Es gibt viel zu tun. Gut zehn Jahre sind vergangen, seit die Verderbnis Ferelden bedrohte und Ihr sie als grauer Wächter in Dragon Age: Origins bekämpfen musstet (mehr zur Geschichte der Vorgänger auf der nächsten Doppelseite). In Inquisition ist die Welt noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Der im Finale von Dragon Age II beginnende Aufstand der Magier zwang die Kirche einzuschreiten, die Göttliche Justinia V. berief ein Konklave ein, bei dem die wichtigsten Vertreter der Geistlichkeit und Magier eingeladen wurden, um diesen Konflikt zu lösen. Doch dazu kommt es nicht…
Während des Konklaves wird der Schleier, der das Nichts (das Reich der Geister und Dämonen) von der Welt der Lebenden trennt, zerrissen die Teilnehmer der Versammlung sterben. Nur eine Person verlässt den Ort lebend: Ihr.
Das wirft natürlich die Frage auf, was Ihr mit dem Unglück zu tun habt. Doch viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht: Dämonen strömen durch die Bresche im Himmel und während Ihr sie bekämpft, wird rasch klar, dass Ihr nicht nur überlebt habt, sondern auch die Lösung des Problems darstellt. Ein seltsames Mal an Eurer Hand erlaubt es Euch, die durch die Bresche entstandenen Risse im Schleier zu verschließen. Da Euch diese Gabe zu einer sehr gefragten Persönlichkeit macht, kommt Ihr zur Inquisition, einer Organisation, die nach dem Fall der Kirche für die Wiederherstellung der Ordnung sorgen will.
Ein hehres Ziel, doch braucht Ihr Verbündete und müsst für deren Unterstützung natürlich erst mal Überzeugungsarbeit leisten. Und es gibt wirklich viel zu tun!
Um Macht und Einfluss der Inquisition zu vergrößern, erwarten Euch zahllose Nebenaufgaben, sodass Ihr zu Beginn schon mal überfordert seid. Die Missionen umfassen dabei viele unspektakuläre Sammelaufträge, jedoch auch zahlreiche interessante oder lustige Quests: von Bauern, deren Vieh Ihr wieder eintreiben müsst, über eine Stadt, die Ihr von ihren auferstandenen Toten befreit bis hin zu einem Eurer Gefährten, dem Ihr helft, seine beste Freundin zu retten (die übrigens ein Geist ist).
Das Absolvieren dieser Aufgaben bringt Euch Machtpunkte, die Ihr benötigt, um neue Gebiete und Missionen freizuschalten, sowie Einfluss, durch den Ihr Boni auswählen könnt wie beispielsweise ein Erfahrungspunkte-Plus oder neue Dialogoptionen.
Die erkundbaren Areale von Inquisition sind deutlich größer als die der Vorgänger und frei begehbar. Es gibt keine schlauchartigen Levels oder festgelegten Wege, denen Ihr folgen müsst und Ihr dürft hüpfen. So erklimmt Ihr zwar keinen Berg, aber kleine Felsen können bezwungen werden. Das wird teilweise etwas nervig, wenn Ihr einen Questgegenstand auf der Karte eingezeichnet seht, dieser jedoch auf einer Klippe liegt und Ihr von fünf verschiedenen Punkten versuchen müsst, dorthin zu kommen…
Die Landschaften beinhalten alles, was das Herz begehrt: einsame Sumpfgebiete, verschneite Einöden, eine Oase in der Wüste. Daneben kehrt Ihr an Orte zurück, die Ihr in den Vorgängern besucht habt wie das verschlafene Nest Redcliff. Zudem verstecken sich überall zahlreiche kleine Geheimnisse, so könnt Ihr sogenannte Astrarien entdecken, die Euch den Weg zu Schätzen weisen oder mysteriöse Scherben sammeln, die Türen in einem geheimen Tempel öffnen. Auch warten mehrere Drachen darauf, dass die Welt von ihnen erlöst wird.
