehr ich es liebe, doch es lässt mich einfach nicht. Limbo spaltete wie kein zweiter Titel in diesem Jahr mein Spieler-Herz: Die Atmosphäre des Titels ist grandios. Die teils sehr verstörenden Bilder, mit denen ich in Limbo konfrontiert werde, lassen mich oft mit offenem Mund und einem “Das kann man doch nicht zeigen” auf den Lippen vor meiner Konsole verharren. Die anspruchsvollen Rätsel sind hervorragend designt und werden im Spielverlauf angenehm anspruchsvoll. Doch worum geht es in Limbo? Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und wer zum Teufel sind diese komischen Leute, die in ihren Köpfen Maden spazieren tragen? All diese Fragen lässt Limbo unbeantwortet. Das ist sehr schade, denn ich hätte gerne mehr über das Schicksal des kleinen Jungen erfahren. Stattdessen werde ich von den Entwicklern einfach so in das Geschehen geworfen. Währende der gesamten Spielzeit kommt kein einziges Wort aus den Lautsprechern meines Fernsehers, noch sehe ich eines auf dem Bildschirm. Hier lassen die Entwickler eindeutig zu viel Raum für Interpretationen. Gepaart mit teils fiesen Trial and Error-Passagen habe ich zwischendurch immer wieder den Spielspaß an Limbo verloren. Dass die Reise bei einem Preis von 15 Euro dann auch schon nach knapp vier Stunden vorbei ist und mir ein Ende präsentiert wird, das diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient, ist frech und sorgt dafür, dass mir Limbo eher negativ in Erinnerung bleiben wird.

Ulrich Steppberger meint: Ich kann Stefans Probleme ziemlich gut verstehen – Limbo kommt mir in einigen Aspekten auch arg bemüht abstrakt vor, eben so richtig nach dem Motto “Wir sind Kunst!”. Entsprechend lustig fand ich die verkrampften Versuche in diversen Tests, die ‘Handlung’ zu interpretieren und dabei von ‘das weckt so toll Emotionen’ zu faseln… klar muss man nicht jedes Detail im Spiel vorgekaut bekommen, aber wenn sich jemand was dabei gedacht hat, dann möge er uns doch wenigstens ein wenig daran teilhaben lassen. So bleibt Limbo ein in der Tat unheimlich stimmungsvoll inszeniertes Abenteuer, dessen Minimalismus-Präsentation viel Atmosphäre aufbaut und eine unheimliche Tiefsinnigkeit vorgaukelt. Ja, das Spiel ist kurz und ja, der Schluss ist schlichtweg nicht wirklich vorhanden, doch die paar Stunden hat’s mir trotzdem viel Spaß gemacht, denn an Überraschungen und beeindruckenden Szenen ist Limbo nicht arm.

 

Platz 6: ilomilo (XBLA)

Ilomilo Stefan Stöckmann meint: Ohne zu wissen, was für ein Spiel ilomilo überhaupt ist, habe ich es mir gekauft. Das war bis dahin noch nie vorgekommen. Verantwortlich dafür war das grandiose Art-Design, dem ich nach dem ersten Blick verfallen war. Angespielt oder nicht – ich musste ilomilo haben – und das habe ich nicht bereut. Selten habe ich ein Spiel erlebt, in dem sämtliche Elemente derart harmonisch ineinander fassen. Von der Geschichte über den Sound bis zur optischen Gestaltung – in jeder Sekunde des Spiels spürt Ihr die Liebe der Entwickler zu ihrem Projekt. Gerade die subtil vermittelte Geschichte um die beiden Protagonisten ilo und milo bildet in einer eher von Action-Titeln dominierten Branche einen schönen, wenn auch leicht naiven Kontrast. In Sachen Präsentation ist  ilomilo demnach, auch über die Grenzen der Download-Titel hinweg, mein Highlight des Jahres. Zum Glück steckt hinter der gelungenen Präsentation aber auch ein hervorragender 3D-Puzzler mit durchdachten und fordernden Rätseln, mit dem ich im Koop-Modus auch mal wieder meine Freundin vor die Konsole locken konnte. Mit Bonuswelten und freischaltbarer 2D-Variante stimmt zudem auch noch der Umfang.

Thomas Nickel meint: Tja, zu ilomilo kann ich leider nicht wirklich viel cleveres schreiben, da ich es selbst aus Zeitgründen noch nicht gespielt habe. Aber ich lasse hier einfach mal meinen Brave New Gaming-Kollegen Sebastian Sonntag zu Wort kommen. Der meinte in seinem Review: “Ein derart liebevoll aufgemachtes Spiel haben wir auf der Xbox bisher selten gesehen – jeder Textur und vor allem dem witzigen Charakterdesign sieht man auf den ersten Blick an, mit wie viel Liebe und Spaß an der Sache die Entwickler hier zugange waren.” Na das klingt doch mal gut!

