Ein Vierteljahrhundert

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    captain carotcaptain carot
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    Nein, keine Neuvorstellung, warum auch.

    Aber etwas anderes. Im Februar 1986 wurde ich stolze sechs Jahre alt. Es gab aber noch ein weit wichtigeres Ereignis, sogar wichtiger als Einschulung, Challengerkatastrophe oder Tschernobyl. Naja, zumindest für mich.
    Im Februar 1986 bekam ein Freund einen kleinen Schwarzweißfernseher von seinen Eltern und vor allem ein Atari VCS mit Space Invaders und Pacman. Sicher, ich hatte vorher schon ein paar mehr oder weniger prickelnde LCD-Spielchen kennengelernt, aber das war einfach nicht der geringste Vergleich. Heute scheint es absurd, aber mit Pacman durch´s Labyrinth zu wuseln, die Welt vor Ausserirdischen zu verteidigen, das war einfach unglaublich. Zumindest bis ich bei beiden Spielen zu gut wurde und mein Freund nicht nicht mehr spielen lassen wollte.
    Und meine Eltern, die wollten mich den neuen Farbfernseher im Wohnzimmer auf keinen Fall durchgehend besetzen lassen und fanden, für einen eigenen Fernseher sei ich eh noch viel zu jung. Womit sie sicher recht hatten.
    Meine Rettung sollte erst ein ganzes Jahr später erfolgen, als ein neuer in unsere Klasse kam. Der hatte nicht nur ein VCS 2600 mit viel mehr Spielen, z.B. Atlantis, nein, der durfte auch am großen Farbfernseher der Eltern spielen, eine Offenbarung.

