Saudis jetzt größter Nintendo-Teilhaber

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Dieser Artikel stammt aus der M! 355 (April 2023).

RIAD / KYOTO • Viel frisches Geld sprudelt seit ein, zwei Jahren aus der arabischen Welt in die Games-Branche. Über die ehrgeizigen Videospiel-Investments des saudischen Königshauses beziehungsweise dessen Staatsfonds ”Saudi Arabia’s Public Investment Fund” (PIF) berichteten wir mehrmals, zuerst in M! 346, dann in Ausgabe 350. Um vom Ölgeschäft in die Metaversum-Zukunft zu kommen, halten Kronprinz Mohammed bin Salman Al Saud und seine Familie Anteile an den US-Spieleriesen EA, Activision Blizzard und Take 2 im Börsenwert von knapp 6 Milliarden US-Dollar, übernehmen das E-Sport-Unternehmen ESL sowie in Japan alle Reste, Namen und Marken der The King of Fighters– und Metal Slug-Macher SNK. PIF und dessen Savvy Gaming Group (SGG, geführt von Ex-EA- und Activision-Studio-Manager Brian Ward) investieren auch in Capcom, Nexon und Nintendo und steigen Mitte 2022 bei Europas schwedisch kontrollierter Embracer-Gruppe ein. Nun wurde bekannt, dass sich Saudi-Arabien zum größten Teilhaber der wertvollsten Videospielfirma aufschwingt: In zwei Schritten erhöht PIF seine Mai-2022-Beteiligung an Nintendo und hält damit jetzt 8,26% am Hard- und Software-Konzern. Ins Nintendo-Geschäft eingreifen können die Araber durch die Minderheitsbeteiligung nicht, verdienen aber nun an jedem verkauften Nintendo-Spiel mit. Das missfällt einigen Nachrichtenmedien in den USA, wo man Prinz Mohammed Al Saud als Auftraggeber der Ermordung eines Washington-Post-Journalisten verdächtigt. US-Hersteller Riot und League of Legends zogen sich deshalb bereits 2020 aus einer PIF-Kooperation zurück.

Nach Beteiligungen an den wichtigsten amerikanischen, europäischen und japanischen Spielfabriken steigt Saudi-­Arabien im Februar außerdem ins chinesische Spiele-Business ein: Für 265 Millionen US-Dollar wird SGG zum Mitinhaber von ”Versus Programming Network” (VSPO), der E-Sport-Firma des IT-Giganten Tencent. Das weltweite Engagement soll SGG bis 2030 ”zum ultimativen, globalen Hub für den Games- und den E-Sport-Sektor” machen. Insgesamt will man mindestens 38 Milliarden US-Dollar investieren, 250 Spielefirmen und 39.000 Arbeitsplätze in der Großregion Middle East North Africa schaffen.

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23. Juni 2023 10:24

„… des saudischen Königshauses beziehungsweise dessen Staatsfonds ”Saudi Arabia’s Public Investment Fund”…“

Das da ein undemokratischer Staat dahinter steht, finde ich besonders problematisch. Wenn die Spiele entwickeln, sind die zu 100% gesteuert und zensiert.

Walldorf
21. Juni 2023 11:55

@ToMa Ti: Verbrecher gibt es in jedem Land. Der gesellschaftliche Fortschritt könnte natürlich ruhig etwas schneller passieren. Insbesondere die Homophobie ist verstörend, das hat in der islamischen Welt vor der Kolonisierung durch den Westen keine Sau gejuckt. Damals (Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert) war es Europa, das als sexuell prüde galt, während islamische Länder aber auch Staaten wie Indien in der Beziehung ziemlich offen waren. Der Orient galt als exotisch und aufregend.

MontyRunner
21. Juni 2023 11:18

Im nächsten Mario wird Peach gejagt, verschleiert und im Schloss eingesperrt.

Kara Day
21. Juni 2023 11:16

@ToMaTi braucht er nicht mehr die haben biss 4 Fraun

Rudi Ratlos
21. Juni 2023 11:12

Gefühlt merkt man aber keine positiven Einflüsse bei der Aktie – die geht (natürlich seit meinem Einstieg) munter nach unten…
Hoffen wir mal, dass die zukünftige Direct und eine potentielle Swich2-Ankündigung da mal wieder ein wenig Leben in die Bude bringt…

21. Juni 2023 10:19

@Kara Day … Nun ob Mario dann immer noch Peach retten will? Das sei bei deren Frauenrechte mal dahingestellt!

Kara Day
21. Juni 2023 10:09

Mario bald mit Vollbart und Säbel in der Hand 😀

21. Juni 2023 8:38

Das ist verdammt nochmal richtig das mit dem “Late to the Party” aaaaber die haben ja Knete! Mann kann ja auch einen Regionalliga-Fussballverein in die 1 Liga mit Geld (sehr viel Geld) hochpuschen! Warum nicht in der Spielebranche? Ich bekomme echt Bauchschmerzen was mein Lieblings-Hobby anbelangt! 🙁

Hast du schön formuliert! “Aktien und Verbrecher” Das trifft es! Aber auf den Punkt!!! 🙁

MontyRunner
20. Juni 2023 23:54

Aktien und Verbrecher. Tolle Kombi. Führt kaum ein Weg drum herum.

Walldorf
20. Juni 2023 23:06

Wäre bestimmt spannend auch mal Spiele aus arabischen Ländern zu bekommen. Bisher konsumieren die ja dort nur ausländische Spiele. Aber neben Studios müssen sie auch Gaming-Hochschulen bauen, damit in den 250 Studios nicht nur Expats arbeiten, sondern auch Einheimische. Ist auf alle Fälle nicht einfach den Vorsprung aufzuholen, sie sind ein bisschen late to the party.

Mayhem
20. Juni 2023 22:08

Ich auch nicht.

20. Juni 2023 21:54

Ich mag diese Entwicklung ganz und gar nicht! 😤😡