Düstere Zukunft?
Das Erfurt-Massaker hat die Diskussion über gewalttätige Medien neu entfacht und quer durch alle Parteien wurde der Ruf laut, Killerspiele stärker zu reglementieren respektive zu verbieten. Dies führte u.a. zu einem Neuentwurf des Jugendschutzgesetzes (einsehbar hier), der u.a. Kennzeichnung und Abgabe von Videospielen neu regelt: So entscheidet – sofern das Gesetz in dieser Form verabschiedet wird – künftig ein FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)-Sticker auf der Verpackung über die Altersfreigabe. Damit werden die interaktiven Medien den Filmprodukten gleichgestellt, die rechtlich nicht bindenden USK-Empfehlungen weichen den verbindlichen Kennzeichnungen Freigegeben ohne Altersbeschränkung, Freigegeben ab sechs Jahren, Freigegeben ab zwölf Jahren, Freigegeben ab sechzehn Jahren und Keine Jugendfreigabe. Das heißt, Jugendliche unter 18 Jahren dürfen Software nur mit entsprechendem Altersnachweis erwerben und der Internet-Handel mit Produkten aus letzterer Kategorie (unter die z.B. auch Silent Hill 2 und GTA 3 fallen würden) müsste gänzlich unterbleiben.
Wer aufgrund des immensen Drucks seitens der Politik und der Öffentlichkeit schon das Schlimmste für sein Lieblings-Hobby befürchtete, wurde am 16. Mai 2002 unerwartet positiv überrascht: An diesem Tag entschied die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS, künftig BPjM – Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) über den Indizierungsantrag des PC-Ego-Shooters Counterstrike, der u.a. bei Robert Steinhäuser gefunden wurde. Zu unser aller Überraschung und des Bundeskanzlers Verwunderung lehnte die BPjS den Antrag ab – die vowiegend in LAN-Kreisen beliebte Taktik-Action ist weiterhin für jeden frei erhältlich. Während Gerhard Schröder im Kanzleramt beim Runden Computer-Tisch mit 15 Vertretern von Internet-Providern und der Video- und Computerspiele-Industrie die Entscheidung mit Ich halte das für ein absolut verkehrtes Signal! kommentierte, jubelte die Counterstrike-Gemeinde ob des unerwarteten Urteils. Bei dem Treffen im Kanzleramt einigten sich die Teilnehmer auf die Förderung der Medienkompetenz in Schule und Elternhaus, auf verstärkte Information der Erziehungsberechtigten seitens der Industrie und auf den Einsatz von Arbeitsgruppen, die sich weiterhin mit der Thematik beschäftigen.
Was diese Aktionen letztlich für uns Videospieler bringen werden, ist noch nicht abzusehen – das zeigen erst die folgenden Monate.