    Zwei Jahre ging alles gut, dann zogen wir um, kein VCS spielen mehr für den kleinen Michi. Dafür aber etwas anderes, meine neue große Liebe. Mein Cousin und ich durften ENDLICH an den Amiga 500 meines technikbegeisterten Onkels. Was für ein Ton (den Ausdruck Sound kannte ich damals noch nicht), was für Spielemusik, was für eine Grafik. Und wie viele geschrottete Billigjoysticks vom Supermarkt!!!
    Kurz darauf zu meinem zehnten Geburtstag, sollte ich dann auch endlich mein erstes eigenes Gerät bekommen, weil ich meinen Eltern nämlich einen vorjammerte, von einem kleinen grauen Kasten mit einem kleinen, unbeleuchteten Bildschirm, der eigentlich nix graues sondern eher was grünliches darstellte. Vor allem ein Spiel mit Klötzchen. Es sollten noch viele andere folgen, das erste Castlevania, das erste Mario, das erste Probotector und, und, und. Dank einiger Gurken dann auch die ersten Videospielmagazine, wie etwa die Video Games und die Play Time.
    Noch ein anderes Ding sollte immer häufiger meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eines, dessen Werbung mich auss den Socken haute, das ausgerechnet ein kleiner Bengel in der Nachbarschaft zuerst hatte und dann der ein oder andere in der Klasse. Eines, das Dinge konnte, die ich nicht mal bei meinem Cousin auf dem Amiga gesehen hatte, dessen Spiele einfach so wunderschöne Farben hatte, einen so kristallklaren Sound, und einen Klempner, pfeilschnelle Renngleiter, Kampfschildkröten und vor allem Straßenkämpfer. Das Super Nintendo Entertainment System. Was für ein Hammerteil. Aber meine Eltern zur Ausgabe von 399,-DM überreden? Dazu, eine Konsole am Fernseher im Wohnzimmer hängen zu haben? Das schien unmöglich.
    Erst nach weit über einem Jahr, kurz vor Weihnachten 1993 sollte sich die ultimative Gelegenheit ergeben; ein Klassenkamerad wollte sein SNES verkaufen und lieh es mir mit all seinen Spielen aus! Nachdem ich fleißig mit den Königen der Monster Großstädte vernichtet hatte, einige Schlösser mit Mario von Schildkröten befreit hatte und mit einem Ritter in Unterhosen Ghule und Geister bekämpft hatte wanderte dieses Spiel mit der komischen von oben Grafik in den Modulschacht. Orchestrale Musik erklang, ich erfuhr von der Existenz des Landes Hyrule, machte mich mit Link auf die Suche nach meinem Onkel, der kurz darauf in meinen Armen sterben sollte…und ließ für drei Wochen nicht mehr vom elterlichen Fernseher. Dummerweise wollte mein Klassenkamerad sein SNES nicht verkaufen. Aber hey, was ich nicht wusste, meine Eltern hatten ein nettes kleines Philips Protable gekauft, das wollten sie nicht umsonst getan haben. Also bekam ich ein nagelneues Super Nintendo, Wing Commander und in den nächsten zwei Jahren einen ganzen Haufen anderer Spiele.
    Gleichzeitig sollte ein anderes Gerät neben den Amigas und Super Nintendos in meinem Umfeld seine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Die Play Time testete auch PC-Spiele und in Ausgabe 3/1994 waren zwei Spiele, die meine volle Aufmerksamkeit wollten und doch unereichbar waren. Doom und Alone in the Dark 2, PC-Spiele, 3D Monster. Etwas, das in der Form kein anderes Gerät konnte. Im Sommer 1994 dann die große Überraschung. Mein Vater kaufte bei Vobis einen Highscreen PC. Einen 486 DX50 mit unglaublichen 4MB RAM und einer gigantischen 210MB Festplatte. Und mein Bruder, damals in Ausbildung, hatte einen netten Mit-Azubi der totaler PC-Crack war und mir mit Rat und Tat in der verwirrenden DOS-Welt zur Seite stand und mich auch mit Doom 1 und 2 und Descent versorgen sollte in der nächsten Zeit. Der mir bei der Installation einer Soundkarte und eines Dual Speed CD-ROM Laufwerks half.
    Nicht, dass mein Super Nintendo abgeschrieben gewesen wäre. Jump&Runs oder Shoot em Ups am PC, das war nicht das gelbe vom Ei. Aber neben Budget Flugsims und Angebotsadventures waren es eben diese 3D Spiele, die mich zu der zeit enorm faszinierten.
    Bis, ja bis die Fachpresse immer mehr von drei Konsolen berichtete, Segas Saturn, der Playstation und Project Reality. Nintendos geheimnisvollen Projekt, das Grafik auf dem Niveau der Jurassic Park Effekte auf den Bildschirm bringen sollte. Oder so ähnlich. Als Fanboy, der vom 32X und Mega CD nicht viel hielt konnte der Sega Saturn auch nix sein, Sony stand ich auch skeptisch gegenüber, hatten die doch kaum Ahnung von Konsolen. Dann tauchten unglaubliche Screenshots auf. Etwa vom Playstation Port von Ridge Racer, von wipEout und Destruction Derby, von Tekken und Toshinden. Das Ding musste ich haben. Und wenn schon keiner meine Seele kaufen wollte, dann musste das Super Nintendo halt weg, auch, weil ich mittlerweile eh schon einen Amiga mit richtigem Monitor hatte.
    Also kam Weihnachten 95 eine Playstation mit Warhawk in mein Zimmer, das Super Nintendo musste für einen größeren Fernseher weichen, was ich später übrigens bereuen würde. Anfangs allerdings nicht, dafür waren Toshinden, Destruction Derby, Krazy Ivan und co. erstmal einfach zu unglaublich.
    Und Nintendo? Die sollten zur hauseigenen Messe eben genau Ende des Jahres eine Wahnsinnsdemo zeigen. Oder zwei. Oder drei. Während ich mit Jumping Flash etwas hakelig herumhüpfte schwärmten Journalisten von den geschmeidigen Bewegungen eines dreidimensionalen Marios, von den fast schon filmartigen Shadows of the Empire Sequenzen und der Wasserphysik eine sonst etwas schwachen Powerboatrennspiels!!! namens Wave Race vorschwärmen. Das Ding musste ich auch haben, war ja klar. Als das mittlerweile zwei Mal umgetaufte Nintendo 64 endlich in deutschen gefilden rauskam hatte ich dummerweise gerade kein Geld, oder eben auch nicht. Im Juli wollte ein Freund von mir sein N64 loswerden, für mickrige 150 Märker mit Mario 64 und Shadows of the Empire, das musste ich haben. Ich sollte die nächsten Jahre zwar trotzdem mehr auf der Playstation spielen, auch wegen Final Fantasy, das mein Faible für Nippon RPG´s endgültig wecken sollte, aber einige der besten Spiele würden für Nintendos letzten ausgewachsenen Modultoaster sein. Zwischenzeitlich weckten übrigens ein NES und Pirates meine Lust auf ein neues Super Nintendo. Ein eigenes VCS hatte ich mittlerweile ja auch schon längst.