Zum ersten Mal in der Dragon Age-Reihe könnt Ihr die Gebiete auch auf dem Rücken eines edlen Rosses erkunden. Etwas seltsam ist: Wie reiten vier Leute auf einem Pferd, obwohl man nur einen sehen kann? Soll heißen: Eure Party verschwindet während des Ritts. Dafür ist es sehr hübsch, mit Eurem Pferdchen durch die schmucke, bunte Welt zu reiten und wolligen Widdern oder huschenden Füchsen nachzuhaschen. Sind die Wege gar zu weit, könnt Ihr eine Schnellreisefunktion zu bestimmten Punkten nutzen.
Neben den Quests, die Ihr mit Euren Gefährten bewältigen müsst, schickt Ihr Eure drei Berater auf Einsätze. Dies erinnert an die Assassinen-Missionen aus Assassins Creed: Brotherhood: Auf einem Kartentisch in Eurer Basis sind verschiedene Einsatzpunkte markiert, zu denen Ihr einen Berater aussenden könnt, der dann eine bestimmte Zeit (z.B. drei echte Stunden) dafür benötigt auch wählt Ihr auf dem Kartentisch die Missionen aus, die Ihr spielen wollt. Daneben bietet Eure Festung die Möglichkeit, Rüstungen und Waffen herzustellen bzw. zu verbessern, Tränke zu brauen oder Kleinigkeiten zu erforschen, die für die Inquisition nützlich sind. Zu diesem Zweck warten in der Welt Dutzende Kräuter, Mineralien oder andere Reagenzien darauf, von Euch ausgebeutet zu werden.
Folgt Ihr der Hauptstory, erwarten Euch einige Missionen, bei denen Ihr Ränke schmieden oder Partei ergreifen müsst. Bei Ersteren wünscht man sich gelegentlich, einfach mal das Schwert sprechen lassen zu können bei Letzteren frustriert es, wenn es keinen Konsens gibt, um allen zu helfen. Insgesamt wirkt das Spiel ernster als Dragon Age II auch, weil Euer Held kein Scherzkeks wie Hawke ist. Sehr angenehm.
Nachdem Ihr Teil 2 nur mit einem menschlichen Helden bestreiten konntet, stehen in Inquisition wieder die drei Rassen aus Origins zur Wahl: Mensch, Zwerg und Elf. Neu ist die Option, als Qunari zu spielen. Das klingt zunächst spannend, wenn man dabei an den schweigsamen, mürrischen Arishok aus dem Vorgänger denkt. Leider stellt sich der Qunari in Inquisition nur als Mensch mit Hörnern heraus, erwartet also keine kryptischen Worte in Euren Sätzen oder Gedanken darüber, alle Basra zu töten. Die Klassen sind altbewährt: Schurke, Kämpfer oder Magier. Die Wahl von Klasse und Rasse wirkt sich dabei teilweise auf die Dialogoptionen aus.
Im Gegensatz zu Dragon Age II könnt Ihr nun auch wieder Eure Partymitglieder voll ausrüsten. Es warten neun Gefährten, bis auf Varric und Cassandra aus Teil 2 allesamt neue Gesichter. Doch trefft Ihr in der Welt auch auf viele alte Bekannte natürlich abhängig davon, welche Entscheidungen Ihr in den Vorgängern getroffen habt (mehr zum Import Eurer Spielwelt, wenn Ihr zurückblättert).
Dabei zieht sich BioWare erfreulich wenig aus der Affäre, nach dem Motto viele unterschiedliche Entscheidungen führen auf Umwegen doch zum gleichen Ergebnis. So könnt Ihr zum Beispiel Morrigan samt ihrem Erzdämonenkind treffen.
Das Dialograd aus Teil 2 ist geblieben und zum Glück nicht ganz so idiotensicher, dass Ihr das ganze Spiel als strahlender Held absolviert, wenn Ihr nur immer brav die Option rechts oben auswählt.
Dafür haben in der Spielwelt nur wenige Leute etwas zu sagen. Kurzweiligen Wetter-Smalltalk mit dem Dorftrottel oder mehr Informationen als gewünscht über die Saufgelage eines Trunkenbolds gibt es im Gegensatz zum PC-Klassiker Baldurs Gate nicht.
