Das Wandern ist des Müllers Lust Wander ist des Spielers Frust. Die australischen Indie-Entwickler von Wander MMO wollten zeigen, dass man sehr wohl ein Online-Spiel ohne Voice Chat, Kämpfe und andere Herausforderungen machen kann. Einfach in Ruhe eine Tropeninsel erkunden, im Meer schwimmen und sich entspannen hört sich in der Theorie gut an. Aber schon bald wünscht man sich, die 25 Euro lieber in ein paar Freibadbesuche oder ein Zugticket raus ins Grüne investiert zu haben.
Ihr startet als Baumwesen auf einer einsamen Insel. Erklärt wird nichts, also stapft Ihr einfach drauflos. Schon bald findet Ihr Steine mit leuchtenden Symbolen. Diese erzählen entweder eine Geschichte oder sie zeigen ein Zeichen der Spielsprache Rhozda. Diese reiht Ihr entweder aneinander, indem Ihr sie auf dem Touchpad nachzeichnet (sehr nervig, obwohl Eure Krakelei nach einem Patch mittlerweile auf dem Bildschirm angezeigt wird) oder Ihr wählt sie mit dem Steuerkreuz aus. Außerdem weisen Euch Operngesänge den Weg zu besonderen Monolithen, an denen Ihr lernt, Euch in andere Gestalten zu verwandeln: Als Mensch lauft Ihr am schnellsten und vollführt mit den Schultertasten Skydiving-Tricks in der Luft, der Greif kann fliegen und ein Echsenwesen besonders schnell tauchen.
Und das war es dann auch. Interaktion mit anderen Spielern, wie man sie von einem MMO erwarten würde, findet kaum statt. Während unserer gut zehnstündigen Testphase begegneten uns gerade mal drei Mitstreiter! Als Suchobjekte gibt es nur die oben erwähnten Steine. Immerhin entfernten die Entwickler mittlerweile das (unsichtbare) Ausdauersystem, das Euer Alter Ego nach kurzer Zeit keuchend in einen Kriechgang zwang, was dem Forscherdrang nicht guttat. Und im Untermenü (das Ihr per Dreieck-Taste aktiviert) sind die Inseln nun nicht mehr schwarz und damit nutzlos, sondern zeigen die Topografie. Trotzdem: Habt Ihr alle vier Gestalten beisammen und Euch an den Inseln, den leeren Häusern und dem Meeresboden sattgesehen, bietet Wander einfach keinerlei Anreiz, um weiterzuspielen. Vielmehr stechen die zahlreichen technischen Mängel immer mehr ins Auge, je länger Ihr wandert: Die Landschaft baut sich deutlich sichtbar vor Euch auf, Eure Spielfigur clippt munter durch Felsen, zweimal ging uns der (nur serverseitig gesicherte) Speicherstand flöten. Dazu gesellt sich eine minimale Soundkulisse aus Umgebungsgeräuschen. Am Ende können wir den Entwicklern nur ein Stets bemüht-Zeugnis ausstellen. Das Experiment Wander zeigt, dass ein Videospiel eben doch eine Art Ziel oder wenigstens Beschäftigungsmöglichkeiten braucht.
Tobias Kujawa meint: Zu Beginn war ich von Wander positiv überrascht: Die Welt machte mich neugierig, das Zeichensystem und die Gestaltwandlungen waren innovativ, ich erhoffte mir Überraschungen und Geheimnisse. Was dann kam, war alles andere: nämlich pure Langeweile und Behäbigkeit. Es gibt schlicht nichts zu tun! Was nutzt mir meine Greifenform, wenn sich der Vogel mit der Behäbigkeit eines Jumbos bewegt? Was soll ich mit einer Zeichensprache, wenn ich niemanden treffe? Warum soll ich lustwandeln, wenn es nur zwei Umgebungen (Tropeninsel und Unterwasserwelt) gibt?
Friedvolles MMO-Experiment, dem es an Feinpolitur und Inhalt mangelt.
| Singleplayer |  | 3 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |