Geschlechterrollen in Videospielen

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  • #901561
    tarmatarma
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    Ich habe mich schon gefragt, wann das Thema auf deutsche Videospiel Medien übergreift. Dieser Thread bezieht sich auf diesen Artikel: http://www.maniac.de/content/extended-die-frau-als-sex-objekt

    Meine Gedanke dazu sind etwas länger ausgefallen, darum mache ich einen neuen Thread.

    Überbetonung

    Frauen werden in manchen Videospielen in einer Weise dargestellt, die man als herablassend oder gar verachtend gegenüber dem weiblichen Geschlecht bezeichnen könnte. Sei es, weil die Frau “nur” die Rolle der Jungfrau in der Not einnimmt oder weil sie zur sexuell stimmulierenden Fleischbeschau ohne andere Qualitäten reduziert wird. Manchmal auch gerne beides miteinander kombieniert.
    Aber, und hier kommt die grosse Neuigkeit, diese problematischen Stereotypen gibt es genauso bei den Männern. Nach meinem Eindruck sogar in einem grösseren Ausmass als bei den Frauen. Das Bild des männlichen, gefühlstauben, nicht selten absurd muskulösen Protagonisten, der sich nur durch Gewalt ausdrücken kann, findet man in hunderten von Spielen. Das Szenario wo man unzählige männliche Charaktere erschiesst oder sonstwie ermordet ist ebenso gängig.
    Zu männlichen Stereotypen hat “PBS Game/Show” ein Video gemacht, dass diesen Punkt genauer betrachtet. Ein frei übersetztes Zitat daraus: “Diese Idee des entbehrlichen Mannes gibt es schon so lange, dass wir nicht einmal mehr mit der Wimper zucken, wenn wir stundenlang Typen in Videospielen niedermähen.”
    https://www.youtube.com/watch?v=mrActT_7X6U (Video ist in Englisch)
    Der Unterschied zwischen den Stereotypen von Frau und Mann ist lediglich, dass diese Portraitierung der Männer gesellschaftlich akzeptiert und nicht hinterfragt wird. Die Banalisierung von Gewalt und das damit einhergehende Männerbild ist “normal”. Es wird, wie mir scheint, sogar von einer Vielzahl von Videospielern stark unterstützt. Einige mögen mich für verrückt erklären, dass ich Gewalt in Videospielen kritisiere. Die Erwähnung von Gewalt soll nicht vom Thema der Geschlechter-Darstellung in Spielen ablenken. Es fällt mir nur schwer dies zu trennen, da mir heute “Gewalt” und “Mann” in Videospielen fast synonym erscheint.
    Um sich die Doppelmoral klar zu machen braucht man nur ein Beispiel. Stell dir vor, es würde ein Spiel produziert, in welchem eine Protagonistin hunderte von Frauen erschiesst. Würde dieses Spiel so beiläufig durch die Gaming Presse wandern wie die hunderte von Spielen mit dem selben Szenario nur mit männlicher Besetzung? Ich wage es zu bezweifeln.
    Da wir uns also darauf geeinigt haben, dass das Bild des ersetzbaren und gefühlstoten Massenmörder-Mannes in Ordnung ist, können wir uns darauf konzentrieren, dass die Frauen zu wenig aktive Rollen haben oder zu freizügig in den Spielen sind. Ja, das meine ich mit Doppelmoral und Überbetonung.

    Das Vakuum (Huhn oder Ei)

    Stereotypen der Geschlechter sind wohl unvermeidlich. Die Herangehensweise diese Thematik isoliert (im Vakuum) in einem Medium zu betrachten finde ich sehr fragwürdig. Noch fragwürdiger ist es, die Verantwortung oder Schuld für problematische Stereotypen einem Medium zuweisen zu wollen.
    Medien werden von Menschen gemacht und von Menschen konsumiert. Wie eine Gesellschaft die Geschlechterrollen wahrnimmt, wird in den Medien wiedergespiegelt aber auch von ihnen beeinflusst. Es ist eine ständige Wechselwirkung.
    Eine Aussage darüber zu treffen, ob sexistische Inhalten in Videospielen eine Ursache oder eher eine Wirkung von einer sexistisch geprägten Gesellschaft sind, scheint mir sehr schwierig.
    Simple Darstellungen und Verallgemeinerungen von Geschlechterrollen gibt es zudem auch in den Printmedien, im Fernsehen, in Werbung aller Art und auch im Kino zuhauf. Aus meiner Perspektive nehmen Videospiele keine hervorstechende Rolle ein.

