Am 3. Dezember 1994 stehen vor japanischen Elektronikläden Tausende Menschen Schlange. Es ist der Tag, an dem der Verkauf der PlayStation startet: 100.000 Stück von Sonys erster Spielkonsole werden bis zum Abend abgesetzt, 200.000 weitere tröpfeln bis Jahresende in den Handel und verpuffen in der Hitze des Hypes – wie knapp 20 Jahre später kann Sony aufgrund begrenzter Produktionsmengen der gewaltigen Nachfrage nicht gerecht werden. Der 3. Dezember markiert den Eintritt eines neuen, mächtigen Mitspielers in den Games-Markt, den Anbruch einer Ära, in der Videospiele das Kinderzimmer verlassen und cool werden. Und er erlebt die Geburt einer Weltmarke: 20 Jahre später gibt es vier Heimkonsolen und zwei Handhelds, die auf den Namen PlayStation hören, und deren Gesamtverkäufe mit großen Schritten auf die Zahl von einer halben Milliarde Geräte zusteuern. 20 JahrePlayStation – das sind zwei Jahrzehnte Videospiel- und Popkultur-Geschichte, voller Highlights und Tiefpunkte, Genie und Irrsinn, Rekorde und Fehlleistungen. Und es sind zwei Dekaden, die spannenden Stoff ergeben für zwei Artikel, in denen wir die oft erfolgreiche und immer wechselhafte Geschichte der PlayStation Revue passieren lassen.
Der Feind in meinem Bit
Die große Ironie am durchschlagenden Erfolg der PlayStation und dem rasanten Aufstieg von Sony zur Games-Großmacht: Konkurrent Nintendo ist die treibende Kraft für den Eintritt des Elektronikkonzerns ins Videospiel-Segment in der zweiten Hälfte der 1980er. Sony-Ingenieur Ken Kutaragi ist fasziniert von Nintendos 8-Bit-System Famicom und überzeugt davon, dass Konsolen in der Zukunft die Zentralen der heimischen Unterhaltung sein werden. In seiner Firma aber steht er mit dieser Ansicht allein auf weiter Flur. Um Expertise aufzubauen und Sony durch die Hintertür ins Business zu bringen, designt Kutaragi einen Sound-Chip für Nintendo, der prompt in deren kommendem 16-Bit-System Verwendung findet. Anfang 1989 treffen Sony und Nintendo zudem eine Kooperationsvereinbarung: Das geplante Super Famicom soll nicht nur mit einem Modulschacht, sondern auch mit einem CD-ROM-Laufwerk ausgestattet werden. Entweder via Adapter bei dem von Nintendo selbst hergestellten Gerät, oder in Form eines von Sony produzierten Komplettsystems. Die Play Station ist geboren – eine Konsole, die Nintendos Videospiel-Genie und Sonys Expertentum in puncto audiovisuelle Technologie vereint. Das partnerschaftliche Glück hält nicht lange: Nintendo bootet Anfang Juni 1991 Sony aus, indem auf der CES-Messe eine Zusammenarbeit mit dem holländischen Konkurrenten Philips angekündigt wird – und das einen Tag, nachdem Sony die Koop-Konsole enthüllt hatte. Der Zorn des Sony-Präsidenten Norio Ohga wird zum Treibstoff der Entwicklung einer eigenen PlayStation X, die nach dem Ende der Nintendo-Gespräche ein Jahr später endgültig Fahrt aufnimmt.














