Schauplatz ist eine japanische Schule, alle Klischee-Charaktere für eine Teenie-Lovestory sind vertreten: Da ist der dümmliche Sportfreak, der arrogante Oberschichtler, der Frauenschwarm, der geheimnisvolle Büchernarr und der Jugendfreund. Das Absurde daran: Alle sind Tauben! Das Verstörende daran: Ihr seid keine!
Das klingt nach typisch japanischem Quatsch und die ersten Spielstunden unterstreichen dies. In der Visual Novel Hatoful Boyfriend klickt Ihr Euch durch seitenweise banale Schuldialoge, könnt ab und an auswählen, welchen Wahlunterricht Ihr nehmt oder was Ihr in der Pause tun wollt, und bandelt nebenher mit einem Mitschüler an (wie bereits erwähnt: Ihr seid kein Vogel, sondern ein Mensch).
Viel falsch machen könnt Ihr nicht, wenn Ihr das Schuljahr mit seinen unglaublich wichtigen Ereignissen (wie dem Wandertag, dem Sportfest oder dem Sommerfest) überstanden habt, erfahrt Ihr den Ausgang Euer Liebesgeschichte. Nur selten endet diese mit einem Happy End und die einzelnen Geschichten sind einzeln betrachtet keine dramaturgische Sensation. Dennoch fühlt Ihr bei den einzelnen Storys mit, trotz der Absurdität des Settings und der mäßig schönen Inszenierung das gesamte Spiel besteht aus Textboxen vor langweiligen Hintergründen, jeder Vogel hat nur ein Charakterbild, begleitet wird das Ganze von dudelnder Fahrstuhlmusik. Trotzdem würde ein normaler Mensch nach einmaligem Durchspielen denken: Konsole aus, man hat Besseres zu tun. Oder nicht? Konsole wieder an: Was hat es mit dem seltsamen Doktor auf sich? Der führt doch sicher was im Schilde! Und warum wohnt Ihr eigentlich in einer Höhle? Solche Dinge klären sich erst nach mehrmaligem Durchspielen. Das ist zwar nicht minder absurd, aber einfallsreich.
Kerstin Mayer meint: Was für ein Blödsinn, dachte ich beim ersten Durchlauf und spielte es gleich noch mal. Ich hatte nicht erwartet, was für eine Welt sich hinter diesem kleinen Spielchen verbergen würde und war begeistert. Die Umsetzung hätte ruhig weniger spartanisch ausfallen dürfen, vielleicht ein paar Bilder mehr pro Charakter und öfter die freie Auswahl, wo man sein und was man tun möchte. Ein Spieldurchgang dauert ungefähr zwei Stunden, wenn Ihr den ganzen Text lest. Praktischerweise könnt Ihr die Dialoge schneller ablaufen lassen, dann müsst Ihr nicht zum x-ten Mal hören, was der Motorroller-Fink von zu schnellem Fahren hält. Oder Ihr speichert am besten gleich vor entscheidenden Punkten und ladet von dort wieder den Spielstand so erlebt Ihr deutlich schneller die verschiedenen Enden.
Schräge Romantik-Visual-Novel mit vielen Enden und Geheimnissen.
| Singleplayer |  | 6 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |