Tatort Zockerbude

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Diese Beispiele zeigen, in den Medien haben Videospiele, insbesondere gewalt­haltige, nach wie vor mit dem Stigma der ­Aggressionssteigerung zu kämpfen. Vielleicht wird diese Darstellung aufgrund der vorherrschenden Meinung der Öffentlichkeit gewählt: Die britische Marktforschungsagentur YouGov veröffentlichte im September Umfrageergebnisse zu der Frage, ob Videospiele der Grund für reale Gewalt und Aggression sind. 61% der Befragten bejahten die These. Gräbt man tiefer, tut sich ein Generationenkonflikt auf: Denn von den 18- bis 24-Jährigen waren nur 42% dieser Meinung, von den 40- bis 59-jährigen Befragten schon 61% und von den Über-60-Jährigen 79%. Oft wird nach menschlichen Tragödien herausgestellt, der Täter habe Videospiele konsumiert. Dabei wäre es heutzutage viel ungewöhnlicher, wenn er noch nie mit dem Medium in Kontakt gekommen wäre, da die meisten Jugendlichen zumindest ab und zu spielen. Laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware daddeln mittlerweile 31,5 Millionen Deutsche, von den 20- bis 39-Jährigen über 50%. Trotzdem hängt besonders gewalthaltigen Video­spielen noch immer ein anrüchiges Image an. Machen Spiele wirklich aggressiv? Auf welchem Stand befindet sich die Forschung? Wir stellen Euch Studien und wissenschaftliche Positionen vor.

Die USK über Grand Theft Auto V

»Die Freigabe von Computerspielen erfolgt auf der Grundlage einer Prüfung durch einen Ausschuss mit vier Jugendschutzsachverständigen und einem/-er Ständigen Vertreter/-in der Obersten Landesjugendbehörden bei der USK, die über ausgewiesene Expertise in Fragen der Medienwirkung auf junge Menschen verfügen. Das Spiel Grand Theft Auto V (GTA V) wurde nach ausführlicher Beratung, bei der insbesondere auch die von Ihnen angesprochene ”Folterszene” intensiv diskutiert wurde, mit ”keine Jugendfrei­gabe” gekennzeichnet. Das Spiel ist also ausschließlich für Erwachsene, nicht aber für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren freigegeben. Bei der Prüfung von Computerspielen wird nicht auf isolierte, einzelne Szenen abgehoben, sondern das Gesamtspiel mit Würdigung aller Einzelteile bewertet. Die Komplexität des Spielgeschehens von GTA V, die zahlreichen Handlungsmöglichkeiten, die einen wesentlichen Anteil an den Spielaufgaben ausmachen und notwendig für den weiteren Spielerfolg sind, und die Eingebundenheit in eine in sich stimmige und immer präsente Spielstory relativieren einzelne Gewaltszenen in ihrer Wirkung. Bei der Bewertung sind die Indizierungskriterien der BPjM heranzuziehen. Deshalb wurde das Spiel aufgrund seines jugendbeeinträchtigenden Charakters nur für Erwachsene freigegeben.«

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