Das Kampfsystem ähnelt dem aus Dragon Age II: draufhauen mit wenig Taktik. Ihr wechselt per Steuerkreuz zwischen den Charakteren, auch das Kreismenü kommt wieder zum Einsatz leider kann man dort nicht mehr die Spezialattacken auswählen, was deren Einsatz auf die zugewiesenen Tasten beschränkt und das Ganze umständlicher gestaltet.
Neu ist eine taktische Ansicht (PC-Spieler kennen eine ähnliche Kamera von Origins), bei der Ihr pausieren und die Kampfsituation von oben betrachten könnt. Ihr weist den Figuren Aktionen zu und lasst dann das Geschehen weiterlaufen. Leider ist das nicht sehr übersichtlich, auch weil nicht weit herausgezoomt werden kann.
Großes Manko: Ihr verfügt nur über eine begrenzte Anzahl Heiltränke, die Ihr lediglich in Lagern aufstocken könnt, und Eure Magier haben die Fähigkeit zum Heilen verloren. Da heißt es oft: zurück gehen und neue Vorräte beschaffen! Habt Ihr genug getötet, erledigt oder erforscht, steigt Ihr eine Stufe auf. In Inquisition ist dieses eigentlich erfreuliche Ereignis maximal unspektakulär gestaltet: Ihr erhaltet die Nachricht Stufe aufgestiegen und wählt eine neue Spezialfähigkeit.
Tobias Kujawa meint: Gigantomanisch der Neologismus aus der aktuellen iPhone-Werbung passt auf Dragon Age: Inquisition wie die Hörner auf meinen Qunari-Krieger. Kaum hat man die Inquisition ins Leben gerufen und sich auf den Weg in das erste Questgebiet gemacht, wird man mit Dutzenden Aufgaben überhäuft. Das schreckt mich einerseits ab, andererseits sind selbst die Standard-Sammelquests in charmante Geschichten verpackt. Dazu lassen sich meine Gefährten ausrüsten, ich darf Waffen schmieden, Baupläne finden, die Inquisition managen, Geheimnisse aufdecken, Politik machen, Tränke brauen und Beziehungen pflegen. BioWare hat sich vom simplifizierten Dragon Age II abgewandt und liefert wieder komplexe Rollenspielkost. Für Unmut sorgen das langsame Menü und das umständliche Inventarmanagement. Beim Kampfsystem beschränke ich mich auf die Echtzeit-Option, obwohl ich Origins am PC mit taktischer Kamera genossen habe. Auf Konsole ist mir deren Steuerung zu umständlich, da haue ich lieber gleich drauf.
Kerstin Mayer meint: Als ich das erste Gebiet erkundet hatte und mich einer riesigen Menge an Sammelaufträgen gegenübersah, war ich etwas enttäuscht. Masse statt Klasse befürchtete ich. Zum Glück ändert sich das im Spielverlauf, die Quests werden persönlicher und interessanter. Toll sind auch die weitläufigen Gebiete, die sehr lebendig wirken und in denen es viel zu entdecken gibt. Etwas enttäuscht bin ich von den Partymitgliedern, da ich mich bei BioWare-Spielen immer auf interessante Charaktere mit viel Hintergrundstory freue. Doch Vivienne ist eine blöde Kuh, Sera nervtötend und nach den coolen Qunaris aus Teil 2 finde ich den eisernen Bullen wenig überzeugend. Vielleicht wären mehr bekannte Figuren besser gewesen, um Eurer Gruppe Charakter zu verschaffen. Den Vergleich mit Dragon Age II gewinnt Inquisition bei mir trotzdem, da es diesen starren Rahmen der Haupthandlung nicht gibt. Hawke hatte durch die persönliche Story vielleicht etwas mehr Tiefgang als der Inquisitor, dafür ist die neue Geschichte nicht so stark vorgegeben.
- frei erkundbare, riesige Spielwelt
- 4 Rassen, 3 Klassen wählbar
- 9 Begleiter, maximal 3 gleichzeitig dabei
- Kämpfe jederzeit pausierbar
- sehr viele Nebenaufträge
- Kinect-Sprachkommandos auf Xbox One
BioWares gigantisches Fantasy-RPG bietet Quantität und Qualität mit schöner Spielwelt, (nur) guter Geschichte und einer Unmenge an Aufgaben.
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