Wer die früheren Geschehnisse rund um die Third Street Saints vom Publisherwechsel bis hin zu mehrfach umgekrempelten Veröffentlichungs- und Fortsetzungsplanungen kennt, wundert sich nicht: Natürlich muss die ehemalige Straßengang auch beim Sprung auf die neue Hardware-Generation eine Extrawurst braten. Das übliche Konzept, einfach nur den letzten noch für die alten Konsolen entstandenen Serienteil mehr oder weniger aufwendig zu überarbeiten und samt etwaigen DLCs anzubieten, ist hier nur die eine Hälfte. Die andere besteht aus einem komplett neuen Mini-Abenteuer, das gänzlich separat vom Hauptspiel gehalten ist (in schönstem Neudeutsch also als Standalone-Erweiterung firmiert). Und weil man beides nicht mit einem kompakten Titel versehen kann, kommt als Ergebnis ein sperriges Namensmonster heraus: Saints Row IV: Re-Elected & Saints Row: Gat out of Hell so kann man auch auffallen.
Hauptteil des Pakets macht mit Re-Elected die aufgemotzte Umsetzung von Teil 4 (80% in M! 09/13) inklusive DLC-Erweiterungen aus. Die meisten davon sind vernachlässigbare Waffen- und Charaktersets, einen längeren Blick lohnen Enter the Dominatrix (siehe M! 12/13) und How the Saints saved Christmas (siehe M! 02/14) beides sind ein bis zwei Stunden lange, in das Hauptspiel eingebettete Story-Add-ons mit besonders schrillen Gimmicks und Einfällen. Bei Re-Elected wurde die übliche Open-World-Action im Rahmen der skurrilen Grund-Prämisse trickreich erweitert: Ihr müsst Euch in einer virtuellen Welt gegen außerirdische Invasoren behaupten und werdet dazu mit allerlei Superkräften wie Riesentempo, Sprungkraft oder Telekinese ausgestattet. So entwickelt sich launiger Krawall, der allerdings nie die Klasse des bisherigen Serien-Highlights (Teil 3) erreicht. Natürlich schraubten die Entwickler an der Technik, das Ergebnis ist allerdings nur durchwachsen: Zwar wurde das seinerzeit auf PS3 und Xbox 360 allgegenwärtige Tearing ausgemerzt, dafür wirken Charaktermodelle und Texturen sehr Last-Gen. Zudem schwankt die Bildrate ständig offenbar wurde sie nicht gedeckelt, weshalb die (seltenen) Ausbrüche in Richtung 60 Bilder pro Sekunde eher unangenehm als sehenswert ins Auge fallen.
Neu ist Gat out of Hell, eine separat spielbare Solo-Kampagne, in der sich Johnny Gat und Kinzie das Rampenlicht teilen: Weil der eigentliche Hauptcharakter (Ihr in der Rolle des Präsidenten der USA) von Satan entführt wird, um ihn mit seiner Tochter zu verheiraten, macht sich das Duo auf den Weg in die Hölle, um das zu verhindern. Dort angekommen, erwarten Euch ein neuer, sowohl visuell als auch in Sachen Abwechslung nur leidlich interessanter Schauplatz sowie eine Handvoll Charaktere, die nicht den Charme der abwesenden Saints-Kumpanen erreichen. Generell überrascht die Einfallslosigkeit der Entwickler: Gimmicks und Story-Schnipsel sind rar gesät und meist fade, alle übernatürlichen Fähigkeiten wie Elementattacken bekommt Ihr im Eiltempo am Anfang in einem Rutsch aufgedrückt. Die meisten Aufträge sind einfach Recycling der überall verteilten Mini-Aufgaben, die sich wiederum meist als leicht abgewandelte Varianten der alt bekannten Disziplinen aus dem Hauptspiel entpuppen.
Und statt mit Supersprüngen über die Umgebung hüpfen zu können, haben Gat und Kinzie Engelsflügel in der Hölle verliehen bekommen, mit denen sie ersatzweise gleiten. Allerdings kostet auch das wieder Ausdauer, zudem müsst Ihr auf realistische Einflüsse wie Schwungverlust und das damit verbundene Absinken achten in der Praxis stellt sich das bei den überdrehten Geschehnissen als nerviger Ballast heraus. Wenig überraschend dürfte sein, dass Gat out of Hell technisch das mittelmäßige Niveau von Re-Elected teilt.
Ulrich Steppberger meint: Ich mag die Saints ehrlich. Aber wenn es so weitergeht, bin ich nicht traurig, wenn Kinzie, Gat & Co. in Rente geschickt werden. Teil 4 gefällt dank seiner konsequent irren Ideen und zahlreichen launigen Anspielungen immer noch, auch wenn das virtuelle Szenario nicht das Gelbe vom Ei ist. Gat out of Hell wirkt dagegen eigentümlich lust- und ideenlos: Kaum witzige Dialoge und Situationen, eine fade wie limitierte Umgebung und plattes Recycling der immer gleichen Aufgaben? Das ist enttäuschend für einen Semi-Nachfolger und umso ärgerlicher, da der Einfallsreichtum stets die Stärke von Saints Row war im Gegensatz zur Technik, die auf den alten Konsolen nie gänzlich überzeugte. Da passt es ins Bild, dass auch auf PS4 und Xbox One grafisch gerade mal Mittelmaß erreicht wird. Trotz aller Meckerei: Wer Saints Row IV noch nicht kennt, bekommt hier viel schräge Unterhaltung für sein Geld Gats Höllentripp und/oder die Aussicht auf (begrenzt) bessere Technik taugen dagegen nur bedingt als Kaufgründe.
- beinhaltet Teil 4 mit allen DLCs und eine separat spielbare Mini-Kampagne
- “Gat out of Hell” auf PS4 als DLC-Code dabei, auf Xbox One auf der Blu-ray
- zahllose Sammelaufgaben und viele schräge Gags vor allem im Hauptspiel
- Gat-Add-on hat 5 verschiedene Enden
Durchgeknallter Open-World-Klamauk mit viel Krawall-Charme, technisch allerdings nur Mittelmaß und der neuen Gat-Story fehlt der Pfiff.
| Singleplayer |  | 80 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |