Neulich hab ich zufällig eine ehemalige Klassenkameradin getroffen. Eine der ersten Fragen: “Bist du eigentlich nicht bei Facebook?”
Ich: “Nö, wofür denn?”
Sie: “Aber wie soll man dich denn erreichen, wenn wir nochmal ein Klassentreffen haben oder so?”
Telefonbuch???
Nicht dass sie die einzige wäre. Es fragen ja manchmal sogar Arbeitgeber, wenn sie einen nicht im asozialen Netzwerk finden.
Vor ein paar Wochen hat sich mein Walkman verabschiedet. Normalerweise hätte ich mir diesmal wohl einfach einen neuen MP3 Player gekauft, stattdessen hör ich aktuell aber viel mehr CD´s und nehm vor allem auch wieder Silberscheiben mit, wenn ich denn mal Auto fahre.
Kleiner Nebeneffekt, ich höre wieder mehr ganz bewusst statt als Hintergrundberieselung. Gut, im Zweifelsfall könnte ich sogar mein Handy als Player missbrauchen, aber momentan bin ich nicht sicher, ob ich nochmal nen neuen Player holen will, obwohl ich mein möchtegernsmartes Phone gar nicht zum Musikhören benutze.
Wolkig mit Aussicht auf auf Cloudcomputing? Ich geb zu, Imagehoster nutz ich gern mal für einzelne Fotos und Bilder, wenn man bestimmte Daten teilen will können auch Filehoster mal sinnvoll sein. Aber das war´s für mich. Meine gesammelten privaten Daten sollen bitteschön höchstens im Heimnetzwerk zugänglich sein, die muss ich nicht vom Smartphone aus erreichen können, wenn ich gerade in Köln in der Fußgängerzone steh.
Natürlich sind manche Sachen genial. Wikipedia zum Beispiel, freies Wissen für alle.
Auch XYZ-Tubes, weil man neben viel Müll auch viel kreatives findet.
Aber muss ich denn wrklich jeden Mist mitmachen? Darf ich Twitter nicht einfach als totalen Scheiß ansehen? Oft kommt mir das wirklich so vor. Statt Individualismus Gleichschaltung. Statt selbst denken die Meinung der Industrie, irgendwelcher Antis oder Populisten nachquatschen. Dabei ist selbst informieren einfacher denn je.
Statt Discs für mich, Downloads für dich und Streaming für den da vorne die Cloud für alle, weil das die Zukunft ist. Dabei ist jeder nach seiner Facon einfacher denn je.
Wenn ich hier einen Schritt vor, da einen zur Seite und dort einen zurückgehe und hüben stehenbleibe, findet sich für jeden Schritt einer, der mich für bekloppt erklärt.
Ich mag z.B. meine gesammelten Datenträger, ob Bücher oder Discs. Potenziell würde ich wahrscheinlich sogar die ein oder andere Platte kaufen, hätte ich denn einen Dreher dafür.
Da will ich auch gar nicht den Schritt zu Download Only oder gar zu On Demand Diensten gehen. Dafür bin ich von gestern.
Für meinen Wiki-Fandom finden sich auch Leute, die das ganz furchtbar vollpfostig finden. Wieder jemand anders belächelt mich, weil ich kein richtiges, dickes Smartphone mit Internetflat sondern bloß ein kleines Ding hab. Wayne. Is doch mein Bier oder sollte es zumindest sein.
Geradezu absurd, aber irgendwie sind wir gerade in unserer schönen neuen, digitaliserten Welt drauf und dran, wieder mal jeden Individualismus zu verlieren, weil der, der es anders macht, aber erst recht der, der´s noch wie gestern oder gar analog erledigt der Doofe ist.