Filmzirkel Filmbesprechung

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  • #901411
    ChrisKongChrisKong
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    aktuell diskutierter Film:

    Reise ins Labyrinth

    besprochene Filme:

    Sabata

    Reflecting Skin

    M – eine Stadt sucht einen Mörder

    Birdy

    Blood Tea and Red Strings

    Das Fest (org. Festen) von Thomas Vinterberg

    #1178412
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    So, meine Erstmeinung zu Blood Tea and Red Strings:

    Cool! Warum? Weils mal was abolut anderes ist. Surreal, abgedreht, düster. Könnte von Tim Burton sein. Und die Musik ist fast schon hypnotisierend.
    Diese braunen Wesen (was sind das überhaupt?) erzeugen fast schon ein bisschen Angst und die weißen Ratten schauen einfach nur gemein aus. Wie kann man auch Kreaturen mögen, die Bluttee trinken?

    Bei dem Film musste ich unweigerlich an “Journey” (PS3) denken. Als die braunen Wesen in ihren braunen Roben aufbrechen, die gestohlene Puppe von den weißen Mäusen zurückzuholen, war das das erste was mir dazu einfiel. Eine Wanderung durch eine triste, verlassene Landschaft, mit einem unbekannten Ziel. Als sie den Froschkönig treffen, musste ich lachen. Genial. Und mit Zauberstab. Doch da taten sich das erste mal Fragen bei mir auf. Warum legt er Herzen in die Pflanzen rein? Und wo hat er die überhaupt her? Die vogelfressende Spinne fand ich auch faszinierend. Gemein. Eklig. Unheimlich. Genauso wie die Totenkopfkrähe im Haus der weißen Ratten. Absolut passend für den Film. Das Highlight war für mich eindeutig die Schlägerei der 2 weißen Ratten mit der Spinne um eine Schildkröte. Bizzarer gehts kaum. Und am Ende tat mir die Spinne tatsächlich leid. Und ich mochte die Ratten dadurch noch weniger. Und damit kommen wir genau zu dem Punkt, der es für mich ausmacht.

    Der Film hat mich trotz seiner – oder gerade wegen – billgsten Machart in den Bann gezogen. Anscheinend muss der ja im Alleingang von einer Frau ohne Drittmittel innerhalb von 12 (!!) Jahren gemacht worden sein. Mit Old-school-stop-motion-Technik. Respekt! Auch finde ich, dass der Film ziemliche Symbolik enthält. So wird die Puppe fast schon religiös verehrt. Das fällt gleich am Anfang auf, als die braunen Wesen sie fast wie Jesus an den Baum “nageln”. Auch sind die Begriffe Gier und Neid die zentralen Themen. Und die waren, sind und werden wohl immer aktuell sein. Leider.

    Als der Film vorbei war – und das ging äußerst schnell, was ein gutes Zeichen ist – hatte ich dieses “das-war-grad-äußerst-bizarr-aber-mir-gefiels”-Gefühl. Und sowas mag ich bei Filmen. Ich hab noch viele Fragen dazu, aber dafür gibts ja dann unsere Diskussionsrunde.

    Also: cooler Streifen. Mal was anderes. Hat Spaß gemacht und fasziniert.

    #1178413
    Fred FensterFred Fenster
    Teilnehmer

    Ja gut dann poste ich mal meine Erstmeinung:

    Blood Tea and Red Strings hat mich persönlich ja total an die alten Kurzclips, die öfters beim Sandmann liefen, die mit Schnatterienchen und Pittiplatsch, aber auch – vor Allem in den “trippigen” Scenen- an die Musikvideos von Tool aus der aenema-Zeit. Vielleicht lag es an der Sandmann-Assoziation, aber mich hat der Film schon ziemlich eingeschläftert, was nicht heißen soll, dass es langweilig war – es lag eher daran, dass kein Wort gesprochen wird und außer im Haus der Mäuse recht ruhige Hintergrundgeräusche spielt. Naja aber das wars auch mit Kritik. Ich fand den Film überraschend gut, sehr einfallsreich und kreativ – schön, dass teils echte Landschaften zu sehen waren. Das Design der Puppen und die gesamte Kulisse waren sehr detailreich und einfach liebevoll ausgearbeitet, sodass man leicht in diese Welt abtauchen kann.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Handlung zwar erfasst habe aber eben nicht so recht verstanden, um was es jetzt geht^^ also klar die Mäuse wollen von diesen Vogelwesen mit Ohren eine Puppe nach Vorbild der Frau aus dem Vorspann. Die Ohrenvögel schneidern diese und finden sie anscheindend so toll, dass sie sich dazu entscheiden die Puppe nicht an die Mäuse zu verkaufen (auch nicht nach Erhöhung des Angebots – die Verhandlungen fand ich btw immer sehr gut), sondern sie lieber mit einem Ei zu füllen und sie, wie Jesus über ihrem Haus aufzuhängen. In der Nacht kommen die Albinomäuse in einer Kutsche, die von einer Schildkröte gezogen wird, wieder zum Haus und klauen sich
    die Puppe samt Ei vom Dach des Hauses der Ohrenvögel. etc. pp. Ab dann ist die Jagt eröffnet^^ Besonders erwähnenswert wäre vielleicht noch der Medizinfrosch, der die Ohrenvögel vor dem Drogentod bewahrt, später noch irgendeine rituelle Ritzzeremonie an dem leblosen, frisch geschlüpften Vogel mit Menschenkopf und letztendlich auch – achtung Wortspiel- noch ein Herz für eine der Albinomäuse hat. Zuguterletzt streiten sich die Ohrenvögel und die Albinomäuse so heftig um die Puppe, dass sie sie zerreißen, allerdings ist wohl einer der Albinomäusen die Puppe wichtiger, als sie es für alle anderen Beteiligten ist. Diese eine Albinomaus ist schon vorher durch ihr merkwürdiges Trauer-)Verhalten
    auffällig geworden… und am Ende bekommt sie alle Einzelteile und Gliedmaßen der Puppe zurück und geht nach Hause.
    Weiters zu erwähnen ist sicherlich, dass die beiden Gegenseiten – also Mäuse und Vögel – in sehr verschiedenen Welten leben. Während in der Welt der Ohrenvögel die Blumen freudig strahlen, zeigen sich in den Blumen der Albinomäuse Totenköpfe. Die Ohrenvögel spielen auf der Flöte oder mit “Red String” – Harmonie, im Gegensatz dazu trinken die Albinomäuse diesen “Blood Tea” und spielen mit leeren Karten, was in einer Prügelei endet – Dissonanz. Ich habe absichtlich nicht die Kategorien Gut und Böse gewählt, da mir das am Ende auch nicht so ganz klar war – Habt ihr gesehen wie sehr die eine Albinomaus gelitten hat!? Das tat mir schon leid – musste es wirklich soweit kommen!? Und gerissen haben sie eh alle zusammen.
    Abschließend will ich aber die eine Sache ansprechen, die ich in diesem Film wirklich nicht im Ansatz verstanden habe: dieser Rahmen, der den Film einschließt. ich kann ihn nicht richtig deuten. (Ich meine die ersten und letzten Minuten des Filmes.) Eine Frau (Das Modell der Puppe) schneidet eine Torte auf und nimmt ein Stück beiseite. Daraufhin krabbeln schwarze Käfer aus dem Kuchen. Sie greift in die Mitte des Kuchen und holt ein Ei hervor. Dieses legt sie in eine Teekanne – dann kommt der
    Film – und am Ende findet sie in der Teekanne eine Art Kristall, der genauso in ein Blatt genäht ist, wie ihr Pendent im Film. Was soll dieser Rahmen aussagen? Spielt der Film in der Teekanne? Hat das Ei eine symbolische Bedeutung (vlt. Fruchtbarkeit oder Enstehung oder Leben)? Und was ist das für ein Kristall? Ist was mit der Frau? Habe ich etwas übersehen? Aber vor allem fage ich mich, ob man diesen Film nicht einfach wie ein Kind sehen sollte, welches sich einfach auf das Universum einlässt, Mysterien akzeptiert und Gut und Böse nicht klar unterscheiden kann? Die Stimmung des Rahmens erinnert mich etwas an Kafkas surrelae Beschreibungen mit ähnlichen Symbolen (zB aus der Prozess oder auch passend
    die Verwandlung, inder sich ein Mann über Nacht in einen Käfer verwandelt – klasse Zeug ist das Lesen wert!)
    Ich habe mich jedenfalls ganz gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich diesen Film nur ausgewählten Leuten empfehlen würde, da einen der Film schon etwas ratlos, verwirrt oder mit einer unguten Stimmung hinterlässt (Mädchenvogel tot, Puppe zerrissen).

    #1178414
    UllusUllus
    Teilnehmer

    Erstmeinung zu Blood Tea and Red Strings:

    Ein skurriles, groteskes, surreales und ein kleines bißchen unheimliches Bühnenstückchen.

    Im Vergleich zu einem modernen CGI Animationsfilm und zu einem klassischen Zeichentrickmovie ein bizzarer, roher und antik wirkender Beitrag. Erinnert mich irgendwie an eine eigenwillige Interpretation von der Augsburger Puppenkiste. Da der Streifen vorrangig auf seiner Optik basiert, müsste er normalerweise so gestaltet sein, dass er zum besseren Verständnis eine an sich simple Bildsprache besitzt. Dem ist aber nicht immer so. Ich konnte vieles nicht deuten.

    Das mit der starken Verehrung der Puppe konnte ich auch nicht verstehen.

    Diese braunen Wesen, sollen anscheinend auch Mäuse darstellen. Vom Design her finde ich sie weniger gelungen, denn diese Schnäbel im Gesicht erzeugen einen ungewöhnlichen modischen Stilbruch und wirken stark grotesk. Vielleicht musste der Regisseur und die Designer diese aber auf diese Art und Weise kompromissmäßig gestalten.

    Die aristokratischen weißen Mäuse wo Blut Tee schlürfen üben eine komische Faszination auf den Zuschauer aus, wie eigentlich so ziemlich alles an dem Film. Diese Stop Motion Technik hatte zudem schon immer was Gruseliges an sich. Die Spinne mit dem ausdruckslosen Gesicht ist wohl einer der abgedrehtesten und auch abstossendesten Puppen Figuren der Filmgeschichte.

    Ein unberechenbarer, roboterhafter Waldbewohner.

    Cool fand ich die Szene, wo die braunen Mäuse mit dem weisen Froschmagier die gegrillten Würmer futtern. Musikalisch gibt’s ja nicht viel zu hören, es sei denn die braunen Vogelschnabel Mäuse holen die Flöte aus dem Gepäck. Überraschenderweise passt dann die musikalische folklorenhafte Untermalung zum sehr eigenen Gesamtkonzept des Films. Das dieser schon ab 6 Jahren freigegeben hat mich dann doch gewundert, lassen wir das mal so im Raum stehen.Der Regisseur hat über 12 Jahre gebraucht um seine Vision zu verwirklichen. Dafür ein großes Lob und Anerkennung, das dieser nicht die Geduld verlor.

    Auch der Kreativität wird ein großer Stellenwert beigemessen.

    Ich find das Ding zwar besser als das Fest, aber im Großen und Ganzen sind meine Eindrücke eher gemischt. Einen gewissen Unterhaltungswert und wie schon ähnlich erwähnt, eine skurrile Faszination muss man dem Werk aber irgendwie zugestehen…

    #1178415
    Anonym
    Inaktiv

    Blood Tea and Red Strings

    Das ist einer dieser Filme, den ich schon eine ganze Weile hier liegen habe und mich irgendwie noch nicht durchringen konnte ihn mir anzusehen – schade eigentlich, denn er verdient es.
    Bevor ich zum eigentlichen Film komme, versuche ich mich wieder an einer Interpretation. Gleiches Spiel, wie beim letzten Mal, könnte man sagen.

    Abgesehen, davon, dass es sich eindeutig um ein modernes Märchen handelt, glaube ich darin die Zerrissenheit des Künstlers zu erkennen.
    Die Künstler, das sind die Wesen, die unter der Eiche leben. Kein sonderlich wohlhabendes Leben, bescheiden und bodenständig – trotzdem aber glücklich.
    Die Rolle der (Kunst-)Händlerin fällt an die Spinne. All die Vögel, sind verschiedene Künstler, mit denen Sie Handel treibt und sie aussaugt, um selbst zu überleben.
    Die Mäuse hingegen, alle uniform und kaum von einander zu unterscheiden, bilden den Gegenpool zu den Wesen. Fast möchte man von den ganzen Kunstkennern sprechen, denen der Preis eines Kunstwerks mehr bedeutet als dessen eigentlicher Wert. Ihre Lösung ist es alles,was sie haben wollen zu kaufen, wie man auch gleich zu Anfang sieht, als sie ohne zu Zögern einfach den Preis erhöhen wollen.
    Ihre Welt ist geordnet, aber auch sinnentleert. Sie leben in einem Haus und das permanente Ticken der Uhren in Ihren Szenen und ihr stumpfes Kartenspiel, zeigt dass sie sonst nichts mit sich anzufangen wissen.
    Auch sind sie ruchlos, wie es sich gegen die Spinne zeigt. Sie wollen das, was sie wollen – um jeden Preis. Des weiteren gehe ich davon aus, dass der Red Tea das Blut deren darstellt, von deren Geld Sie leben.
    Die Wesen unter der Eiche erkennen das Wesen der Mäuse recht schnell und entscheiden sich gegen die Aushändigung der „Ware“, etwas womit wohl jeder echte Künstler schon einmal zu tun hatte: Gebe ich mein Werk – diese Sache, diese Idee, an der ich so lange gearbeitet habe, so lange, dass es schon ein Teil von mir ist – einfach an diesen Käufer ab? Weiß er um dessen Wert? Kann man diesen Wert überhaupt mit einem Preis versehen?
    Ähnliches kann man wohl von diesem Film sagen, der ja auch nur von der Künstlerin allein finanziert wurde. Ein Umstand, der Ihr zumindest die volle Kontrolle über das Ergebnis gab.
    Das Ende weißt noch einmal darauf hin, dass auch wenn ein Werk zerstört wurde, immer noch dessen Kern – selbst wenn es nur die Idee ist – da ist und dass dieser Kern für jemanden immer noch etwas wertvolles sein kann. Der Koloss von Rodoss ist schon seit hunderten von Jahren fort, aber seine Geschichte ist erhalten geblieben und regt noch heute Leute zum Nachdenken und auch zum Träumen an.

