Cut! Beim Film ist dieser Ausspruch meist ein Signal zum Aufatmen. Die Schauspieler sind fertig, die Szene ist im Kasten. Alles kehrt für einen Moment zur Normalität zurück. Wenn es bei Videospielen Schnitt heißt, bedeutet das: Frust, Ärger, Unmut. Gerade deutsche Spieler fühlen sich immer wieder von der hiesigen USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) gegängelt, denn Spiele mit einer Ab 18-Freigabe müssen immer wieder für den deutschen Markt angepasst werden. Das jüngste Beispiel ist die Hongkong-Action Sleeping Dogs, deren deutscher Release sich, bedingt durch die erforderlichen Schnitte, noch ein wenig nach hinten verschiebt. Aber was bedeuten Schnitte eigentlich für ein Videospiel? Ist jeder fehlende Bestandteil auch direkt ein Verlust hinsichtlich des Spielspaßes?

Deutsche Spieler schielen schon lange neidisch auf das Ausland. Österreich und England kennen Schnitte in Videospielen in der Regel nicht, weshalb ein Import aus dem entsprechenden Staat hiesigen Kunden das Spiel ihrer Wahl in Reinform beschert. Immer wieder äußert sich Unmut über fehlende Inhalte in deutschen Videogames für Erwachsene, denn die Entscheidungen der USK sind aus der Entfernungen häufig unverständlich. Ein gutes Beispiel ist in diesem Kontext die Gears of War-Reihe für Microsofts Xbox 360. Stand bei den ersten beiden Teilen eine Deutschland-Veröffentlichung noch nicht zur Disposition, so kam Ableger Nummer drei völlig ungeschoren durch die Kontrolle und musste sich keinerlei Schnitten unterziehen. Damit stand einem Verkauf im stationären Handel nichts mehr im Weg. Wer jedoch die Spiele rund um Marcus Fenix, Cole Train und jede Menge Locust verfolgt hat, reibt sich ob dieser Tatsache verwundert die Augen, denn Gears of War 3 ist in seiner Inszenierung sicher nicht weniger brutal als seine Vorläufer.
Die USK selbst begründete Ihre Entscheidung dazu unter anderem so (Zitate aus: Entscheidung Nr. 9919 (V) vom 28.6.2011, entnommen aus: M! 10/2011, S. 15): [Indizierungsfähigkeit] setzt in jede Fall voraus, dass es sich um Gewaltdarstellungen gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen handelt. Menschenähnliche Wesen sind solche, die ihrer äußeren Gestalt nach Ähnlichkeit mit Menschen aufweisen. (
) Die Locust-Krieger, die sich noch aus der Ferne als die menschenähnlichsten Gegner darstellen, weisen bei Nahsicht echsenähnliche Gesichter auf, so dass es sich auch hier nicht um Menschen handelt, sondern in jedem Fall nur um menschenähnliche Gegner. Hinzu kommt, dass die Anzahl dieser Gegner gegenüber den Vorgängerspielen erheblich reduziert wurde, was im Gesamteindruck bewirkt, dass der Hauptinhalt des Spiels nicht darin besteht, Menschen bzw. menschenähnliche Wesen zu töten.