
(Ursprünglich erschien dieser Artikel in der MAN!AC 05/08)
Das Interview mit Prof. Pfeiffer (siehe hier) sorgte bei Euch für erhitzte Gemüter und rege Beteiligung in Forum und Leserbriefen. Derweil konfrontierten wir den Kölner Spieleforscher Prof. Dr. Jürgen Fritz und Electronic Arts mit den geäußerten Bestechungsvorwürfen. Martin Lorber, Head of PR bei EA (links) und Prof. Fritz (rechts) nehmen Stellung zu den Anschuldigungen.
Martin Lorber, Head of PR, Electronic Arts
Ich habe Christian Pfeiffer schon mehrmals im persönlichen Gespräch erläutert, dass er in Bezug auf das Spiel Der Pate einem schlichten Irrtum unterliegt.
Er verwechselt die Darstellung der Handlung beziehungsweise die verschiedenen Handlungsoptionen mit einer möglichen moralischen Aussage des Spiels. Das Spiel thematisiert – wie auch die zugrunde liegende Filmtrilogie – die Brutalität der Mafia im New York der 40er- und 50er-Jahre. Natürlich kommt diese Brutalität daher im Spiel vor. Das sagt aber nichts über eine mögliche moralische oder ethische Haltung des Spiels aus. Auf keinen Fall ist es so, dass das Spiel die Gewalt und die Methoden der Mafia verherrlichen würde.
Deshalb ist es auch völlig unsinnig, wenn Professor Pfeiffer allein aus der Anwesenheit von Gewalt und der Darstellung der Mafiamethoden im Spiel dessen Amoralität ableitet.
Diesen Flüchtigkeitsfehler will ich ihm gerne nachsehen. Nicht akzeptabel aber ist seine Behauptung, Professor Dr. Jürgen Fritz, Professor Dr. habil. Winfred Kaminski und andere Beamte des Landes Nordrhein-Westfalen, die an der Fachhochschule Köln arbeiten, ließen sich von EA bestechen und würden daher gerne das sagen, was uns als Geldgeber gefalle. Richtig ist, dass das Institut Spielraum der Fachhochschule Köln unter anderem von EA finanziell unterstützt wird. Wir folgen mit diesem Engagement dem Auftrag der Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen und ihres nordrhein-westfälischen Amtskollegen Armin Laschet, die im Februar 2007 gefordert haben, dass die Beratungsangebote für Eltern durch Wirtschaft, Länder und Bund verbessert werden sollten.
Diese Aufforderung bedeutete nichts anderes, als dass die Wirtschaft entsprechende Beratungsangebote finanziell unterstützen solle. Die Unterstellung, die Urteile und Äußerungen von Professor Dr. Jürgen Fritz hätten sich durch die Unterstützung von Spielraum durch EA geändert, ist natürlich lächerlich. Das kann man ja schon daran ablesen, dass sich Professor Dr. Jürgen Fritz bereits seit Jahrzehnten mit der Thematik auseinandersetzt und beispielsweise für die Bundeszentrale für politische Bildung (die sicherlich auch Professor Pfeiffer für unverdächtig hält) entsprechende Bücher und Artikel verfasst. An seiner grundsätzlichen Haltung hat sich seit dem finanziellen Engagement von EA bei Spielraum nichts geändert.
Dass Hochschulen Drittmittel akquirieren, ist im Übrigen seit Jahren selbstverständliche Praxis und von der Politik ausdrücklich so gewünscht. Auch das Pfeiffer-Institut in Niedersachsen finanziert sich ja zu einem Großteil über Drittmittel aus der Industrie.
Was mich bei einem Juristen, der auch als Wissenschaftler gerne ernst genommen werden würde, überrascht, ist Folgendes: Wider besseres Wissen behauptet er nach wie vor, Spiele mit Gewaltdarstellungen würden stets höhere Verkaufszahlen erreichen als Spiele ohne Gewaltdarstellungen. Ein kurzer Blick in die Verkaufscharts von media control genügt, um diese Mär zu widerlegen.
Es mag in seine Ideologie nicht passen, aber das meistverkaufte Computerspiel aller Zeiten ist immer noch Die Sims, und Spiele wie FIFA, Need for Speed oder Nintendos Gehirn-Jogging rangieren natürlich weit vor den Gewaltspielen in den Verkaufscharts. Das weiß Pfeiffer aber.