    Handwerklich betrachtet, kann man nur den Hut vor der Künstlerin ziehen. Sie hat jahrelang an ihrem Projekt und damit ihrem modernen Märchen gearbeitet. Wie auch in den Klassikern werden die Zuschauer vor Tatsachen gestellt, die nicht erklärt werden.
    Durch den minimalen Einsatz an Musik und den Verzicht an Sprache, schafft sie es auch die Geschichte universell verständlich zu erzählen und erinnert wieder einmal daran, dass Film vor allem ein visuelles Medium ist.
    Daraus resultiert eine Atmosphäre, die zwischen märchenhaft verspielt und träumerisch und verstörend beunruhigend variiert. Gerade die Szenen im Haus der Mäuse wirkten auf mich extrem beunruhigend und das stete taktlose Ticken im Hintergrund hat dazu geführt, dass ich mich tatsächlich körperlich unwohl gefühlt habe.
    Sicher haben auch die Mäuse-Puppen an sich dazu beigetragen und ich habe mich im Verlauf des Films immer wieder gefragt, ob deren Köpfe nicht tatsächliche Mäuse- bzw. Rattenmumien* sind.

    Mit Sicherheit kein Film für jedermann, der in der heutigen hektischen Welt sicherlich durch einige Szenen deutlich zu langatmig wirkt – schlicht, weil der Fokus nur auf dem Bild liegt. Trotzdem würde ich ihn jedem empfehlen, der sich auch für Museen und nicht unbedingt klassisches Theater interessiert.
    Es ist aber mit Sicherheit kein Film, den ich mir immer und immer wieder ansehen würde.

    *die Figuren sind 30 cm hoch, deswegen habe ich dann an Ratten gedacht

    Noch etwas Trivia:
    Der Film stammt von Christiane Cegavske, sie ist auch die Frau am Anfang und am Ende.
    600full-christiane-cegavske.jpg

    #1178416
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Zuerst dachte ich schon, der liebe Nightrain will mich verarschen. Augsburger Puppenkiste aus den USA.

    Irgendwie fehlt mir da etwas der Hintergrund. Ohne den kann man alles mögliche hineininterpretieren. Irgendwie will der Film das kindlich verspielte mit erwachsenen Elementen mixen. So wirkt das Ganze ziemlich creepy. Die Figuren wirken fast allesamt abstossend, seien es die weissen Mäuse oder diese Vogel/Erdmännchen Hybriden mit ihren hässlichen Schnäbeln, vom Totenkopf-Raben, der schwarzen Wittwe und der scheusslichen Puppe gar nicht zu reden.

    Die Käfertorte zu Beginn war wirklich schräg.