Ulrich Steppberger meint: Auch ich habe ilomilo noch nicht gespielt, weil ich brav auf die offizielle Veröffentlichung gewartet habe, die ja nun erst nächste Woche passieren wird… aber dem Charme der beiden knuffigen Gesellen werde ich mich nicht entziehen können, da bin ich mir sicher.

Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 4 – Gran Turismo 5

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Oliver Schultes meint: Egal, was Euch Herr Griesgram und Frau Erbsenzähler weiß machen wollen – Gran Turismo 5 ist ein klasse Rennspiel. Natürlich kann man über die Tatsache meckern, dass nicht alle gut 1.000 Autos hochdetaillierte Premium-Wagen sind. Oder dass es das Schadensmodell nicht zulässt, die Karren in ihre Einzelteile zu zerlegen. Aber mal ehrlich: Wer ergötzt sich denn schon an demolierten Fahrzeugen und freut sich darüber, dass nach einem Crash mit der Leitplanke bei Tempo 200 das Rennen endet, weil das Auto nur noch ein Blechknäuel ist? Und mir ist es auch wichtiger, einen gigantischen Fuhrpark mit vielen Klassikern aus meiner Autoquartett-Jugend zu haben, als mich mit einem deutlich kleineren Premium-Kader zufrieden geben zu müssen. Und liebe Meckerer, vergesst nicht das Wichtigste: Ein Rennspiel ist mehr als die Summe seiner Teile. Gran Turismo 5 bietet ein Fahrgefühl, das ich so noch bei keinem anderen Konsolen-Racer erlebt habe. Die subtilen Karosserie-Bewegungen in der Cockpit-Perspektive, die unerreicht realistische Beleuchtung und die toll designten Strecken sind schlichtweg Faszination pur. Ach ja: Als Landschaftsarchitekt mag ich auch die Bäume am Straßenrand. Punkt.

Ulrich Steppberger meint: Mir wird ja von verschiedenen Seiten nachgesagt, ich hätte was gegen Microsofts Forza Motorsport-Serie. Das stimmt insofern, als dass ich es nunmal nicht leiden kann, wenn Entwickler über ihrem Realismus-Rausch hinaus vergessen, so elementare Dinge wie Abwechslung, Dynamik und Charme mit in ihr Spiel zu packen. Nur: All das trifft bei Gran Turismo 5 natürlich auch zu! Wer sich von der schieren Fahrzeug-Masse blenden lässt (dazu sage ich: “Quantität ist nicht gleich Qualität”) oder die sehr ansehnliche, aber keineswegs alles überragende Optik zu sehr in den Himmel lobt, der hat z.B. ein Need for Speed SHIFT auch nicht verdient. Mir fiele so viel ein, was bei Gran Turismo 5 nicht stimmt oder zumindest  viel besser hätte sein müssen, aber auch das gilt ebenso bei Forza 3 – was das etwa in Sachen Online und Customising wesentlich besser macht, geht ihm andererseits wieder offline (die Karriere ab spätestens Jahr 5 ist die Hölle) ab. GT5 halte ich zugute, dass trotz aller Ärgernisse doch eine Menge passt und vor allem dank Rallye, Karts und weiteren Spezialwettbewerben mehr Abwechslung zu finden ist als beim Microsoft-Rivalen. Trotzdem hoffe ich, dass jetzt EA mit Shift 2 Unleashed eine Realismus-Raser an den Start bringt, der mehr Dampf drauf hat.

Tobias Kujawa meint: Auf der einen Seite ist GT5 eine hervorragende Simulation mit viel Tiefgang und verdammt vielen Autos. Andererseits frage ich mich immer noch, mit was die Entwickler eigentlich sechs Jahre Entwicklungszeit verplempert haben. Das Gros der Autos und Strecken sieht nur durchschnittlich gut aus, ich stöhne über lange Ladezeiten, riesige Patches und große Installationen und in den Rennen fehlt es mir an Spannung. Mein Arcade-Gasfuß ist bei Need for Speed: Hot Pursuit wohl besser aufgehoben.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 5 – Donkey Kong Country Returns