    Trotzdem, bei all den Spielen zog erstmals auch eine Konsole von Sega ernsthaft mein Interesse auf sich. Ein Gerät mit scheinbar unendlich viel Leistung. Dreamcast. Beim Japanrelease dank technisch nur mäßig guter Umsetzungen von Sega Rally 2 und Virtua Fighter 3 noch etwas enttäuschend überzeugte mich der/die/das Dreamcast immer mehr. Ich wollte aber doch auf die PS2 warten. Ein neuer Familien-PC, ein 433MHz Celeron B mit einer Elsa TNT2 M64, sollte mir das Warten allerdings allzu leicht machen. Der alten Konsolen ein wenig müde konnten mich Spiele wie Unreal Tournament, Mechwarrior 3 und 4, Fallout 1 und 2 oder Baldurs Gate noch einmal überzeugen. Die Playstation 2 war zur Einführung sündhaft teuer und anfangs auch etwas enttäuschend. Dreamcast holen oder nicht? Das erste eigene Auto kostete aber auch mehr Geld als gedacht, also erstmal nicht. Die ersten Kumpels hatten ne PS2, samt ziemlich geiler Spiele wie Timesplitters, aber irgendwie fehlte der Grund, soviel Geld auszugeben. Resident Evil Code Veronica kam, überzeugte nicht und hatte eine endgeile Demo von einem Spiel namens Devil May Cry. Gleichzeitig hatte ich aber irgendwie immer mehr genug von allem. Vieles kam mir allzu vertraut vor, innovationslos und langweilig. Irgendwie hatte ich absolut keinen Bock mehr. Ich hörte auf, zu spielen. Ich kaufte keine Maniac mehr. In die letzten Ausgaben hatte ich eh nicht mehr reingeschaut. Anderthalb Jahre spielte ich gar nicht. Irgendwann merkte ich allerdings, dass mir was fehlte. Ich besorgte mir doch wieder mal ein paar günstige PC-Spiele, rüstete den PC auf, rüstete ihn noch was auf, merkte, dass mir das auf den Sack geht und kaufte doch noch ne PS2. Damit war ich Anfang 2004 wieder da, wo ich angefangen hatte. Weil ich mittlerweile viel kritischer geworden war als zu Kinder- und Jugendtagen, vielleicht manchmal zu kritisch, fehlte mir manchmal ein wenig die eigene Begeisterungsfähigkeit, trotzdem machte es wieder Spaß, zu zocken. Mein Neueinstieg kam aber etwas spät, zumindest die XBox 360 von Evil Mcrosoft, die ich mir nie kaufen würde, schon weil Windows manchmal so nervt, klopfte allmählich an die Tür. So ganz konnte ich mich in den Folgejahren deswegen auch nicht vom PC lösen. Immerhin wollte ich auch Far Cry, Oblivion und Co. spielen. Und Sony war ja so viel besser und netter und sympathischer. Bis die einfach hingingen und die Abwärtskompatiblität der Playstation 3 wegrationalisierten. Und ein paar andere Kleinigkeiten. Das hämmerte mir endgültig in den Kopf, dass Sony auch nicht besser ist als the-red-ring-of-death-Microsoft, die sich zum Beispiel gerade in dem Fall sehr kulant zeigten und auch an der Abwärtskompatiblität arbeiteten. Nintendos Wii konnte mich auch nicht so wirklich überzeugen, weniger wegen der Technik als vielmehr wegen des Erfolgsfaktors Wiimote. Trotzdem musste, weil ich halt nicht gerne am PC spiele, allmählich eine neue Konsole her, Weihnachten 2008 viel die Wahl dank MS´ Preissenkung leicht, obwohl ich nicht so sicher war, dass ich richtig und weise wähle ^^ , was ich anscheinend aber getan habe. Trotz DLC-Wahn, Onlinewahn und einer Zeit, in der das Industrie bei Spieleindustrie groß geschrieben wird hab ich so viel Spaß wie lange nicht mehr. Zum einen, weil es geniale Spiele wie Mass Effect und Mirror´s Edge gibt, meine geliebten ME´s, zum anderen, weil ich mittlerweile auch gern mal ein Lego Spielchen mit meiner Tochter spiele. Vor allem aber auch, weil ich wieder etwas lockerer an die Sache rangehe.

    Keine Ahnung, was ich in fünfundzwanzig Jahren spielen werde, denn etwas wie the Darkness, Enslaved und all die anderen hätte ich mir vor einem Vierteljahrhundert im Traum nicht vorgestellt. Aber eines ist sicher. Ich hab das Vierteljahrhundert diesen Monat voll, jetzt ist das halbe Jahrhundert dran. Auf die nächsten 25 Jahre, mal sehen, was sie bringen.

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