Halo. Wenn Videospieler den Namen hören, dann haben sie entweder etwas zu meckern oder aber größtenteils Gutes zu sagen. Das trifft auf eine Reihe Spiele zu und ist eher nicht ungewöhnlich. Weniger gewöhnlich ist dagegen der Status, den sich diese Reihe in den letzten zwölf Jahren erarbeitet hat. Es gibt wenige Spiele, die von wirklich Vielen fest mit einer Konsole verbunden werden. Noch weit weniger Spiele kreieren ein Konsolenmaskottchen. Der bekannteste Vertreter dieser Art ist sicher Mario. Gut, wirklich mit Mario vergleichen kann man den Master Chief nicht. Dennoch ist Halo über die Jahre eine wichtige Marke geworden, Microsofts größtes Zugtier und bestes Pferd im Stall. Grund genug, Halo einmal genauer zu betrachten und das Potenzial, das noch in der Reihe schlummern könnte.
Das hat natürlich rein gar nichts damit zu tun, dass ich ein kleiner Halo-Fan bin.
Master Chief, Rookie und Co.
Eigentlich gibt es zwei Typen von Videospielhelden. Auf der einen Seite den mehr oder weniger gut ausgearbeiteten Charakter, auf der anderen die reinen Avatare, die als Projektionsfläche dienen. Der typische Bethesda-Held ist so ein Fall, Gordon Freeman ein anderer. Einer der bekanntesten, reinen Avatare ohne richtigen, eigenen Charakter und ohne Stimme ist Link.
Eine Stimme haben der Chief, Rookie und Spartan B312, alias Noble Six zwar, einen wirklich definierten Charakter aber nicht. Vor allem sind alle drei behelmten Helden gesichtslos. Alle fallen in die Kategorie eines reinen Avatars. Das ist eigentlich nicht weiter wild, allerdings lässt es einen reinen Actionhelden, insbesondere von außen betrachtet, schnell flach erscheinen, kein Wunder, wenn der typische Tagesablauf aus Rennen und Ballern besteht.
Wenn man sich etwas intensiver mit Halo beschäftigt bekommt zumindest John-117 allerdings doch ein wenig Charakter. Zum Einen wie bei Link und Gordon wegen der Art, wie seine Umgebung auf ihn reagiert, zum Anderen vor allem wegen seiner Beziehung zu Cortana.
Nach mittlerweile mehr als einer Dekade steckt der Chief als Hauptfigur der Haloreihe hier in einer kleinen Zwickmühle. Andere Actionhelden haben zumindest vordergründig mehr Charakter. Es lag also durchaus nahe, John für Halo 4 ebenfalls etwas mehr auszuarbeiten. Der gesprächigere und emotionalere Master Chief, der sich mehr denn je um Cortana sorgt kam allerdings bei vielen alten Serienfans weniger gut an.
Für die Zukunft von Halo wird das eine echte Herausforderung. Verleiht man dem Xbox Maskottchen ernsthaft mehr Charakter und arbeitet ihn ernsthaft aus oder setzt man wieder verstärkt auf einen leeren Avatar, der vom Spieler gefüllt wird und vor allem Außenstehenden wieder flach erscheint?
Über den Autor…
Michael Meisterfeld ist captain carot – ’nuff said.