    Wenn ich so rekapituliere, dann soll wohl die eine Fraktion (Hybriden) Werte vermitteln wie Fleiss, Rechtschaffenheit, Lebensbejahung. Gut zu erkennen an den Pflanzen, die lebendig sind im Gegensatz zu den Blumen der gegnerischen Fraktion.
    Diese vermittelt den Eindruck, sich einfach alles und jeden kaufen zu können und ihnen ist jedwedes Mittel recht, um zum Ziel zu kommen. Sie leben vom Blut anderer. Gerne manipulieren sie andere und zwingen ihnen Sachen auf. Z.B. der Puppe, die wie eine Marionette an diesem Pokerspiel mit Blankokarten teilnimmt, Bluttee trinkt und tanzt, genauso wie es ihren Herren gefällt.
    Bei einem machen sich mit der Zeit zwar gewisse Skrupel bemerkbar, aber letztlich kann auch er nicht verhindern, dass die Gemeinschaft aus diesen beiden gesellschaftlichen Schichten, das vernichtet, was sie zu besitzen oder zu beschützen glaubten.
    Diese Maus bewundert offenbar die Schönheit, des neugestifteten Lebens, aber eben auf eine obsessive Weise, die immer nur einseitig sein kann.
    Das Leben, als zerbrechliches Ei dargestellt, ist äusserst fragil. Die schwarze Wittwe könnte dabei den Gegenpol, also den Tod verkörpern. Ihr ist Schönheit egal, was sie in ihren Klauen hat, lässt sie nur ungern los.
    Den Frog-Wizard einzuordnen fällt indes einiges schwerer. Offensichtlich bietet er Unterstützung, greift aber generell nur in absoluter Not ein.
    Die Episode in der Burg mit den gelben Früchten erinnert ein wenig an Ocarina of Time, nämlich den Waldtempel, da gibt es auch so einen Raum mit Brunnen und fleischfressenden Pflanzen.
    Hier greift der Frog-Wizard das erste Mal ein und benutzt seinen Zauberstab, auf dem ein Ei an der Spitze ist. Gut möglich, dass er den Lebenswillen verkörpert, der vorantreibt und kämpft. Bis zum Schluss lässt er nichts unversucht, allem seinen Sinn zu geben. Sogar verwelktes Leben kann wieder zu was Schönem werden.
    Insgesamt zeichnet sich für mich ein Bild von zwei Gesellschaften, einer integralen, die sich als Partner und Bestandteil seiner Umgebung begreift und einer beherrschenden, die an sich reisst, was sie kriegen kann, auch wenn sie dessen sogar überdrüssig ist.
    Soviel mal zur Interpretation meinerseits, allerdings gilt hier vielleicht die Regel, dass es ähnlich ist, wie wenn man ein Bild betrachtet und nurmehr für sich selbst eine Erklärung oder Lesart darin findet.

    Eine gewisse Sogwirkung ist auch diesem Film nicht abzusprechen, was besonders an den teils extrem realistischen Animationen liegt, auch wenn diese in max. 10fps dargestellt werden. Aber darin Menschen zu erkennen fällt wirklich leicht.

    #1178417
    HarrikulesHarrikules
    Teilnehmer

    Blood Tea & Red String
    Vor Leuten die mit der StopMotion Technik arbeiten habe ich großen Respekt, nur leider sollte da am Ende auch noch ein sehenswerter Film bei herauskommen sonst lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Und hier liegt für mich das Kardinalsproblem des Films er möchte sicherlich Künstlerisch wertvoll sein und zum denken anregen aber das hat er bei mir nicht geschafft also wenn es da Metaebenen geben sollte dann habe ich sie nicht entdeckt für mich war das eine Geschichte ohne wirklichen Tiefgang. Das wirkte auf mich eher wie der Abschlussfilm einer Kunststudentin was auch den Pseudoanfang mit den Käfern die aus dem Kuchen krabbeln und das noch schlimmere Ende mit dem Diamanten aus dem Kokon in dem der „Vogel“ eingenäht war. Ich habe auch ein bisschen recherchiert und habe immer wieder gelesen ein Märchen für erwachsene leider war es auch das für mich nicht den ein Märchen sollte am Ende eine Moral haben und die habe ich nicht gesehen außer vielleicht „bis einer heult“.
    Ich weiß das klingt jetzt wie ein totaler Verriss aber so ist das gar nicht gemeint denn der riesige Aufwand den Christiane Cegavske betrieben hat kann man gar nicht zu wenig würdigen auch wenn man an manchen stellen sieht das es bis zu Aardman Animations(unter anderem Wallace and Gromit oder auch Shaun das Schaaf) noch ein weiter Weg ist(zb. verrücken an machen stellen Dinge einfach so um mehrere Zentimeter) aber für eine Einzelne Person ist das beeindruckend. Richtig toll fand ich die Puppen die waren echt mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet auch der Soundtrack gefiel mir sehr besonders das Flötenthema das die Baumbewohner immer gespielt haben war mir noch lange im Gehör.
    Als Fazit muss ich sagen im Spielebereich würde man es TechDemo nennen denn die Künstlerin zeigt was sie kann nur mit viel Inhalt hat sie den Film leider nicht gefüllt.