    Veränderung, aber wie?

    Trotz alledem könnte man in der Videospiel-Branche mit gutem Beispiel vorangehen. Das Argument “Ja, aber die anderen machen es doch auch.”, ist nicht gerade konstruktiv.
    Aber was heisst das? Müssen bisherige Strukturen geändert werden? Sollte man bei Spiele-Entwicklern eine Frauenquote einführen. Sollte man künstlerische Freiheit beschneiden mit Zensur und (aus meiner Sicht teils stark übertriebener) politischer Korrektheit? Sollte man ein Spiel in der M!Games schlechter bewerten, wenn es sexistische Tendenzen aufweist? Sollte es sogar in der M!Games Redaktion eine Frauenquote geben? Meines Erachtens sind mit solchen Mitteln erzwungene Veränderungen nicht nachhaltig.
    Eine Analyse des jetztigen Zustandes könnte uns dabei helfen, einen besseren Weg zu finden. Was aber zu einer weiteren Schwierigkeit führt. Jenachdem wen man fragt, und ob es gerade in die jeweilige Argumentation passt, wird entweder behauptet, dass die Videospielgemeinschaft ein reiner Männerclub sei oder das andere Extrem, das heute über 50 % der Videospieler Frauen seien.
    Definitionen und Ausschweife darüber, wer und was ein “Gamer” ist, spare ich mir an dieser Stelle. Klar für mich ist, dass es in der gesamten Gemeinschaft sehr verschiedene Spielertypen gibt.
    Mir scheint, dass es (noch) einen grösseren Anteil männlicher Spieler gibt. Dass es in der Entwicklung und im Journalismus einen grösseren Männeranteil gibt, bestreitet eigentlich niemand. Die Gründe, warum ein Medium als Ganzes das eine Geschlecht mehr anzieht als andere können sehr vielschichtig sein. Und Videospiele sind da kein Einzelfall. In diesem Artikel “Why men don’t read” beschreibt eine ehemaliger Herausgeber, wie schwierig es sei, ein sich an Männer richtendes Buch in einem Verlag veröffentlicht zu bekommen.
    http://www.huffingtonpost.com/jason-pinter/why-men-dont-read-how-pub_b_549491.html (in Englisch)

    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.

    Die auch im M!Games-Artikel erwähnte Anita Sarkeesian und ihr Feldzug gegen “die Patriarchie” und die sexistische Videospielgemeinschaft birgt eine gewisse Ironie in sich. Ein oft betonter Kritikpunkt von ihr an der Darstellung der Frau ist, dass sie nur als “damsel in distress” (Jungfrau in der Not) charakterisiert wird. Ihre Rolle beschränkt sich darauf, die Belohnung des männlichen Hauptcharakters zu sein. Als Beispiel dafür nennt sie, dass Peach von Mario gerettet wird.
    Wenn sie sich als Feministin als Opfer einer Patriarchie sieht und diese Anschauung verbreitet, hilft das nicht unbedingt diese Wahrnehmung, den Stereotypen der “Jungfrau in der Not” aufzuweichen.
    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. Ich kann diesem Zitat von Mahatma Gandhi viel abgewinnen. Auch wenn die Kritik von Anita Sarkeesian zum Teil gerechtfertig sein mag, so gibt es gewisse Grenzen was man mit “kritisieren” bewirken kann. Anstatt anderen zu sagen, was sie falsch machen, hat man die Möglichkeit es selbst besser zu machen. Der Grat zwischen konstruktiver Kritik und unkonstruktiver, lähmender Opferhaltung ist ein schmaler.
    Im Fall der Videospiele würde das bedeuten, mach selber ein Spiel, in welchem Frauen so dargestellt sind wie du es wünschst. Die Möglichkeiten dafür sind heute besser als jemals zuvor. Sei eine der starken Frauen, die einfach ihr Ding durchzieht. Wenn Frauen spiele für Frauen wollen, dann macht sie und spielt sie.