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Michael Herde meint: Zwar vermisse ich den putzigen Schwertfisch Enguarde und die wunderschönen Unterwasser-Levels, doch der beinharte Schwierigkeitsgrad von Donkey Kongs Rückkehr lässt mir kaum Zeit, um darüber nachzudenken. Die Levelbosse sind angenehm “anders” zu besiegen, die Vielfalt der 2D-Abschnitte begeistert mich sowohl spielerisch als auch grafisch. Und wo Metroid: Other M kaum alte Melodien der Vorgänger bot, da geht mir bei der Affenhüpferei sofort das Herz auf. Coole Bongos mit treibenden Beats und Stücken, die jeden sofort ans Super Nintendo denken lassen, der die damaligen Jump’n’Runs gespielt hat. Zudem gibt es eine Menge Anspielungen zu entdecken – von Mr. Game & Watch über Starwing bis hin zu Metroid zitieren sich die texanischen Entwickler der Retro Studios durchs Nintendo-Portfolio und zeigen eindrucksvoll, dass Kooperationen japanischer Hersteller mit westlichen Entwicklern ganz vorzügliche Ergebnisse zustande bringen können. Wem obendrein der Weg zum Levelende nicht hart genug ist, der sucht verborgene Puzzleteile, KONG-Buchstaben und Bonusräume. Im Vergleich zu New Super Mario Bros. Wii ist die Steuerung der beiden Affen direkter und somit leichter zu erlernen, zudem gestaltet sich der Mehrspieler-Modus auch im Koop-Spiel mit ungeübten Partnern als weniger frustrierend als die Mario-Sause, bei der man sich schnell gegenseitig ins Aus befördert. Allerdings dauert mir das Ducken zum Pusten zu lange, weshalb mich meine Ungeduld einige Leben gekostet hat – statt Blüten wegzublasen, kullert Donkey dann nämlich in den nächsten Abgrund. 

Oliver Schultes meint: So muss heute ein Old-School-Jump’n’Run aussehen! Es muss mich mit irrwitzigen Sprungpassagen fordern, Tausende Tode sterben lassen und den aufkommenden Frust mit ideenreichem Leveldesign wegfegen. Apropos plattmachen: Was Donkey Kong Country Returns audiovisuell auffährt, ist auf Wii allererste Banane. Butterweiche Animationen, aufwändig gestaltete Kulissen und coole 3D-Spielereien paaren sich mit druckvoll abgemischten Ohrwurm-Melodien zu einem affenstarken Erlebnis.
Noch ein Wort zur Steuerung: Es lohnt sich, die Remote&Nunchuk-Variante auszuprobieren! Auch wenn es sich bei einem 2D-Jump’n’Run zunächst etwas ungewohnt anfühlt, mit beiden Controller zu hantieren – auf Dauer habt Ihr damit das Affenduo und seine vielfältigen Aktionen besser im Griff.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 6 – Halo: Reach

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Matthias Schmid meint: Mit dem kürzlich veröffentlichten, sowohl grafisch als auch spielerisch feinen Noble-Kartenpaket unterstreicht Halo: Reach seine Ausnahmestellung im Online-Shooter-Bereich – da können nur Black Ops und (mit Abstrichen) Battlefield Bad Company 2 (Vietnam) mithalten. Daran ist nicht nur die großartige Spielbarkeit von Halo: Reach Schuld, sondern auch die Fülle an Features – egal ob Kino, Schmiede, neue Spielmodi und Panzerungsfähigkeiten oder das Abstimmen über die Spielvarianten. Weil Bungie auch im Singleplayer-Modus die Halo-Saga zu einem würdigen Ende führt, das sowohl in puncto Story als auch Dramatik wenig Wünsche offen lässt, geht der Preis für das beste Ego-Shooter-Paket des Jahres 2010 an Halo: Reach. Und beim nächsten Mal, da klappt’s dann vielleicht auch mit der Grafik…

Oliver Schultes meint: Ein grandioser Abschluss der Entwickler-Ära Bungie: Die Spielbarkeit ist hervorragend, die Geschichte spannt einen wunderbaren Bogen zur ersten Halo-Episode und das Leveldesign bietet die richtige Dosis “Bin mal gespannt, was als nächstes kommt”-Faszination. Kurzum: Ein Ego-Shooter, den sich kein Genre-Fan von Grafikfetischisten madig machen lassen sollte. Denn das ist die einzig wirkliche Schwäche von Halo Reach neben einem etwas trägen Einstieg.
Wer auch immer im Auftrag von Microsoft die nächste Halo-Episode ausbaldowert, ist gut beraten, dies mit einer konkurrenzfähigen Grafik-Engine zu tun. Im Vergleich mit den Call of Duty-Teilen oder gar dem kommenden Optikmonster Killzone 3 macht Halo: Reach nämlich keinen Stich – auch nicht mit dem schicken Energieschwert.

Ulrich Steppberger meint: Mir mag nicht einleuchten, wieso Microsoft und Bungie bis zum Schluss hartnäckig darauf bestanden haben, weder grafisch eine ordentliche Schippe draufzulegen noch für eine akzeptable deutsche Synchro zu sorgen. Während in den englischen Fassungen alle möglichen Battlestar-Galactica- und Firefly-Ikonen für den richtigen Ton sorgen, gab es bei uns wohl die Maßregelung, möglichst lieblose Sprecher zu engagieren. Nunja, das hat dann ja auch prima geklappt.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 7 – Mass Effect 2

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Max Wildgruber meint: Sobald mein Ärger über die Simplifizierung des Rollenspielsystems verflogen war, konnte ich dieses Musterbeispiel cineastischer Erzählkunst mit hemmungslosem Eskapismus genießen. Weit draußen im All lebte ich zusammen mit superb geschriebenen Charakteren, erlebte prickelnde Alien-Erotik und überlebte toll inszenierte Schusswechsel mit Strahlenwaffen aller Art. Einzig der ACHTUNG! SPOILER!!!!
alberne (oho!) Endboss trübt meinen hervorragenden Gesamteindruck vom mittleren Akt der Space-Opera. Hoffentlich führt BioWare das Epos im nächsten Jahr zum grandiosen Finale Furioso!

Matthias Schmid meint: Die vielen Verbesserungen bei der Steuerung der Actionszenen haben mich sehr gefreut – für einen von modernen Shootern verwöhnten Zocker waren die Ballereien des Erstlings doch oftmals ein Graus. Ich erinnere nur an den Kampf mit Matriarchin Benezia auf höheren Schwierigkeitsgraden – auweia. Dass die Action im Nachfolger teilweise immer noch hampelig vonstatten geht, bewies jüngst der Shadow Broker DLC und vor allem dessen Bosskampf. Aber bei einer so großartig erzählten Space Opera mit all den faszinierenden Rassen bin ich bereit, über derlei Verfehlungen hinwegzusehen. Denn hinter der (leider) simplifizierten Missionsstruktur verbirgt sich nicht nur die Enttäuschung, dass Planetenerkundungen via Mako flach fallen. Nein, dort warten charismatische Figuren und dramatische Geschichten, die kein anderer Spiele-Entwickler zu erzählen in der Lage ist! Die Schere, die zwischen dem Gehalt einer kleinen Nebengeschichte in Mass Effect und der ganzen Story von 99% aller Actiontitel klafft, ist erschütternd. Beispiele gefällig? Wie wärs mit der Kroganer-Genophage? Oder Talis geschwächtem Immunsystem wegen der Isolation der Flotille? Mein Highlight in Teil 2 war die gleichsam rührselige, bedrückende und spannende Geschichte rund um die Asari Samara und ihre Ardat-Yakshi-Tochter Morinth – großartig. Ach ja, wem das nicht reicht: Ihr könnt übrigens mit allen möglich Aliens pimpern…

Tobias Kujawa meint: Ja ich bin ein Frevler, denn ich habe Mass Effect 1 nicht gespielt. Und trotzdem gefällt mir der zweite Teil ausnehmend gut. Ich verstehe zwar nicht alle Zusammenhänge und das Spiel tut nichts, um meine Unwissenheit zu schmälern, doch die Beziehungen zwischen den Charakteren und die phantasievollen Welten zogen mich schnell in ihren Bann. Actionbetonte Missionen wechseln sich mit mehr oder minder tiefgreifenden Dialogen ab. Und wenn ich mich zwischendurch entspannen möchte, scanne ich einfach ein paar Planeten nach Rohstoffen ab.

Ulrich Steppberger meint: Eigentlich ist bei Mass Effect 2 nicht mehr allzu viel Rollenspiel übrig geblieben – aber das ist mir egal! Denn BioWare hat einfach ein rundum mitreißendes Weltraum-Epos geschnitzt, das mich über die gesamte Spielzeit hinweg fesseln konnte. Zumal ich ohnehin stets lieber die schnörkellosen Krieger-Klassen bevorzuge als mich mit Magie-artigen Charakteren und ihren fummeligen Zauber-Äquivalenten herum zu plagen… Die Grafik gefällt mir auch heute noch, vor allem die Mimik der Menschen und Aliens gehört immer noch zum Besten, was man auf Konsolen zu sehen kriegt. Die Ballereien gehen gut von der Hand, die Story hat keine Durchhänger und die gröbsten Probleme des Erstlings (Stichwort: Einheits-Bauwerke bei Planetenausflügen) sind auch Vergangenheit. Und als Freund der Originalsynchro kann ich über die nur Gutes berichten: Wer Seth Green, Tricia Helfer und die “Chuck”-Heroine Yvonne Strahowski ans Mikro holt, verdient ein dickes Lob!

