Michael Herde meint: Dreimal habe ich God of War III durchgespielt, angefangen auf (zu) ‘leicht’, dann auf ‘normal’ (im Gegensatz zu den Vorgängern auch nicht sonderlich schwer), zuletzt in einem Rutsch auf ‘schwer’, wofür ich knapp zwölf Stunden gebraucht habe. Abgesehen von ein paar frustrierenden Stellen war auch das nicht übermäßig schwierig, zumal Teil 3 einen Trend verfolgt, der mit der PSP-Episode Chains of Olympus begonnen hatte – weniger Rätsel, mehr Kämpfe. Die fiesen Kopfnüsse des meines Erachtens runderen und besseren God of War II fehlen mir in der Serie zusehends. Auch störte mich anfangs, dass der gebrochenen Antiheld Kratos in seinem PS3-Debüt in Sachen Charaktertiefe auf dem Niveau eines Jason Voorhees (Freitag, der 13.) angekommen ist: Beide töten alles, was sich in Sichtweite befindet. Dass aber genau diese Entwicklung Teil der Handlung ist, hat mich gegen Ende genauso überrascht, wie die überbordenden Gewaltspitzen, welche die USK ungekürzt hat durchgehen lassen. Nach dem überwältigend furiosen Auftakt mit Poseidon fällt die audiovisuelle Brillanz leider erstmal spürbar ab, das Kampfsystem muss sich in puncto Flexibilität nicht nur Hits wie Bayonetta chancenlos geschlagen geben, auch Neuzugang Castlevania: Lords of Shadow sticht Sonys Vorzeigegriechen aus. Aber ich stehe auf die Geschichte und den Charakter sowie das Flair der Reihe, wünsche mir für zukünftige Episoden aber ein paar frische Einfälle.
Oliver Schultes meint: Die PS3-Premiere wird dem Image des Kriegsgottes vollauf gerecht: Die Entwickler kleckern nicht, sie klotzen. Bei der grafischen Opulenz, bei der Größe der Gegner, bei der bombastischen Surround-Akustik, bei der Inszenierung von Gewalt. Kratos metzelt ohne Gnade und reißt den Spieler in einen Blutrausch, um ihm zwischendurch dann schonungslos den Spiegel vorzuhalten. In solchen Momenten wirkt God of War III richtig erwachsen. In anderen Bereichen steckt es dagegen immer noch in den Kinderschuhen fest: Einen Levelbereich abzuriegeln, immer wieder neue Gegner hineinzuwerfen und den Spieler bis zum Ende durchhalten zu lassen, ist wenig zukunftsweisend – eher nervig. Genauso wie die anscheinend bei einem God of War obligatorischen unfairen Stellen: Ob Klingenturm im ersten Teil, der immer wieder abgesperrte Pfad zu einem der letzten Bosse in Episode 2 oder nun die rotierenden Würfel – irgendeine Stelle bringt mich garantiert immer zur Weißglut. In solchen Momenten kann ich mit Kratos mitfühlen und seinen unendlichen Zorn teilen!
Matthias Schmid meint: Seit dem Erstling war ich ein glühender Fürsprecher des God of War-Metzelmeisters Kratos: Der Klingenturm? Tolles Spieldesign und fair. Die Rätsel? Fordernd aber nie unlogisch. Doch mit Teil 3 sinkt nicht nur meine Faszination für das stets gleiche Hack’n’Slay-Prinzip, auch Kratos wurde mir zunehmend unsympathischer. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Brutalität, mit der Kratos die Bossgegner verstümmelt, zerstückelt, auseinander reißt oder einfach mal totschlägt, ist selbstzweckhaft und unnötig. Das trifft nicht auf die intelligente Endsequenz zu – hier hat sich Sony Santa Monica ein feines Finale für den Wüterich einfallen lassen. In spielerischer Hinsicht ärgert mich die Fortführung des mit Chains of Olympus-angefangenen Trends hin zu weniger komplexen Tempeln und seichteren Rätseln. Gerade die waren doch willkommene Abwechlsung zwischen der Action und den Zwischensequenzen. Was bleibt ist ein herausragend inszeniertes, grafisch pompöses Gewaltfeuerwerk mit tollen Kamera-Einstellungen, manch coolem Bossfight, traumhaften Landschaften und einer nach wie vor makellosen Steuerung. Ihr seht: Am Ende hat mir God of War III also doch ziemlich gut gefallen…
Ulrich Steppberger: Irgendwie lässt mich die spartanische Schlachtplatte kalt, und ich weiß nicht genau, warum eigentlich. Aber der bombastische Einstieg hat mich beinahe erschlagen, da ist das Spektakel zu massiv – klar, bei einem solchen Spiel klingt eine solche Kritik komisch, aber die Sequenz hat mich eher abgescherckt denn motiviert. Ein anderes Kuriosum am Rande kommt noch dazu: Obwohl mir die Soundkulisse bei einem Spiel nicht am wichtigsten ist, fand ich es merkwürdig, dass die Effekte von Kratos’ Klingen seltsam dünn rüber kamen und im restlichen Klangspektrum beinahe untergingen. Irgendwann will ich die Göttermetzelei trotzdem noch beenden, aber der Stapel der noch zu spielenden Titel ist einfach so hoch…
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