    #1178418
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    So, hoffentlich haben jetzt alle, die wollten eine Erstmeinung verfasst. Ansonsten Pech gehabt. Wer es jeweils nicht schaffen sollte rechtzeitig, der kann sich auch im anderen Thread melden, bin sicher, dass wir hier dann flexibel sein können und auch mal einen Tag mehr einräumen können. Wer sich nicht meldet,setzt halt eine Runde aus.

    @Sebomat Ich fand eigentlich alle Figuren hässlich.

    12 Jahre hat die dafür gebraucht? Ok, ich hab bewusst nichts zu dem Film gelesen, weil ich mich sonst beeinflusst gesehen hätte. Darum schrieb ich auch, dass man ohnen Hintergrund die Intention dahinter kaum verstehen kann. Wir analysieren ja die einzelnen Elemente und was sie für uns bedeuten. Auf dieser Ebene funktioniert der Streifen recht gut. Aber eine Geschichte vermittelt er natürlich nicht. Dafür ist er mit reichlich Symbolik ausgestattet. Die Jesus-Thematik ist wirklich ein interessanter Aspekt.
    Gegen Ende hin, fand ich ihn dann schon ein wenig zäh, gerade das Pokerspiel war mir zu ausgedehnt.
    Bin auch schon gespannt, ob jemand das mit den Blankokarten aufgreift, auf die erst nach dieser Geburt mit Blut Symbole draufgemalt werden, unter anderem ein Herz welches in der Puppe platz findet.
    Das mit den Herzen würde ich vielleicht so erklären, dass der Frog-Wizard die Naturgesetze nicht aushebeln kann und den Tribut, den es fordert mit gleichwertigem Ersatz begleicht, sprich ein Leben für ein anderes.


    @Fred
    Fenster

    Ja, die Symbolik ist schon ziemlich verworren, wie gesagt, man kann für sich alles mögliche darin sehen. Vielleicht sind die Szenen eine Allegorie auf unsere Existenz, wo Leben ist, da ist auch Tod.
    Und es gibt die Form von Tod, bei der das betroffene Individuum zwar körperlich lebendig ist aber innerlich tot. Wie die weissen Mäuse z.B.
    Die wiederum sehen in nicht lebendigem, etwas was sie nicht zu besitzen scheinen und das für sie lebendiger ist, als ihre Umwelt, die ja tot zu sein scheint.
    Am Ende steht aber vielleicht auch die Aussage, dass allem nicht lebendigen etwas lebendiges zu Grunde liegt. So wurde aus dem Vogel dieser Diamant.
    Ein Diamant hat ja auch eine Geschichte, die er erzählt, da er ja auch nicht einfach so da ist, sondern eben entsteht. Um es zu verdeutlichen, Alles wurde geboren und Leben steckt folglich in allem. Nichts war einfach da, sondern alle unterliegt dem Prozess der Veränderung.


    @Ullus

    Lustig, das mit der Augsburger Puppenkiste kam mir auch als erstes in den Sinn. :-)

    Ich hab ja den Film auf YT geschaut. Kaufen würde ich ihn nicht, da er mMn nicht unbedingt zu erneuter Ansicht animiert, denn es wird wie gesagt keine eigentliche Story vermittelt, vielmehr symbolhafte Handlungsweisen.
    Aber dass er ab 6 sein soll? Dann hat die Person, die das entschieden hat, wohl kaum angesehen. Davon dürften 6Jährige wohl eher Alpträume kriegen. Vielleicht hilfts aber auch ein wenig, die Kleinen von Süsskram abzuhalten, Stichwort Käferkuchen und Bluttee. :-)

