Videospiele – die Saat der Gewalt?

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“Medienkompetenz erreicht man nicht durch Verbote und Kontrollen.”

Wir sprachen mit Hermann Achilles, Geschäfts­­führer des VUD (Verband der Un­ter­hal­tungs­soft­ware Deutschland e.V.), über die Reaktionen und Anliegen der Industrie.

M!: Nach Erfurt folgte eine beispiellose Hetz­kam­pagne von Medien und Politik ge­gen Video- und Computerspiele. Warum hat die In­du­strie bzw. Ihr Verband nicht an­­ge­messen auf die Vorwürfe reagiert? Oder ge­schah das in Ihrem Sinne?

Achilles: Was wäre denn Ihrer Meinung nach ei­­­ne angemessene Reaktion gewesen? Sich ein­zu­rei­hen in die Polemik? Wir haben in den er­sten Tagen je­de Anfrage individuell beantwor­tet, ca. 40 In­ter­views gegeben und verschiede­ne Fernsehauftritte ge­habt. Man muss sich doch ein­mal klar darüber sein, dass die Pu­bli­kums­me­dien sich schnell auf den „Sün­denbock“ Ga­mes eingeschossen hatten, um u.a. von sich selbst abzulenken. Glauben Sie ernst­haft, dass ge­rade diese Medien dann dem Sün­den­bock die Chan­ce der Publikation geben, besonders dann, wenn sie selbst in den Fokus geraten? Die Pres­­se­meldung des VUD kam zum richtigen Zeit­punkt, war ausgewogen formuliert und hat uns sofort an die Tische der Diskussionskreise geführt.

M!: Wie kann es sein, dass unser Hobby in Deutsch­­land immer noch einen derart schlech­­ten Ruf hat, dass man es beliebig zum Prü­­gelknaben für gesellschaftliche Probleme ma­­chen kann?

Achilles: Was tun wir Hersteller, Anbieter aber auch Spieler dafür, dass sich das ändert? Das muss sich sicherlich auch der VUD fragen las­sen. Öf­fent­lich­keitsarbeit fängt aber schon mit jedem Produkt bzw. dem Marketing dazu an. Wo werden die Pro­duk­te beworben? Ei­gent­lich doch immer noch über­wie­gend in den In­si­der-Magazinen. Die komplette An­sprache ist nicht auf Otto-Normalverbraucher aus­gerich­tet. Der gehört ja nicht zur Zielgruppe, oder viel­leicht doch? Die Freaks müssen wir nicht mehr gewinnen. Wir müssen jetzt neue Ziel­grup­pen überzeugen, dass sie die Welt der Com­pu­ter­spie­le verstehen und zumindest tolerieren. Da sind ne­ben den Herstellern genauso die Pu­bli­kationen wie aber auch die Gamer selbst ge­for­dert.

M!: Wird die Industrie Schritte unternehmen, um jugendgefährdende Inhalte in Deutsch­land besser kontrollierbar zu machen?

Achilles: Medienkompetenz erreicht man nicht durch Verbote und Kontrollen. Nur weil es verbo­ten wird, ist es ja noch lange nicht ver­schwun­­den. Man kann nur auf die mögliche Ge­fähr­dung hin­wei­sen und über die Inhalte offen­siv diskutieren. Das macht die Industrie schon seit Jahren in Zu­sam­menarbeit mit der USK.

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