Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (Bild) vergleicht gewalthaltige Spiele mit Kinderpornografie und Drogen (wir berichteten) und löst einen Sturm der Empörung aus – nicht nur bei Spielern, sondern auch bei Spieleverbänden und in politischen Kreisen. Als Reaktion fordern die Spieleverbände Deutscher E-Sport Bund (ESB), Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (G.A.M.E.) und Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) eine offizielle Entschuldigung für den verbalen Fehltritt des Ministers.
Hier ein Auszug aus den offiziellen Wortmeldungen der Branchenvertreter:
Stephan Reichart, Hauptgeschäftsführer von G.A.M.E.: “Die Aussage des Herrn Ministers steht glücklicherweise nicht für Bayern insgesamt. Trotzdem ist sie für uns völlig inakzeptabel. Wer solche Aussagen trifft, zeigt deutlich, dass er sich noch nie mit Spielen beschäftigt hat und eine Politik des letzten Jahrhunderts vertritt. Mit Politikern wie Herrn Herrmann verliert die CSU jede Glaubwürdigkeit bei Millionen erwachsener Menschen und Wähler, die mit Computerspielen groß geworden sind.
Olaf Wolters, Geschäftsführer BIU: ” Wir fordern den bayerischen Innenminister auf, seine politische Geisterfahrt am rechten Fahrbahnrand zu beenden und zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Das momentane Verhalten des bayerischen Innenministers erinnert sehr stark an einen politischen Ego-Shooter, der sich mit rein populistischen und inhaltlich fragwürdigen Aussagen zu profilieren versucht.”
Frank Sliwka, Geschäftsführer ESB: “Mit seiner öffentlich geäußerten politischen Haltung verhindert der bayerische Innenminister einen Dialog und fördert vielmehr die Ausgrenzung tausender Jugendlicher. Er siedelt eine Generation deutscher junger Staatsbürger durch seine Äußerungen in dem Bereich der Kriminalität an.“
Thomas Jarzombek, medienpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, zweifelt gar an der Medienkompetenz des bayerischen Innenministers: “Ein solcher Vergleich ist vollkommen unangemessen und zeugt davon, dass Medienkompetenzdefizite auch in Regierungen zu finden sind.”