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Jäger der verlorenen Schätze

Nun, da der Siegeszug ”virtueller” Spiele, freigeschaltet oder in der Cloud geteilt, Realität und Gegenwart ist, besinnen sich viele zurück auf ”echte” und gut aufgemachte Spiele: Die Suche nach und Pflege alter Software, die der reguläre Fachhandel längst aus dem Regal warf, ist generations­übergreifender Spaß und Hobby (das nicht unbedingt teuer sein muss).

Angesichts ungebremster Downloads, Streaming, Sharing – sterben physische Videospiele? Sind ”Boxed Games”, Datenträger und Verpackung anachronistisch und somit reif für die Entsorgung? Die Szene teilt sich: Ein Teil der ­Spieler will Spaß schnell und günstig aus dem Netz, auf Festplatte oder in der Cloud, nicht als Staubfänger im Regal, und verzichtet für ein paar Euro weniger auf Hülle und Cover. ­Andere wünschen das komplette Spiel und ein haptisches Erlebnis – edle Software, gut aufgemacht und dokumentiert, in einer schönen Schachtel, gerne auch als Limited, Special oder Collector’s Edition.

Mario Bros. Donkey Kong
1986: Ikonen der 1980er: Nintendos erste europäischen Spiele, mit klassischem Automaten-Artwork und in quadratischer Packung.

Auch die Nachfrage nach klassischen Spielen, ihren Boxen und Regelheften steigt, nicht zuletzt durch erwachsene Spieler, die sich auf ihre Kindheits- und Jugend-Favoriten besinnen. Obwohl das Netz jedes 8-, 16- und 32-Bit-Meisterwerk emuliert, suchen und horten sie das Datenträger-Original – für den geselligen Multitap-Abend, zum Anschauen für die ­Vitrine oder eingemottet als Geldanlage. Es gibt Sammler, die eine ganze Immobilie mit Oldies füllen, andere selektieren kritisch, damit die perfekte, persönliche Auswahl in ein Regalfach passt. An potenziellen Sammlerstücken und Exponaten mangelt es nicht: In den letzten vier Jahrzehnten erschienen über 100.000 ­Videospiele. Jedes davon ist noch irgendwie und irgendwo zu finden, im Internet, auf dem Flohmarkt – oder im eigenen Keller.

Rare Artefakte

Was macht ein Videospiel zum Sammlerstück? Welche Konsolen- oder Handheld-Titel ­bleiben wertvoll, werden uns (und anderen) sogar teurer über die Jahre? Meist macht ein ­Zusammentreffen mehrerer Faktoren (gold markiert) ein Game besonders, der Aufbewahrung und der Vitrine würdig: Zum einen natürlich die Spielspaß -Qualität, der gute Ruf in der Szene, die persönliche und die Expertenmeinung. Ein Titel, den über Jahrzehnte alle loben, den eine Generation oder gar ­mehrere Altersklassen verehren, kurz: ein Klassiker, behält seinen Wert – ganz im Gegensatz zum 08/15-Titel, der schon im Erscheinungsjahr, egal ob 1985 oder 2005, keinen interessiert.

Wonder Boy Takawashi Meijin No Bookenjima
1986: ein Schatz, weil technisch und ästhetisch exotisch: Hudsons Ur-”Wonder Boy”, ”Takawashi Meijin No Bookenjima” alias ”Adventure Island” auf Bee-Card.

Von unvergänglichen Software-Lieblingen wie ”Loderunner”, ”Maniac Mansion”, ­”Metal Gear”, ”Zelda” oder ”Mario Kart” wollen und suchen viele Sammler explizit die Originalauflage, keine Lokalisierung oder Portierung – die Urversion ist authentisch, hat oft ein schöneres Cover oder eine bessere Verpackung und ist vor allem nicht durch mangelhafte Übersetzung, regionale Zensur oder miese NTSC-auf-PAL-Anpassung verdorben. Die US- und Japan-Versionen vieler 16- und 32-Bit-­Actionspiele sind teuer auf dem ­Gebrauchtmarkt und oft technisch in Geschwindigkeit, Bildrate und Grafikformat der PAL-Umsetzung überlegen. Anders verhalten sich Wertschätzung und Wertentwicklung japanischer 8- bis 32-Bit-Rollenspiele, zum Beispiel ”Lunar” oder ”Suikoden”: Eine saubere US- oder Euro-Übersetzung kostet viel mehr als das japanische Originalspiel, weil international verständlich. Kurz: Bei Bewertung und Kauf eines Klassikers ist die korrekte Fassung zu beachten.

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Winnie Forster
Winnie ist Co-Gründer von Cybermedia und M! Games, sein Fachbuchverlag GAMEplan.de - spezialisiert auf die Technik, Ästhetik und Geschichte der Computer- und Videospiele.

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SxyxS
I, MANIAC
Gold MAN!AC

Muchas Gracias

Danijel78
I, MANIAC
Maniac

In Büchern kann man allerhöchstens erfahren welche Spiele allgemein teuer gehandelt werden oder selten sind. Für Preise ist diese Form aber einfach viel zu unzuverlässig weil Preise sehr stark fluktuieren können. Preisführer in Buchform ist absoluter quatsch. Ich orientiere mich generell an https://www.pricecharting.com/ Dort erhält man mMn den aktuell realistischsten Preis der durchschnittlich für ein bestimmtes Spiel bezahlt wird.

EXZELLSION
I, MANIAC
Intermediate (Level 2)

SxyxSSxyxS Also für den Mega Drive und den SNES gibts echt gute Nachschlagewerke!

SxyxS
I, MANIAC
Gold MAN!AC

Ein hervorragender Fundort für verlorene Schätze ist mein Schandstapel–
dort haben sich über Jahre hinweg Sachen wie Afrika,Pikmin2 oder die Black Phantom Edition(+div vita games) prächtig entwickelt um einen Teil der unnötigen Backlogkosten zu kompensieren.
Allerdings suche ich immer noch nach einer Art halbwegs verbindlichem Preisführer im Netz oder in Buchform um nicht mühsam nach jedem einzelnen Spiel zu recherchieren.
Leider bringt einen der Artikel in dieser Hinsicht auch nicht weiter.

AkiraTheMessiah
I, MANIAC
Maniac (Mark III)

Ich habe noch im Keller .. alte Spiel für die Freundin liegen und der Sony PS1,2 und 3.

Werde ich mal bei Gelegenheit durchstöbern. 🙂

EXZELLSION
I, MANIAC
Intermediate (Level 2)

Ich bin auch ein bisschen dem Sammelwahn verfallen 😀 Hauptsächlich MEGA DRIVE…Hat jemand ein günstiges ECCO JR? Nein, ich gehöre einfach zu denen, die das Haptische doch sehr schätzen.