    So wird es nachhaltige Veränderungen in der Gesellschaft und in den Köpfen der Leute geben. Mit blosser Kritik am Status quo und indoktrinierter politischer Korrektheit wird eine Veränderung schwierig.
    Die wirkliche Veränderung ist eine gelebte Veränderung und kommt von der Basis, von jeder/jedem Einzelnen. Die Medien mögen an der Oberfläche einen gewissen Einfluss haben, wie wir Geschlechter wahrnehmen und behandeln. Aber wirklicher Respekt und Achtung für das andere Geschlecht (oder andere Menschen generell) kommt nicht durch Kritik oder gedruckte Bilder, Buchstaben oder Pixel.

    #1209867
    greenwadegreenwade
    Teilnehmer

    mein gedanke zu dem thema fällt etwas kürzer aus.

    grundsätzlich ziehe ich lieber mit einem klassischen, männlichen helden ala schwarzenegger in die schlacht. aber bei spielen wie zb. tomb raider oder mass effect störts mich mittlerweile immer weniger wenn die figuren weiblich sind. in gewissem maße zumindest. was nämlich garnicht geht sind kleine schulmädchen oder sowas. dieses mechromancer mädchen bei borderlands 2 zb. ich find ihre skills echt cool, spiel die klasse aber nicht weil ich einfach kein bock auf so ein dummes, kleines mädchen hab. oder auch das ultra metro sexuelle charakter design der modernen final fantasy spiele – extrem abstoßend! da ist mir zb. eine taffe piraten braut aus dragon age 2 tausend mal lieber.

    #1209868
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Mein Gedanke fällt noch viel kürzer aus. Wo bleibt der Zwitter? Ein Held mit Titten und Eiern fehlt irgendwie noch. ^^

    #1209869
    wolffensteinwolffenstein
    Teilnehmer
    ChrisKong wrote:

    Mein Gedanke fällt noch viel kürzer aus. Wo bleibt der Zwitter? Ein Held mit Titten und Eiern fehlt irgendwie noch. ^^

    also nen Zwitter gibt’s doch schon aber eher anders rum schau dir Donkey Kong an der hat weder Eier noch Titten xDD ( ich weiß der war schlecht :P )

    #1209870
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    Hilfe, das Thema verfolgt mich. In der Uni muss ich mich zur Zeit auch mit den Geschlechterrollen rumschlagen. Männer sind auf jeden Fall böse. Und haben einen Penis.

    Aber mal im Ernst, dass Frauen in Videospielen immer etwas unterdrückt und/oder als Sexobjekt dargestellt werden, liegt wohl in erster Linie daran, dass die breite Masse der Konsumenten (junge) Männer sind.

    tarma wrote:
    Im Fall der Videospiele würde das bedeuten, mach selber ein Spiel, in welchem Frauen so dargestellt sind wie du es wünschst.

    Ein Koch- und Putzsimulator würde sich wohl nicht besonders gut verkaufen.

    #1209871
    RavingrabbidRavingrabbid
    Teilnehmer

    @kong
    Kaine, einer der Hauptcharaktere in dem Game Nier, ist ein Hermaphrodit und somit beides.

    #1209872
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    wolffenstein wrote:

    ChrisKong schrieb:

    Mein Gedanke fällt noch viel kürzer aus. Wo bleibt der Zwitter? Ein Held mit Titten und Eiern fehlt irgendwie noch. ^^

    also nen Zwitter gibt’s doch schon aber eher anders rum schau dir Donkey Kong an der hat weder Eier noch Titten xDD ( ich weiß der war schlecht :P )

    Nicht schlecht, aber lebensgefährlich. ^^

    @Rabbid

    Echt jetzt? Das wär ja mal wirklich originell.

    #1209873
    RavingrabbidRavingrabbid
    Teilnehmer

    @kong
    Das Spiel macht generell einiges anders. Kommerziell war es deshalb gerade im Westen nicht wirklich erfolgreich, hat aber eine überzeugte Fanbase.
    Mittlerweile dürfte es auch ziemlich günstig zu haben sein und wenn du offen für experimentierfreudige Videospiele bist, würde ich es mal anzocken. Der Soundtrack allein wäre mMn den Ausflug schon wert.
    Zu Kaine: Sie selbst ist ein recht komplexer Charakter, auch wenn ihr Artdesign zunächst vielleicht einen anderen Schluss zulässt. Falls du es in Erwägung ziehen solltest, das Spiel mal zu spielen, will ich dir aber gar nicht so viel vorweg nehmen.

