Bevor das aus dem Ruder läuft, lassen Sie es mich erklären”, schrieb gestern Darrell Gallagher, Chef von Crystal Dynamics, in einer offiziellen Stellungsnahme auf der Tomb Raider-Website.
“Das”, was da aus dem Ruder läuft, sind die Spekulationen über die Äußerung des ausführenden Produzenten Ron Rosenbergs über die Szene einer versuchten Vergewaltigung im Trailer zum kommenden Tomb Raider-Spiel. Im Interview mit Kotaku beschrieb Rosenberg eine entscheidende Szene im Leben von Heldin Lara Croft, wobei er sich auf den E3-Trailer “Crossroads” bezog:
Rosenberg: “[…] ihre beste Freundin wird entführt, sie wird von Plünderern auf der Insel gefangen genommen. Sie versuchen, sie zu vergewaltigen, und…” Kotaku: “Sie versuchen, sie zu vergewaltigen?” Rosenberg: “Sie verwandelt sich buchstäblich in ein in die Enge getriebenes Tier. Und das ist ein riesiger Schritt in ihrer Evolution: sie ist entweder gezwungen, sich zu wehren oder zu sterben – und das ist es, was wir heute zeigen wollen”
Gallagher erklärte jetzt in einer offiziellen Stellungsnahme, dass die gezeigte Szenerie zwar bedrohlich ist, aber keine versuchte Vergewaltigung darstelle:
Einer für Laras Charakter entscheidender Moment im Spiel, der falsch als Szene einer “versuchten Vergewaltigung” bezeichnet wurde, ist der Inhalt des von uns auf der diesjährigen E3 gezeigten Trailer mit dem Titel “Crossroads’, den sich bereits über eine Million Menschen angesehen haben. Dort wird gezeigt, wie Lara gezwungen ist, zum ersten Mal einen anderen Menschen zu töten. In diesem speziellen Abschnitt, in dem es eine Sequenz mit bedrohlichem Unterton inmitten dieses Dramas gibt, geht es nie weiter, als die Szenen, die wir haben bereits öffentlich gezeigt haben. Sexuelle Übergriffe jeglicher Art sind definitiv kein Thema, dass wir in diesem Spiel abdecken wollen.”
Der Crystal Dynamics-Chef entschuldigte sich für die Falsch-Darstellung und gelobte, dass das Team zukünftig “sicherlich vorsichtiger sein wird mit dem, was es sagt.”
Doch auch wenn Rosenbergs Worte falsch gewählt waren: Sieht man sich die besagte Szene im Trailer an, können sich selbst wenig phantasiebegabte Naturen vorstellen, dass der Kerl, der Lara dort bedrängt, kein Schwätzchen mit ihr halten will. Insofern sollte Crystal Dynamics nicht einfach Rosenberg die Schuld geben, sondern diese bei sich selbst suchen: Was man in einem Trailer auf der wichtigsten Messe der Branche zeigt, ist wohl durchdacht, und die dargestellte Szenerie geht durchaus in Richtung Vergewaltigungsversuch. Dies einfach zu dementieren und sich von der Thematik zu distanzieren ist wenig glaubhaft und unaufrichtig. Besser wäre es, man würde sich zum Gezeigten bekennen – oder erst gar nicht solche Szenen zeigen.
Rosenbergs Äußerung löste Diskussionen um das Thema Vergewaltigung in Spielen aus, beispielsweise auf VG247. Die Neuauflage der Tomb Raider-Serie soll im nächsten Jahr für Xbox 360 und PS3 erscheinen.