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 8 – Heavy Rain

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Tobias Kujawa meint: Ob Heavy Rain mehr Spiel oder mehr Film ist, ist mir eigentlich schnuppe. Mich hat das Spiel bis spät in die Nacht vor den Fernseher gefesselt und ich war immer wieder erstaunt, wenn ich mit Freunden über unterschiedliche Endsequenzen und Storyfetzen erzählte. Jeder hatte andere Entscheidungen getroffen und damit andere Ereignisse ausgelöst. Für mich ist Heavy Rain ein sehr schönes, stimmungsvolles Adventure, bei dem die alte Steuerung durch Menüs und Worte durch direkte Handlungen ersetzt wurde. Wenn es jetzt noch einen variablen Mörder gegeben hätte, würde ich noch heute mit Ethan und Madison unterwegs sein.

Michael Herde meint: Die von Tobias beschriebenen unterschiedlichen Verlaufsformen des Spiels sind meines Erachtens Stärke und Augenwischerei zugleich. Einerseits hat mich selten ein Spiel so sehr mit zu treffenden Entscheidungen gequält, bei denen ich oft mit mir gehadert habe, ob es denn die richtige war. So unbequem muss ein Spiel erst einmal sein und das meine ich als Kompliment! Allerdings finde ich es schade, dass der Origami-Killer immer dieselbe Person ist und dass viele Szenen letztendlich doch identisch enden, während sich die Variation nur dazwischen abspielt. Des Weiteren ist die Laufsteuerung der Protagonisten fummelig und der berühmt-berüchtigte Uncanny Valley-Effekt lässt die fein modellierten Charaktere bisweilen leblos wirken. Die gurkige deutsche Sprachfassung trägt dazu ihr Scherflein bei. Dessen ungeachtet hat mich die Atmosphäre von Heavy Rain ans Pad gefesselt wie kaum ein anderes Spiel in diesem Jahr. Als Ethan für seinen Sohn Essen macht, sich während der Hausaufgaben zu ihm an den Tisch setzt und ihn anschließend ins Bett schickt (oder wahlweise länger Fernsehen lässt), schaudert mir angesichts dieser erdrückenden Banalität des Alltags der Beiden. Solche Momente sind in Videospielen selten und deshalb von großem Wert für Videospiele als Erzählmedium. Dass Heavy Rain dabei nicht aus inhaltlichen wie narrativen Konventionen des Thriller-Genres ausbricht und vereinzelt hanebüchene Situationen beinhaltet, sei diesem ungewöhnlichen wie spannenden Werk verziehen. 

Oliver Schultes meint: Dass Heavy Rain ein besonderes Erlebnis ist, haben meine Kollegen ja schon ausgeführt. Für mich ist es das aber in doppelter Hinsicht: Zum einen finde auch ich das Abenteuer klasse, zum anderen repräsentiert es für mich eine unglaubliche Premiere. Und zwar in puncto Story und Berichterstattung: In der Erstausgabe der M! Games (11/08) habe ich ein sechsseitiges Preview zu Heavy Rain verfasst – und dabei die Auflösung des Spiels verraten! Richtig gelesen: Ich habe geschrieben, wer der gesuchte Origami-Killer ist. 
Allerdings passierte dies mit dem Segen der französischen Entwickler Quantic Dream. Die beiden Studioleiter präsentierten auf der gamescom in Köln eine Mission, in der Madison gegen den explizit so betitelten Origami-Killer kämpft. Offenbar sollte das alles nur ein Beispiel für die Spielmechanik und die Atmosphäre während einer Mission sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Entwickler dermaßen verpeilt sind, das Ende des Spiels einfach so ein halbes Jahr vor dem Release zu verraten. Irgendetwas muss im Studio danach schiefgelaufen sein, vielleicht reichte ihnen die Zeit nicht mehr, die Rolle des Origami-Killers anders zu besetzen bzw. die Story so zu erzählen, wie es ursprünglich geplant war.
Wie dem auch sei: Die meisten Leser haben es entweder nicht bemerkt oder – so wie ich – über die folgenden Monate wieder vergessen, wer der Killer ist. Ein Hoch auf unser Kurzzeitgedächtnis!

Matthias Schmid meint: Hätte mich Entwickler Quantic Dream nicht schon vor Jahren mit dem Überraschungs-Hit Fahrenheit verzückt, würde ich Heavy Rain mit Lob überschütten. So aber ist das PS3-exklusive Abenteuer ‘nur’ ein verbessertes Fahrenheit – mit glaubwürdigerer Geschichte, interessanteren Figuren und besserer Steuerung. Außerdem wurde zum Glück dieser übersinnliche Käse weggelassen, der das Ende von Fahrenheit überschattet hatte. Heavy Rain hat mich mit seinen stillen Momenten beeindruckt z.B. dem trostlosen Spielplatz-Ausflug von Vater und Sohn. Gleichsam fesselten mich die dramatischen Actionszenen – z.B. wie Madison in ihrem Loft überfallen wird oder Ethan durch Saw‘sche Glasscherbengänge kriecht. Auch die Härte mancher Einstellungen (z.B. beim religiösen Eiferer oder im Keller der Horrordoktors) hat mich positiv überrascht. Nach wie vor steht mein Vorsatz: Meinem einmaligen Durchlauf wird auf jeden Fall noch ein zweiter Folgen. Da sind einfach so viele Szenen, deren alternative Verläufe ich noch erleben möchte…

Ulrich Steppberger meint: Kaum ein anderes so penetrant gehyptes Spiel hat mich am Ende so kalt gelassen wie Heavy Rain. Ja, ich habe schon kapiert: Das Ding ist was ganz besonderes, so unglaublich atmosphärisch und emotional mitreißend, die Charaktere haben Tiefgang und überhaupt stellt Heavy Rain die Zukunft des anspruchsvollen Spiels dar und so weiter… Aber will ich in einem Spiel doch gar nicht die Banalität des Alltags nochmal erleben, durch das Aneinanderreihen diverser Quicktime-Event-Vorgänge wird das nicht spannender. Okay, vielleicht (wahrscheinlich?) ginge es mir anders, wenn ich nicht relativ bald das Handtuch geworfen hätte, aber der aufdringliche Quasi-Tiefgang hat mich so genervt, dass ich einfach nicht die Lust drauf hatte, länger dabei zu bleiben. Da hat nichtmal die in meinen (sonst solchen Beigaben wahrlich nicht abgeneigten) Augen völlig überflüssige Duschszene (Nackt! Aber nicht Voyeurismus! Sondern Kunst! Also Tiefgang! Hui!) geholfen. Irgendwie passt außerdem gut dazu, dass die Move-Edition von Heavy Rain die Steuerung nicht intuitiver, sondern fummeliger und nerviger macht…

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 9 – Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

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Thomas Nickel meint: Wer sich 2010 wichtig machen wollte, der prophezeite den Untergang des japanischen Rollenspiels oder erklärte gar ganz keck, das Genre sei ja sowieso schon seit PS2-Tagen klinisch tot. Und dann kommt da ein auf den ersten Blick ganz unscheinbares DS-Rollenspiel an und beweißt allen eindrucksvoll das exakte Gegenteil. Dragon Quest IX erfindet das RPG-Rad nicht neu, fügt dem Genre keinen bahnbrechenden Innovationen hinzu und bietet nicht einmal eine sonderlich komplexe Handlung oder allzu beeindruckende Grafik. Aber wozu auch? Dragon Quest IX stellt klar, dass der klassische Mix aus Dungeon-Krauchen, Monster-Hauen und Party-Aufrüsten auch heute noch riesigen Spaß macht und die Spieler Stunde um Stunde zu begeistern weiß. Und wer allen ernstes behauptet, Dragon Quest IX sei zu leicht,  zu simpel und zu “casual”, der ist wohl nie zum wahren Kern des Spiels, den knallschweren Schatzdungeons und den zahlreichen Teamwork-Aspekten vorgestoßen.

Max Wildgruber meint: Das hübscheste DS-Abenteuer des Jahres trumpft mit einem unschlagbaren Koop-Modus auf, der die Hüter des Himmels durch menschliche Mitspieler zum geselligen Erlebnis macht. So sticht das etwas seichte, aber mit viel Sprachwitz erzählte Rollenspielmärchen noch ein Stück aus der insgesamt sehr hochwertigen J-RPG-Konkurrenz heraus, die den DS in diesem Jahr endgültig zum Leib- und Magensystem für die Freunde von Rundenkämpfen, Stachelfrisuren und kruden, deutschtümelnden Charakternamen machen. An dieser Stelle noch ein herzliches ‘Grüß Gott’ an Vizeadmiral Luitger Sankt sowie die Gebrüder Dietrich und Bastian Schneizer aus Infinite Space.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 10 – God of War III

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Michael Herde meint: Dreimal habe ich God of War III durchgespielt, angefangen auf (zu) ‘leicht’, dann auf ‘normal’ (im Gegensatz zu den Vorgängern auch nicht sonderlich schwer), zuletzt in einem Rutsch auf ‘schwer’, wofür ich knapp zwölf Stunden gebraucht habe. Abgesehen von ein paar frustrierenden Stellen war auch das nicht übermäßig schwierig, zumal Teil 3 einen Trend verfolgt, der mit der PSP-Episode Chains of Olympus begonnen hatte – weniger Rätsel, mehr Kämpfe. Die fiesen Kopfnüsse des meines Erachtens runderen und besseren God of War II fehlen mir in der Serie zusehends. Auch störte mich anfangs, dass der gebrochenen Antiheld Kratos in seinem PS3-Debüt in Sachen Charaktertiefe auf dem Niveau eines Jason Voorhees (Freitag, der 13.) angekommen ist: Beide töten alles, was sich in Sichtweite befindet. Dass aber genau diese Entwicklung Teil der Handlung ist, hat mich gegen Ende genauso überrascht, wie die überbordenden Gewaltspitzen, welche die USK ungekürzt hat durchgehen lassen. Nach dem überwältigend furiosen Auftakt mit Poseidon fällt die audiovisuelle Brillanz leider erstmal spürbar ab, das Kampfsystem muss sich in puncto Flexibilität nicht nur Hits wie Bayonetta chancenlos geschlagen geben, auch Neuzugang Castlevania: Lords of Shadow sticht Sonys Vorzeigegriechen aus. Aber ich stehe auf die Geschichte und den Charakter sowie das Flair der Reihe, wünsche mir für zukünftige Episoden aber ein paar frische Einfälle.

Oliver Schultes meint: Die PS3-Premiere wird dem Image des Kriegsgottes vollauf gerecht: Die Entwickler kleckern nicht, sie klotzen. Bei der grafischen Opulenz, bei der Größe der Gegner, bei der bombastischen Surround-Akustik, bei der Inszenierung von Gewalt. Kratos metzelt ohne Gnade und reißt den Spieler in einen Blutrausch, um ihm zwischendurch dann schonungslos den Spiegel vorzuhalten. In solchen Momenten wirkt God of War III richtig erwachsen. In anderen Bereichen steckt es dagegen immer noch in den Kinderschuhen fest: Einen Levelbereich abzuriegeln, immer wieder neue Gegner hineinzuwerfen und den Spieler bis zum Ende durchhalten zu lassen, ist wenig zukunftsweisend – eher nervig. Genauso wie die anscheinend bei einem God of War obligatorischen unfairen Stellen: Ob Klingenturm im ersten Teil, der immer wieder abgesperrte Pfad zu einem der letzten Bosse in Episode 2 oder nun die rotierenden Würfel – irgendeine Stelle bringt mich garantiert immer zur Weißglut. In solchen Momenten kann ich mit Kratos mitfühlen und seinen unendlichen Zorn teilen!

Matthias Schmid meint: Seit dem Erstling war ich ein glühender Fürsprecher des God of War-Metzelmeisters Kratos: Der Klingenturm? Tolles Spieldesign und fair. Die Rätsel? Fordernd aber nie unlogisch. Doch mit Teil 3 sinkt nicht nur meine Faszination für das stets gleiche Hack’n’Slay-Prinzip, auch Kratos wurde mir zunehmend unsympathischer. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Brutalität, mit der Kratos die Bossgegner verstümmelt, zerstückelt, auseinander reißt oder einfach mal totschlägt, ist selbstzweckhaft und unnötig. Das trifft nicht auf die intelligente Endsequenz zu – hier hat sich Sony Santa Monica ein feines Finale für den Wüterich einfallen lassen. In spielerischer Hinsicht ärgert mich die Fortführung des mit Chains of Olympus-angefangenen Trends hin zu weniger komplexen Tempeln und seichteren Rätseln. Gerade die waren doch willkommene Abwechlsung zwischen der Action und den Zwischensequenzen. Was bleibt ist ein herausragend inszeniertes, grafisch pompöses Gewaltfeuerwerk mit tollen Kamera-Einstellungen, manch coolem Bossfight, traumhaften Landschaften und einer nach wie vor makellosen Steuerung. Ihr seht: Am Ende hat mir God of War III also doch ziemlich gut gefallen…

Ulrich Steppberger: Irgendwie lässt mich die spartanische Schlachtplatte kalt, und ich weiß nicht genau, warum eigentlich. Aber der bombastische Einstieg hat mich beinahe erschlagen, da ist das Spektakel zu massiv – klar, bei einem solchen Spiel klingt eine solche Kritik komisch, aber die Sequenz hat mich eher abgescherckt denn motiviert. Ein anderes Kuriosum am Rande kommt noch dazu: Obwohl mir die Soundkulisse bei einem Spiel nicht am wichtigsten ist, fand ich es merkwürdig, dass die Effekte von Kratos’ Klingen seltsam dünn rüber kamen und im restlichen Klangspektrum beinahe untergingen. Irgendwann will ich die Göttermetzelei trotzdem noch beenden, aber der Stapel der noch zu spielenden Titel ist einfach so hoch…

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 11 – Super Street Fighter IV