    @Nightrain

    Irgendwie hast du da Doppelmoppel, wer saugt den nun wen aus, die Spinne als Kunsthändlerin oder die Mäuse? Und auf Künstler wirken diese Hybriden auf mich auch eher nicht. Viel eher würde ich sagen sie sind Arbeiter, die aber nichts desto trotz eine idealistische Haltung verkörpern und versuchen ihre Existenz mit eigenem Tun zu bereichern, währen die Mäuse sich dies alles nur erkaufen wollen und keine eigentliche Leistung dafür erbringen wollen.
    Interessant finde ich, dass wir bezüglich der Konsumation zum gleichen Resultat kommen, dass mans eher mit dem Betrachten eines Bildes (du sagst Museen) vergleichen kann. Finde das passt durchaus.
    Auch die Interpretation, dass jeder Verlust auch etwas zurücklässt oder was neues gebirt, finde ich durchaus sinnig.
    Wo ich weniger einig bin, als Märchen würde ich es absolut nicht bezeichnen, denn Märchen folgen eigentlich einer klaren Handlungsstruktur, die dann eben eine gewisse Moral enthalten kann. Hier steht aber das symbolhafte zu sehr im Vordergrund, ähnlich einer Fabel. Vielleicht wird auch darum die Tierwelt bemüht, denn die spielt auch in Fabeln eine wichtige Rolle. Sprich, ähnlich wie bei einer Fabel verkörpern die Tiere hier die verschiedenen Eigenschaften von Menschen und ebenso wie in Fabeln folgen sie nicht wirklich einer zu erzählenden Geschichte, sondern die Handlungsweisen sind das Schlüsselelement. Darauf liegt hier gänzlich der Fokus.


    @Harrikules

    Wie ich schon weiter oben schrieb, würde ich da auch mal attestieren, dass es wirklich keine Geschichte gibt, mehr vereinzelte Motive. Ein Besuch in einer Bildergalerie wäre da wirklich vergleichbar. Ich hab auch mal ein wenig nachgelesen, aber wirklich interessantes hab ich nicht gefunden, aber ein Märchen, nein, wirklich nicht.
    Aber du sagst es schon richtig, der Film wirkt schon eher wie ein Kunststudenten-Projekt, was es ja auch ist.
    Als Kind kann ich mich schon erinnern solche Puppenstopmotion Filme gerne gesehen zu haben. Da waren die Animationen auch relativ ungelenk. Vielleicht eine Art Reminiszenz an diesen Stil. Wird auch kurz auf Wikipedia angerissen.
    Falls jemand einen Link zu einem Interview mit der Macherin hat, dann immer her damit.

    So und nun viel Spass bei der Diskussion.

    #1178419
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    Das mit den Blankokarten ist mir gar nicht so aufgefallen, bzw. dachte nicht, dass das ne Bedeutung hat. Ich denke einfach mal, dass jemand der Blut trinkt auch abgedreht genug ist um mit solchen Karten zu spielen.

    Aber am meisten verwirrt hat mich ja der Vor- und Abspann. Was sollte uns das sagen? Als sie den Kuchen aufschneidet, kommen ja Kakerlaken raus. In allem Schönen steckt auch schlechtes? Es ist nicht alles Gold was glänzt?

    Das mit dem Diamaten am Schluß kann ja auch aussagen, dass am Ende jeder Geschichte immer was Gutes rauskommt, weil eine Erfahrung immer einen Erkenntnisgewinn darstellt.

    #1178420
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Zum Beispiel. Eigentlich entzieht sich dieser Film eben ein Stück weit, da du ihn mehr wie ein Gemälde betrachtest, denn einen konventionellen Film. Wir können hier natürlich lange darüber diskutieren, wies gemeint war, ebenso gut können wir versuchen zu erklären, warum der Mann auf Edward Munchs Bild der Schrei, eben schreit.
    So wirklich darüber diskutieren kann man eher schlecht, oder sagen wirs so, nicht im herkömmlichen Sinn.
    Den Frog Wizard könnte man auch in ein Videogame integrieren. Überhaupt scheint mir der Film durchaus von modernen Medien beeinflusst zu sein. Hat sich eigentlich niemand bei der Brunnenszene an Ocarina of Time dem Waldtempel erinnert gefühlt?

    Hier mal ein Link, geht da wohl um ein anderes Projekt von ihr, aber verdeutlicht, dass sie mit gleichen Motiven arbeitet und darum lässt sich ohne konkrete Aussagen von ihr, das Ganze auch so gut wie nicht entschlüsseln. Kann aber gut sein, dass das eben auch genauso gedacht ist.

    http://christianecegavske.wordpress.com/

    #1178421
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    Ich hab dabei immer eher an Journey gedacht. Aber Ocarina of time macht da natürlich auch Sinn. Ist aber auch irgendwo logisch, dass wir den Film mit Videospielen assoziieren. ;-)

    #1178422
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Ich rede nur von diesem Part am Brunnen mit den fleischfressenden Pflanzen. Der Rest erinnert stellenweise durchaus an Journey oder zumindest an den Eindrücken, die ich von diesem Spiel hab.