    #1209874
    ZiepZiep
    Teilnehmer

    Wenns der Geschichte dient, kanns gern ne weibliche Rolle sein. Solangs glaubwürdig ist… ein weiblicher Rambo ginge nicht meiner Meinung nach, aus diversen Gründen. Überbetonung muss nicht unbedingt sein, aber eben auch je nach Geschichte, die Erzählt wird. Wenn es die einzige Komponente ist, sagen wir mal wie bei DoA, finde ich es schon relativ doof und ich glaube, diese Spiele verkaufen sich im Endeffekt nicht ganz so gut wie welche, die eine gute Geschichte erzählen.

    Wenn es darum geht, dass es überhaupt vorkommt… ja, dann kann ich nur sagen, die Frauen suchen sich eben Kämpfe aus,wo sie generell schon nicht schlecht dastehen können. Aber verbieten kann man es den Geschichtenschreibern nicht, und manche machen es vielleicht aus Trotz, denn so wie es Feministinnen gibt, gibts auch den männlichen Gegenpart. Wozu ich den grössten Teil aber nicht zählen würde.

    #1209875
    tarmatarma
    Teilnehmer

    Die Überschrift “Überbetonung” habe ich schlecht gewählt, da sie missverständlich ist. Ich wollte damit sagen, dass ein Thema, nämlich das der Frauen-Darstellung in Videospielen, heftigst diskutiert wird, während das der Männer-Darstellung als gegeben hingenommen wird. Das eine Thema wird in den Medien und in der öffentlichen Debatte “überbetont” während das andere bagatellisiert wird (bzw. ein Nicht-Thema ist und wegfällt).
    Ich gehe gerne noch etwas näher auf das ignorierte Thema “Männer und Gewalt” in Videospielen ein, auch wenn ich den Eidruck habe, dass es speziell bei den Gamern selbst ungern gesehen ist.

    Ich erinnere mich an die 90er, als die Genre der First-Person-Shooter, Third-Person-Shooter nicht so dominant waren wie heute. Es gab Doom, Quake und Unreal auf dem PC. Auf den Konsolen, könnte man fast sagen, war es schwierig ein 3D Shoooter Spiel zu kriegen. Militär-Shotter gab es damals eigentlich nicht.

    Nach 2000 hat es langsam begonnen. Ich habe mir damals das aller erste “Medal of Honor” gekauft. Ich erinnere mich ebenfalls, wie es damals Tabu war ein Kriegs-Spiel zu veröffentlichen, das in der Gegenwart handelt. Das kann man schön daran sehen, dass die ersten Title in der “Call of Duty” und der “Medal of Honor” Serie ausschliesslich in Zweitweltkriegs-Szenarien spielen. Drei bis vier Jahre später war dann auch dieses Tabu überwunden.
    Ein weiteres Indiz für die stark angestiegene Verrohung und Gleichgültigkeit gegeüber diesem Thema sind die Spiele-Indizierungen. Was vor 15 Jahren noch indziert wurde wirkt im Verlgeich zu den heute gängigen Gewaltdarstellungen wie ein Witz und ist schon einem achtjährigen Kind zugänglich. Das hat nichts damit zutun ob ich Indizierung geretfertig finde, sonder soll nur einen Trend aufzeigen.
    Wem die schiere Menge an Shooter nicht ausreicht um diesen Trend kritisch zu hinterfragen, der könnte sich diesen Artikel “Shooters: Wie Videospiele die Waffenhersteller finanzieren” (Artikel in Englisch) auf Eurogamer durchlesen.
    http://www.eurogamer.net/articles/2013-02-01-shooters-how-video-games-fund-arms-manufacturers

    Letztendlich plädiere ich dafür, dass alle Stereotypen in den Medien kritisch betrachtet werden. Aus meiner Sicht ist das Bild des “gefühlstoten Massenmörder-Mannes” problematischer, weil es mir viel zerstörerischer erscheint und mit dem Videospiel-Medium sehr effektiv seine Zielgruppe findet.
    Das bild der Frau als “inaktive Nebenfigur, als Belohnung für den Mann und als reines Sexobjekt” ist ebenfalls problematisch.

    Aber bitte lasst uns nicht vortäuschen, dass das weibliche Geschlecht das alleinige Opfer ist von Stereotypen und modernen Medien. Es ist doch etwas zu ironisch, wenn wir die Frauen in der wirklichen Welt zu etwas erklären, was sie in der Fiktion nicht sein wollen.

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