20

Michael Herde meint: Auch ein Jahr nach Street Fighter IV gelingt es Capcom mit dem Super-Update nicht, einen rundum zufrieden stellenden Online-Modus anzubieten. Diverse Schwächen von unvorhersehbaren Lags trotz verheißungsvoller Signalstärkenanzeige bis zur häufig ergebnislosen Suche nach Mitspielern in bestimmten Modi bieten Raum für Verbesserung, die Capcom dank zahlreicher teurer Kostüm-Sets zum Download locker finanzieren können müsste. Als unhandlich empfinde ich es zudem, dass das Spiel nur einen Slot für individuelle Tastenbelegungen bereithält. Wer wie ich oft stundenlang auf dem Sofa sitzend mit mehreren Kumpels spielt, von denen jeder eigene Einstellungen bevorzugt, der muss bei jedem Weiterreichen des Controllers erstmal ins Optionsmenü. Vorteilhaft finde ich hingegen die optionale Installation, welche Ladezeiten dramatisch verkürzt. Spielerisch rechtfertigen zahlreiche Feinanpassungen hinsichtlich Reichweite, Dauer und Stärke der Moves den Neukauf, die zusätzlichen Charaktere erweitern das Viertelkreis- und Charge-Spektrum mit interessanten Kämpfern – allen voran Türkenringer Hakan und die Koreanerin Juri. Leider ist SSF IV kaum einsteigerfreundlich, denn trotz an sich simpler Special-Kommandos fallen diese Anfängern schwerer als die Eingabe von Tastenfolgen à la Soul Calibur IV oder Tekken 6. Davon abgesehen sind die dummen Gesichter vor einer Ultra-Combo zum Brüllen komisch und das punktgenaue Timing der Manöver in bester Street Fighter-Manier suchterzeugend. Ich habe in diesem Jahr jedenfalls nur noch ein Spiel ausgiebiger gezockt als Super Street Fighter IV – und dessen Vorgänger verstaubt seither im Schrank.

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Die Spiele des Jahres 2010 – Platz 12 – Fallout: New Vegas

32

EL soNK meint: Fallout 3 war ein epischer RPG-Meilenstein, trotz einer Engine die dem Ödland alle Ehre macht, Ladezeiten oberhalb radioaktiver Halbwertzeit und diverser Bugs – und genau hier legt New Vegas eine Schippe drauf: die gleiche Engine ist zwangsläufig noch älter, die Ladezeiten noch länger, und das Ganze ist instabiler als ein zerfallender Atomkern. Dazu alles weniger episch – die wirre Story um die Fraktionen und den Hoover-Staudamm hat mich nicht wirklich gepackt und von den möglichen Endszenarien hat mich keines befriedigt. Aber HALT! Zum einen gibt es seit kurzem einen Patch, der Ladezeiten und Abstürze dramatisch entdramatisiert – zum anderen spielt New Vegas neben der Hauptstory seine Stärke aus: flirrende Ödland-Atmosphäre, das geliebte Fallout-Gefühl (samt PipBoy), originelle Begleiter und die besten Nebenmissionen der Spiele-Geschichte. Wäre ich nicht ein mit allen verstrahlten Wassern gewaschener Profi-Gamer, hätte ich mir in Vault 11 in die Hose gemacht.

Max Wildgruber meint: Grafisch teilweise schlechter als der Vorgänger und beileibe nicht bugfrei, zeigt sich Obsidian Entertainments Standalone-Add-On dennoch als motivierender Endzeitspielplatz voller Aktionsmöglichkeiten, die von der vergleichsweise uninteressanten Hauptquest ablenken. Wer möchte, zockt stundenlang das komplexe Kartenspiel Karawane, erfüllt die teils abartigen Wünsche der nun mit Persönlichkeit ausgestatten Begleiter, oder bohrt seinen Charakter per Implantaten zur überpowerten Kampfsau auf. Zusätzlichen Spielspaßbonus bringen Elvis, transsexuelle Supermutanten und Ratten von außergewöhnlicher Größe.

Ulrich Steppberger meint: Und ein weiterer Kandidat aus der Rubrik “Wenn zuviel auf einmal da ist, kommt man zu nichts”. Immerhin bin ich wenigstens schon ein Stück weit durch New Vegas marschiert. Die altbackene Technik stört mich eigentlich nicht weiter, denn das Endzeit-Design wird für meinen Geschmack immer noch durchaus ansehnlich auf den Bildschirm gebracht. An den neuen Hardcore-Modus habe ich mich erst gar nicht gewagt, denn New Vegas ist auch so schon fies genug: Wenn man als noch reichlich frischer Level-5-Held mal eben durch die Ödnis marschiert und vor einem gleich drei Radscorpions auf einmal auftauchen, sorgt das für reichlich Herzklopfen… und bis Skyrim kommt, werde ich das Story-Ende hoffentlich doch gesehen haben.

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