    Nun gut, das mag vielleicht bei dir der Fall sein, aber ich würde mich da doch eher auf Filme beziehen. Aber bei solchen Kunstprojekten, da kann man das zuweilen vergessen.
    Fred Fenster erwähnte Kafka, du siehst also, da lassen sich allerlei Bezüge herstellen. Ein anderer wiederum vergleicht mit Surrealisten wie Magritte oder Dali.

    #1178423
    Fred FensterFred Fenster
    Teilnehmer

    Ich habe auch an Zeichentrickserien aus den 90igern denken müssen, wie z.B. die Gummibärenbande, Chip und Chap etc. weil die doch auch in einem Baum leben hier hat´s noch einen großen nightmare before christmas Einfluss. Vielleicht hat die Künstlerin sich ja an der amerikanischen Trickfilmgeschichte orientiert… wobei die Sache mit dem Kristall eher an slawische Märchen, mit der Hexe Baba Jaga – weiß jetzt keinen konkreten Film kennt ihr diese Filme?
    Ja bei Kafka kann ich allerdings mehr Sinn erkennen, als in diesem Intro/Outro.

    #1178424
    Anonym
    Inaktiv

    Also was die Spinne anbelangt, die verdient ja prinzipiell an allen. Sie läßt die Künstler für sich bluten und verkauft aber auch Sachen an die Sammler, wobei ich eine (Reit-)Schildkröte für ein paar Federn doch ordentlich überzogen finde.
    Die Wesen, die unter der Eiche leben – so werden sie offiziell genannt – gehen aber prinzipiell keiner geregelten Tätigkeit nach. Sie leben einfach in den Tag hinein, das macht auf mich eher den Eindruck von Künstlern, die von wenig leben können, als dass sie Arbeiter sind.
    Was die Fabel betrifft, da magst Du Recht haben, wobei diese dann doch durch märchenelemente – eben die Wesen – beeinflußt wird.

    Ich muss zugeben, dass ich den Froschmagier nicht einsortieren kann, die Szenen mit dem Brunnen und den Früchten könnte aber Drogenkonsum symbolisieren.

    Im Endeffekt glaube ich aber auch genau wie Chris nicht wirklich, dass wir einen echten Konsenz finden werden. Dadurch, dass in diesem Film so viele Elemente zusammenkommen, kann man immer von seinem eigenen Standpunkt Dinge hineininterpretieren. Ich denke zum Beispiel nicht, dass die Brunnenszene an Ocarina of Time angelehnt ist, aber ich finde es faszinierend, wie sie Euch daran erinnert.
    Um den Vergleich mit einem Gemälde aufzugreifen: In einigen Museen gibt es ja diese riesigen Wandbedeckenden Gemälde vor denen man stundenlang stehen kann und trotzdem immer wieder neue Dinge findet, die man so noch gar nicht auf Anhieb erkennt. Winzige Details, die im großen Gesamtbild einfach untergehen, wenn man sich nicht die Zeit nimmt sich ihrer anzunehmen.
    Das ist es auch, was für mich Kunst wirklich ausmacht, dass man immer wieder eine neue Facette finden kann und dass sie uns beflügelt nachzudenken, uns mit ihr zu beschäftigen und unsere Fantasie anzuregen.


    @Fred
    :
    Ich glaube sie hat sich eher an der tschechischen Trickfilmgeschichte orientiert … und ja, natzürlich kenne ich auch Filme mit Baba Jaga – spontan fallen mir Väterchen Frost und Der Hirsch mit dem Goldenen Geweih ein.

    @all:
    Was mich nur wundert, bin ich der Einzige, der sich zwischenzeitlich wirklich unwohl gefühlt hat?

    #1178425
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Sorry, ich hab ja geschrieben, dass ich es stellenweise creepy fand, das heisst ja wohl genau das. Wenn ich ehrlich bin, hab ich zwischendrin sogar mit Splatterszenen gerechnet. Nur ist wie gesagt die Altersfreigabe des Films einfach ein Witz, als ob der vorher nicht angeschaut wurde.

    Das mit den Künstlern spricht insofern dafür, dass man als Kreativer eben gerne den eigenen Background mit einbaut, darum sind auch viele Romane jeweils mit autobiographischen Elementen angereichert. Und da die Regisseurin Kunststudentin war, ist das sehr naheliegend.

    Dass die Szene am Brunnen an OoT angelehnt ist, ist unwahrscheinlich, aber wenn du die Stelle im Spiel siehst, dann weisst du sicher wie ich es meine.

    Leider liegen diese tschechischen Trickfilme viel zu lange zurück, als das ich mich da an Namen erinnern könnte.

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